Fauchi und der Tor zur Welt

Heinz Strunk ist ein Autor von literarischem Gewicht, von seinem Debüt Fleisch ist meine Gemüse bis zu seinem aktuellen Roman Memories of Heidelberg. Was dazwischen erschienen ist, lässt sich alles auf Wikipedia nachlesen. Alles? Nein, nicht alles. Denn erschienen ist nunmehr auch sein drittes Kinderbuch. Warum erwähnen, handelt es sich beim Kinderbuchschreiben doch um eine Art simplen Nebenerwerb. Nichts recherchiert, schnell dahingeschrieben, fertig.

Fragen wir mal nach beim Heinz. Hatte er beim Schreiben eine Vorstellung davon, wer das Buch einmal lesen wird? „Nö.“ Aha. Hat er sich umgeschaut, was es auf dem Kinderbuchmarkt sonst noch so gibt? „Ich war einmal in einem Buchladen.“ Immerhin. Er wird doch Graf Fauchi nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt haben? „Doch.“ Ja dann, danke für die Auskunft.

Sein erstes Kinderbuch aus dem Jahr 2023 trug den Titel Die Käsis und es ging, der Titel legt es nahe, um „einen industriellen Scheibenkäse, der sich in eine edle Parmesandame verliebt“. Danke, Heinz. Dafür hat er zumindest Begriffe gesammelt, ein wenig Vorbereitung muss sein, um „ein Käsevokabular zusammenzutragen: Käsiletten, Käsimatenten, das große Schmorgericht unter Vorsitz von Richter Beef Jezos und so weiter.“ Was für ein Käse!

Käsekinderbücher sind in Deutschland nur schwer verkäuflich, siehe die Reihe Geronimo Stilton, deshalb dümpeln Die Käsis immer noch in der ersten Auflage dahin. Aber Lappan bewies unerschütterliche Autorentreue und sammelte auch das zweite ein, was Heinz so aus dem Ärmel flatterte. Ging ja schnell, denn „was man so an Allgemeinbildung über Vampire hat, hat mir gereicht“ war Grundlage genug.

Und so sucht der altersschwache Greisengraf Fauchi sein verschwundenes Gebiss, denn ohne kann er kein Blut saugen – mehr Info braucht es nicht, um sich die Geschichte bis zum Ende zusammenzureimen.

„Die Ausführung ist unter jeder Kritik: die Sprache ist dermaßen holprig, der angebliche Humor von meinen Enkeln (die sehr belesen sind) und mir nicht erkennbar; oft bleibt absolutes Unverständnis zurück.“ heißt es in einer amazon-Rezension. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer man heißt Heinz Strunk und Lappan. Dann geht noch ein weiterer Graf Fauchi und das Tor zur Welt. Auch da ist Recherche unnötig, Heinz wohnt ja zentral zwischen Schanze und Reeperbahn und weiß, worüber er schreibt.

Leider tut er das seltsam blutleer, obgleich Graf Fauchi bei einer Lotterie „ein „Rundum-sorglos-Paket, das ihm jede Woche ein Zehn-Gallonen-Fass allerfeinsten Feinschmecker-Bluts bis ans Lebensende garantiert“ (S. 11) gewinnt. So arbeitslos geworden versucht sich der Graf erfolglos in Nebenjobs, ohne großen Erfolg. Textbeispiel gefällig?

„Aufgrund zahlreicher Beschwerden sucht er [Graf Fauchi] den Untotenarzt Dr. Mabuse auf und hofft auf Krankschreibung. Doch nach eingehender Untersuchung bescheinigt Dr. Mabuse dem Grafen einen für sein hohes Alter sehr guten Allgemeinzustand. Nur mit dem Nervenkostüm stehe es nicht zum Besten, deshalb rät die Kapazität dem Comte zu einem längeren Erholungsurlaub.“ (S. 17)

Das klingt wie gelangweilt heruntererzählt. Ganz bewusst wird oftmals auf synonyme Bezeichungen zurückgegriffen, als würde jede Wortwiederholung wie im Grundschulaufsatz als Ausdrucksfehler angestrichen. Und für die wenigen Kalauer schafft er etwas erzählerischen Raum, dazu folgt eine glückliche Wendung auf die nächste, damit der Graf auf seinem Weg in den Erholungsurlaub in Hamburg landen und nach allerlei Abenteuern den Rückweg antreten kann. Das hat mit Kinderliteratur wenig bis gar nichts zu tun.

Aber wie sagt der Autoren-Promi Strunk so schön: „Die beiden Sachen, auf die Boulevard-Promis stolz sind, sind erstens Schmuckdesign und zweitens, auch mal ein Kinderbuch geschrieben zu haben.“ Lieber Heinz, kleiner Tipp, jetzt wäre die Zeit für Schumuckdesign gekommen. Da nich für.

(Die Strunk-Zitate stammen aus dem Interview „Pädagogischer Auftrag? – Null!“ aus der ZEIT 44/2025)