Deutscher Verlagspreis

„Ich fühle mich auf den Schlips getreten, weil Jörg Thadeusz irgendwelchen Zausel-Quatsch zum Deutschen Verlagspreis verzapft.“

Nach den unsäglichen Querelen um den Deutschen Buchhandlungspreis geht es nun in die nächste Runde: Die Ausschreibung des Deutschen Verlagspreises 2026. Der Geldtopf dafür befindet sich, wie bei ersterem, wieder bei Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Und der Preis und vor allem das Verfahren der Preisfindung stehen schon zum Bewerbungsstart unter besonderer Beobachtung. Zu Recht.

Denn das Verfahren hat sich zu vergangenem Jahr geändert. Mehr Transparenz soll es geben. Insofern, als nun von vornherein festgelegt ist, dass „der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) auf Grundlage der Empfehlungen der Jury“ die Auswahl der auszuzeichnenden Verlage trifft. Wie er das tut, ob er dazu das umstrittene Haber-Verfahren anwendet oder nicht, das ist allein seine Sache. Daran ändert auch der Zusatz nichts, dass zur fachlichen Beratung – oder in Streitfällen – bei Bedarf ein Gremium aus Börsenverein und Kurt-Wolff-Stiftung hinzugezogen werden kann, sowohl von der Jury als auch vom Staatsminister. Muss aber nicht, wenn Weimer final aussortiert oder ablehnt. Denn wie heißt es so schön aus seinem Büro: „Weimer wolle der Empfehlung grundsätzlich folgen und nur in Ausnahmefällen ein Veto einlegen – etwa wenn der Verfassungsschutz Bedenken anmeldet.“ Wozu man den ja erst mal fragen muss, oder?

Medial kam diese Neuerung nicht allzu gut an. Da hilft auch das verzweifelte Zurechtrücken von Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz im Börsenblatt-Interview nichts. Denn er steckt in einer politischen Zwickmühle: Die Forderung des Börsenvereins für eine strukturelle Verlagsförderung wird bei der allgemeinen Haushaltslage nicht umsetzbar sein, damit ist der Verlagspreis die einzige verfügbare staatliche Subvention für kleinere Verlage in Deutschland. Jeder Konflikt mit Wolfram Weimer, und sei er noch so gerechtfertigt, könnte deshalb die Preisvergabe und damit die Ausschüttung der Summen gefährden. Also macht er gute Miene zum bösen Spiel und verkauft eine Mogelpackung als „war schon immer so“, nur dass die bisherigen Amtsinhaberinnen vor Weimer die autonome Entscheidung der Fachjury vollumfänglich respektiert haben.

Es wäre spannend zu sehen, ob die vom rechten Hetzportal „NIUS“ im Jahr 2025 genüsslich aufgelisteten ausgezeichneten Verlage wie der „Verlag Unrast (…) Der gibt Antifa-Terroranleitungen für Schüler heraus. (…) linksextremen Verbrecher Verlag. Dieser publiziert Bücher von Antifa-Gruppen – eine von ihnen steht sogar im Verfassungsschutzbericht. Auch den Antifa-Verlag Edition Assemblage, den linksradikalen Verlag Edition Nautilus, den Verlag Manifest und den Antifa-nahen Verlag Westfälisches Dampfboot bedachte Weimer mit 18.000 Euro Steuergeld.“ durch dieses ach so transparente Verfahren kämen. Glücklicherweise sind sie aber im Folgejahr von der Bewerbung ausgeschlossen. Aber NIUS wird auch unter den diesjährigen Bewerbern nach genau solchen Fällen suchen und das lautstark anprangern. Es sei denn, sie werden von der Jury, dem Juryvorsitz oder dem Kulturstaatsminister aussortiert.

Damit kommen wir zur nächsten Änderung, Wie üblich ist ein Teil der Jury turnusmäßig neu besetzt. Ebenfalls neu ist, dass von vornherein ein Juryvorsitz festgelegt wurde, den es so vorher der paritätisch agierenden Jury nicht gab. Es ist der Moderator und Schriftsteller Jörg Thadeusz. Was ihn dazu befähigt? „… weil ich bereits für die unterschiedlichsten Verlage als Moderator gearbeitet habe.“, sagt er im Interview mit dem SPIEGEL vom 14.7.2026. Mit dieser Qualifikation könnte er genauso gut die beste Bratwurst Thüringer Art außerhalb Thüringens auszeichnen oder die Geranientöpfe des Jahres des Tourismusverbandes Pfälzer Weinstraße. Aber es ist ja auch mehr eine Grüßaugust-Funktion. „Ich find’s gut, wenn am Ende einer den Kopf für die Entscheidung der Jury hinhält.“ sagt er im Interview und das ist nicht Thadeusz, sondern Wolfram Weimer. Ein merkwürdiger Ansatz von Juryarbeit, wenn die Entscheidung dann bei Dritten liegt.

Gut, eine paar Bücher hat Thadeusz auch veröffentlicht, allesamt beim Verlag Kiepenheuer & Witsch, der eh keine Chance auf eine dotierte Auszeichnung hat. Das er da keinen einzigen Buchvertrag selbst verhandelt hat, legt das Motto der ihn vertretenden Agentur FSR Unterhaltungsbüro nahe: „Freiheit, Schönheit, Reichtum“ heißt es dort, mit Fokus auf letzterem.

Das Interview selbst zeigt vor allem eines, einen selbstverliebten, bemüht flapsig daherquatschenden Talkshow-Veteranen ohne großartige inhaltliche Substanz. Sebastian Guggolz wird mehrfach in das dickste seiner Guggolz-Bücher gebissen haben, als er das gelesen hat, insbesondere der Satz „Leute fühlen sich auf den Schlips getreten, weil Wolfram Weimer irgendwelchen Zausel-Buchhandlungen kein Geld zubilligt“ ist ein Affront, der nur Öl ins Feuer gießt und der gesamten Diskussion einen Bärendienst erweist.

Egal, wer am Ende die Preise bekommt, die Fliehkräfte von rechts und links werden sich hyänenartig darauf stürzen, da war das alles nur ein fader Vorgeschmack.