Wir spielen auf ZEIT

Zur Leipziger Buchmesse 2026 stand fest: Der seit 1986 bestehende LUCHS-Kinderbuchpreis von ZEIT und Radio Bremen Zwei wird eingestellt.

Warum und wer diese Kooperation beendet hat, wissen nur die Beteiligten selbst. Die offizielle Pressemitteilung ist, wie so oft, nur allgemeines Blabla, dass den bisherigen Preis durch die Aussicht auf ein noch stärkeres Engagement beider – Die ZEIT: „Die ZEIT wird die Berichterstattung in der Zeitung und im Internet ausbauen, unter anderen mit dem neuen ZEIT Kinder- und Jugendbuch Preis, der im April startet.“ und Radio Bremen: „Auch Radio Bremen wird sich weiter für Kinder- und Jugendliteratur engagieren, Neuerscheinungen vorstellen und verlässliche Empfehlungen für besonders lesenswerte Bücher geben.“ eher kleinredet und renovierungsbedürftig erscheinen lässt.

Nun sind, ab April, die ersten Kinder- und Jugendbuch-Bestenlisten der ZEIT mit jeweils fünf Titeln erschienen, ausgewählt von 20 Redakteur:innen der ZEIT und vorgestellt von Katrin Hörnlein – die Liste findet sich in der gedruckten Ausgabe und einigen Newslettern, die Kurzrezensionen nur Online hinter der Bezahlschranke. Was diese Liste anders macht als andere Empfehlungslisten erklärte Katrin Hörnlein vorab im Interview mit dem Boersenblatt. Zum Beispiel: „Anders als in manch anderer Bestenliste werden die fünf Titel nur ein Mal auftauchen. Es gibt also jeden Monat fünf neue Titel.“ Da es nicht allzuviele anderer und vergleichbarer Listen gibt, ist hier wohl die Mutter aller Kinderbuch-Empfehlungslisten gemeint, die Besten 7 von Deutschlandfunk und Focus. Bei der zwar Mehrfachnominierungen möglich sind, aber nur äußerst selten vorkommen. Hier fünf, dort sieben Titel, hier fünf Wertungen von 1 bis 5 Punkten, dort drei Wertungen mit 1, 3 und 5 Punkten, hier 20 Redakteur:innen, dort 29 Expert:innen, tja.
 
Zum Juryverfahren heißt es weiter: „Für die Bestenliste stimmen 20 ZEIT-Redakteur:innen aus unterschiedlichen Ressorts ab. Etwa die Hälfte ist mit dem Feuilleton bzw. der Literatur verbunden. Die übrigen sind aus Ressorts wie Bildung, Familie, Geschichte, Wissen, aber auch aus dem Digital-Ressort, dem Entdecken und dem ZEITmagazin.“ Damit wird die fünfköpfige Jury aus vier externen Expert:innen wie der Übersetzerin Brigitte Jakobeit, Benno Hennig von Lange vom Literaturhaus Frankfurt, Jörg Bernardy, Autor und Philosoph, und Katharina Milde von Radio Bremen sowie ZEIT-Redakteurin Katrin Hörnlein abgelöst.

Um den fachfremden Redakteur:innen die Arbeit zu erleichtern, wird vorab kuratiert: Wir sichten in der Redaktion mehrere Hundert Titel aus dem Frühjahrs- und dem Herbst-Programm und stellen jeden Monat eine Liste von zehn bis 20 Titel zusammen, über die abgestimmt wird. sagt Katrin Hörnlein weiter.
 
Aus den 5 Titeln der 12 Monate wird dann einmal jährlich der „ZEIT Kinder- und Jugendbuchpreis“ ermittelt. „Dafür werden wir im Herbst aus allen Bestenlisten-Büchern eine Shortlist erstellen, über die dann eine Fach- und Kritikerjury diskutiert und den Gewinner kürt.“ Wer das sein wird, ist, Stand heute, noch offen oder noch nicht bekannt. Auch keine Aussage gibt es zur Preissumme. Ob die 8.000 Euro, mit denen der Jahresluchs dotiert war, bleiben werden, ist (noch) nicht bekannt gegeben.
 
Über diese Neuerung klingt zweierlei an: Der Verdacht, dass durch die strikte Nutzung der eigenen Redakteur:innen schon mal Kosten für Externe eingespart werden, wie sie die bisherige LUCHS-Jury wohl verursacht hat. Und dass mit dem Blick auf die Indoor-Jury mit Vertreter:innen aus den schon genannten Ressorts der Satz: ‚Literaturkritik wird gemacht, Kinderliteraturkritik wird mitgemacht‘ deutlich mehr Gewicht erhält und damit einem allgemeinen Trend folgt. Die Luft wird immer dünner für das, was Kinderliteraturkritik sein sollte, wenn Kinderliteratur denn literarisch ernst genommen werde soll und will: Kinderliteratur braucht eine Literaturkritik, die von Menschen kommt, die sich mit Kinderliteratur auskennnen.