Drei, zwei, eins – mein Buch!

Zwischen den klassischen Verlagen und den sogenannten Druckkostenzuschuss-Verlagen hat sich erfolgreich eine dritte Kategorie etabliert, die sogenannten Dienstleistungsverlage. Sie sind ein Zwitter, der sich seit längerem hält und fleißig auf Social Media auf sich aufmerksam macht. Und anscheinend erfolgreich, trotz der mittlerweile ausgefeilten Möglichkeiten des Self-Publishings.

Sie gehören eindeutig zu den Verlagsmodellen, die nicht von den Buchkäufer:innen leben, sondern von den Autor:innen selbst. Während Druckkostenzuschussverlage gleich ein ganzes Paket verkaufen, inklusive Anlieferung der gedruckten Exemplare an die heimische Adresse, bietet der Dienstleistungsverlag ein abgestuftes Modell aus Einzelleistungen. Anders gesagt: Bei dem einen gibt es die Pizza nur mit allem, beim anderen den Pizzateig, und jeder Belag kostet extra.

Beispiele für Dienstleistungsverlage sind der Novum Verlag, der Romeon Verlag, impian, das Verlagshaus Schlosser, Edition Blaes und wie sie alle heißen.

Das Zwitterwesen spiegelt sich auch im Marktgebaren wider. Denn da werden nicht wahllos Autor:innen gesucht, sondern es wird damit geworben, dass nur noch wenige Programmplätze frei seien, bei impian auf der Webseite z.B. noch 2 von 9 möglichen, um die es sich zu bewerben gilt. Dass sie damit ihre Kritik an den etabierten Verlagen konterkarieren, dass man dort nur geringste Veröffentlichungschancen habe, wird in kauf genommen.

Denn diese künstliche Verknappung steigert das Selbstwertgefühl der Autor:innen, wenn sie zu den wenigen gehören, die ins Verlagsprogramm aufgenommen werden. Nicht zuletzt wird über ein eingeschränktes Halbjahresprogramm auch ein gewisses Qualitätsversprechen erzeugt, oder wie es bei impian vollmundig heißt: „Vom Manuskript zum Meisterwerk – wir veröffentlichen dein Buch!“

Weil die Zielgruppe der Dienstleistungsverlage eher Amateure sind, wird oftmals mit unzutreffenden bis falschen Behauptungen gearbeitet, um die eigene Seriosität unter Beweis zu stellen.

Zum Beispiel die Edition Blas, „der kleine Verlag“. Der behauptet fälschlicherweise, „So gibt es Literaturagenten, die das Blaue vom Himmel versprechen, erkleckliche Vorschüsse kassieren und mit lukrativen Verlagsverträgen winken.” Seriöse Literaturagenten tun das nicht, denn sie leben von einem Anteil an den Vorschüssen, die die Verlage zahlen, nicht von Zahlungen der Autor:innen. Auch die Aussage „Ich berechne keinen Vorschuss.“ suggeriert etwas, was seriöse Verlage nie tun würden.

impian wirbt damit, dass sie 10 echte Handelsvertreter in die Buchhandlungen reisen lassen. „Viele Verlage schreiben, dass sie über Handelsvertreter verfügen. Gemeint ist damit aber oft nur, dass der Großhändler einen automatischen Hinweis auf die Neuerscheinungen verschickt.” Das ist Quatsch, entweder gibt es Handelsvertreter oder nicht, und die meisten Verlage haben welche, fest angestellte oder freie.

Und der Romeon Verlag behauptet dreist, „Ein Publikumsverlag verlangt zwar keine Kostenbeteiligung, aber, die meisten Neu-Autoren erhalten erst dann ein Honorar, wenn die Buchverkäufe eine bestimmte Menge überschritten haben (zum Beispiel 5.000 verkaufte Bücher).“ Auch das ist gelogen, denn mit der Unterzeichnung eines Verlagsvertrages wird darin auch der vom Verlag gezahlte und garantierte Vorschuss genannt und ausgezahlt, der mit der verkauften Auflage verrechnet wird. Der Autor ist dabei auf der sicheren Seite: Bleiben die Verkaufserwartungen zurück, ist der garantierte Vorschuss trotzdem seins und muss nicht anteilig zurückgezahlt werden. Verkauft sich das Buch besser, dann erhält er die vereinbarte prozentuale Beteiligung obendrauf.

Was bei den Angeboten selten zu finden ist, sind konkrete Kosten für ein Buch. Bei der Edition Blas heißt es in der ausführlichen Erklärung, was das Lektorat tut, am Ende „Das Honorar für ein Lektorat hängt vom Umfang und von der Qualität des Manuskriptes ab.” Verlagsüblich sind Seitenhonorare, bezogen auf Normseiten von 1.800 Zeichen pro Seite, und das liegt bei rund 6 bis 8 Euro pro Seite. Ein anderes Modell bietet der Rediroma Verlag: Ein klassisches Lektorat eines 240-Seiten-Werkes kostet laut Kalkulations-Tool 1.070 €, das KI-gestützte 420 €.

Ganz versteckt auf der Webseite gibt es dann doch einen groben Kostenrahmen, der sich aus den Bausteinen Lektorat: 1.500 €, Korrektorat: 700 €, Buchsatz: 600 €, Coverdesign: 400 €, Sonstige Kosten: 100 € bei einem mittelgroßen Projekt zusammensetzt. Nicht enthalten ist die Position Druck der Bücher. Das klingt ja noch sehr realistisch.

Bei impian muss man in Foren suchen, um einen groben Kostenrahmen zu finden. Da ist von rund 7.000 Euro die Rede, wobei nicht klar wird, aber da schon gedruckte Exemplare mit einkalkuliert sind.Gefühlt eher nicht.

Der novum Verlag – der selbsternannte „Verlag für Neuautoren“ – bleibt ebenfalls vage und bietet folgendes an: „Erhalten Sie einen unverbindlichen Verlagsvertrag. Wir empfehlen Ihnen ein passendes Veröffentlichungspaket, das alle professionellen Verlagsleistungen für eine erfolgreiche Veröffentlichung enthält.” Als Testimonial fungiert Dieter Hallervorden, der nicht nur potentielle Autoren überzeugen will, sondern dort tatsächlich einen Band mit Alltagsgeschichten veröffentlicht hat.

Aber der Verlag hat noch eine Besonderheit im Angebot: Die Suche nach Kurzgeschichten für Anthologien. Auch diese Einsendungen sind mit einem Preisschild versehen, im Januar 2025 gab eine angefragte Autorin 49,- € pro eingereichte Seite an. Kein Honorar, sondern eine zu zahlende Gebühr.

Von daher: Ja, es ist bedauerlich, dass es viele gut gemeinte und mit Herzblut geschriebene Bücher nicht in seriöse Verlagsprogramme schaffen. Aber bei vielen gilt: Aus gutem Grund.