Vom Drahtesel zum Goldesel?
Da kommt was ins Rollen! Nach dem literarischen Überflieger Tom Turbo, dem Wunderfahrrad mit 111 Tricks, von Thomas Brezina und nach dem Welterfolg Dino Wheelies von Matthias Weinert erobern jetzt die Superbikes von Hana Sörensen mit Illustrationen von Stefan Leuchtenberg den Weltmarkt! Denn – genau! – die Welt der Fahrräder ist ja bisher noch nie als erzählter Kinderkosmos ausgestaltet worden! Davon ist jedenfalls Carlsen/Nelson überzeugt und bringt eine ganze Produktwelt von Vorlese- bis Mal- und Witze-Büchern („wer zu viel lacht, lacht sich die Reifen schlapp“) auf den Markt.
Ja, da bist du platt: Fahrräder als Figuren mit Persönlichkeit sind die neuen Helden! Sie heißen Jump, Lexi, Fobbs, Masha, Fox – nein, das sind nicht die neuen Spice Girls –, die Bösen Spicy und Trip und weil alles in der Stadt San Velo spielt, gibt es auch noch ein paar Räder aus dem Bereich kritische Infrastruktur wie Firo, das Feuerwehrrad, Flash, der Polizist und Brake, der Postbote. Leider fehlen in diesem diversen Radlager noch Pedi, das Pedelec für das dicke Kind aus Landau mit Bewegungsdefizit, Klinge-Ling, das chinesische Volksfahrrad und Corny, das links-grüne Öko-E-Lastenrad.
Sie alle sehen so aus, als würde man mit Kindern Schubkarre spielen und deren Arme in Fahrradgabelstulpen stecken. Damit halten sie einerseits ihr Vorderrad fest und können anderseits herumfuchteln – wenn auch nur mit einem Arm, denn das andere muss ja am Vorderrad bleiben, damit es nicht von alleine wegrollt. Suuuper! Und aus den Fahrradhelmen, die sie selbstverständlich tragen, wachsen rechts und links Lenkerenden heraus wie ein Geweih. Craaazy! Aber auch seltsam, weil in San Velo ja niemand lebt, der sich auf den ebenfalls vorhandenen Sattel setzen und lenken könnte. Ach, egal.
Der Luftdruck stimmt, die Kette ist geschmiert und schon rollt die actionreiche Handlung los, die sich auch sprachlich den richtigen Radweg sucht. „Unten stehen Trip und Spicy und halten sich den Rahmen vor Lachen.“ Ist ja logisch, denn außer Kopf, Armen und dem Übergang von Oberkörper in den Fahrradrahmen ist da ja nicht viel Bauch, von weiterem Unterkörper ganz zu schweigen. Was die Superbikes zu echten Unisex-Figuren macht.
Die Action liefern in den von typischen Radproblemen geprägten Abenteuergeschichten – Hilfeee, ich bin mit meinem Rad stecken geblieben und komme allein nicht mehr raus, weil mein einer Arm viel zu kurz ist, um an mein Hinterrad zu kommen! – optisch die hervorgehobenen onomatopoetischen Begriffe wie „Rrrring!“ oder „Tröööt!“ oder „wuuum!“, die zumindest durch die verdreifachten Vokale von ganz besonderer Bedeutung sind.
Wird das was, mit den kleinen Radlern? Der Verlag hätte ja noch einiges mehr machen können, im Radkasten liegen jede Menge Vorlagen: Kein Schutzumschlag, dafür ein Schutzblech und gedruckt auf Kettenblättern? So viel Rad ist dann doch nicht. Dafür hat er einen fachkundigen Partner, der vorbehaltlos empfiehlt: „Ein kunterbuntes Abenteuer voller schneller, einzigartiger Fahrrad‑Superheld:innen, die mit ihren besonderen Fähigkeiten die Welt ein bisschen aufregender machen.“ sagt der ADFC Kids. Mal schauen, ob die kleinen Lastenradkids auf diese Welt der Superbikes wirklich aufsitzen und mitfahren, wenn „Mit Action, Tempo und spektakulären Stunts Jump, das mutige Mountainbike, und Lexi, die schlaue Rennrad-Heldin, aufregende Abenteuer erleben.“
