Boss und Hoss und kleine Cowboys

Bosshoss„Liebe Kinder, mit Bücherschreiben ist das so eine Sache. Es gibt Buchideen, die ein Leben lang nicht geschrieben werden. Und es gibt Buchideen, die platzen. Einfach so, ohne dass man was dafürkann. Wie bei einem Luftballon. Gerade noch groß und rund und – BUMM – im nächsten Moment nur noch ein spuckfeuchter Gummifetzen. Da heißt es dann: Zähne zusammenbeißen.

Es gibt aber auch Buchideen, die sind so tief in einem drin, die kriegt man nicht so leicht zu platzen. Das sind Buchideen für die man kämpfen muss. Jeden Tag aufs Neue. Manchmal ein Leben lang. Unser großer Traum war und ist es, einen Verlag zu finden, um mit unserer langweiligen und plumpen Geschichte die Buchhandlungen dieser Welt zu erobern. Dafür geben wir alles. Und der Verlag Baumhaus auch.“

Liebe Kinder! So oder so ähnlich erklären der Boss und der Hoss, besser bekannt als Bosshoss, ihr erstes Bilderbuch. Und das ist mal so richtig in die Bosshose gegangen. Weil da so gar nichts zusammenpasst. Grundidee nicht, Bilder nicht, Geschichte nicht. Obwohl Kinder- und Jugendbuch-Gesamtleiter Mathias Siebel daran mitgearbeitet hat.

Das beginnt schon beim Illustrator Daniel Ernle. Der kann Piraten und Sternenritter und Characters für die Werbung entwickeln und mit Layoutfilzern Bilder skizzieren. Wenn die Scribbles aber schon die fertigen Illustrationen sind, wirkt das flau und unfertig ausgearbeitet. Und die gewollte Ähnlichkeit der beiden Cowboys zu Boss und Hoss ist selbst auf den fünften Blick nicht festzustellen.

Und die Geschichte? Rumpelt sich in die eigentlich Handlung. Denn Boss und Hoss wohnen in einem ganz gewöhnlichen Kinderzimmer. Und wollen, wenn sie groß sind, Feuerwehrmännner? Fußballstars? Astronauten? werden? „Nein?“ Warum steht hier ein Fragezeichen? Wer erzählt denn hier eigentlich? Der liebe Onkel von Boss und Hoss? Seltsam. Aber auch egal, schließlich wollen die beiden, na was wohl, Cowboys werden. „Kurzerhand machen sie sich auf in den Wilden Westen.“ Schwupps, sind sie vom Kinderzimmer in die Prärie gebeamt. Direkt unter ein gesatteltes Pferd.

Von nun an läuft die Geschichte nach dem immergleichen Prinzip. Reiten klappt nicht, Kuh fangen klappt nicht, Feuer machen misslingt, schießen (mit Saugnapfpfeilen) wird nichts. Bis ein nebulös-geheimnisvoller Fremder des Weges kommt. Und eine Gitarre vergisst. Schon beginnt Boss an den Saiten zu zupfen, und Hoss beginnt dazu zu singen. Und alle Cowboys, die sie vorher belächelt haben, tragen sie nun begeistert zum Saloon. Wow! Denn ein echter Cowboy wird man schon, wenn man als Naturbegabung Gitarre spielen und singen kann. Fertig.

Was das soll? Die gewonnene Popularität von Bosshoss mitnehmen, koste es was es wolle. Das ist so offensichtlich und dazu so offensichtlich schnell dahingeschmiert, dass der Vorleser glatt zur Rothaut wird: weil es einem die Schamesröte ins Gesicht treibt. Kleine Cowboys ganz groß? Nee, große Cowboys ganz klein. Das passt eher.

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