Vegane Grasbücher

Ob man es glaubt oder nicht, aber vegan ist echt kompliziert. Und es gibt Dinge, von denen man ja gar nicht glaubt, dass sie nicht vegan sind, bis es einen gibt, der das gleiche Produkt in der veganen Variante verkauft, für einige Euro mehr.

Wein zum Beispiel ist unvegan. Und damit sind nicht die Fliegen, Würmer und anderes Gekreuch gemeint, das versehentlich in und auf der Traube sitzt, wenn sie in der Presse landet und dann mitverarbeitet wird. Sondern Eiweiß bzw. tierische Proteine, die zum Klären von Wein eingesetzt werden und mit den gebundenen Schwebeteilchchen auch wieder aus dem Wein verschwinden. Aber eben in Kontakt gekommen sind. Das geht auch ohne, entweder mit anderen Mitteln oder gar nicht, dann wird ein Trend draus: Naturweine, bei deren Herstellungsprozess so wenig wie möglich eingegriffen wird.

Oder veganes Mineralwasser. Auch erst mal verwirrend. Bei genauerem Hinsehen geht es dann um den Verzicht auf Etikettenkleber, der üblicherweise Milcheiweiß enthält. Und bei Getränkeschorlen auch wieder ums Klären, siehe Wein. Das eigentliche Produkt, Mineralwasser ist aber per se vegan.

Und jetzt auch Bücher. Matabooks aus Dresden stellt vegane Produkte her, aus Graspapier, ohne Knochenleim fürs Binden und mit reinen Bio-Druckfarben, in denen keine organischen Bestandteile tierischen Ursprungs enthalten sind. „Die kosten wie bei Bio-Lebensmitteln ein paar Euro mehr.“ heißt es in einem Tageszeitungsartikel zu dieser neuen Bücher-Geschäftsidee. Nun ist es bei dem hier erhältlichen und gebräuchlichen Graspapier, das Matabooks frü die Buchumschläge nutzt, so, dass es zwar wesentlich ressourcenschonender ist als normales Papier, aber es keineswegs ausschließlich aus Gras besteht, sondern nur zu rund 50 Prozent. Der Rest ist Frischzellstoff, wie er auch in der normalen Papierherstellung benötigt wird. Mit recyceltem Papier oder daraus gewonnenem Material funktioniert das Verfahren nicht. Das für den Buchblock verwendetet reine Süßgraspapier aus Reis und Gras wiederum stammt aus Indien. Alles trotzdem gut und unterstützenswert, aber ich will ja gar nicht vom eigentlichen Thema ablenken.

Also gut, vegane Bücher. Darunter auch Jugendromane. Mit dem Hinweis „nachhaltig, fair & vegan“ auf dem Cover. Und spätestens in diesem Moment taucht bei mmir die Frage auf, ob auch die Autor*innen nachhaltig und fair behandelt werden, wenn schon so viel Wert auf den Produktionsprozess gelegt wird. Natürlich kenne ich die Verlagsverträge nicht, an dieser Stelle kann ich nicht werten. Aber es ist schon komisch, wenn im Online-Shop auf der Seite zu den Büchern weniger über den Buchinhalt als über die Produktionsweise und verwendeten Rohstoffe zu lesen ist – und über die Autor*innen und Illustrator*innen außer den Namen gar nichts. In Worten: nichts. Die sind nicht mal verlinkt. Denn kurze knappe Sätze gibt es ja, nur sind die unter dem Reiter „Über uns“ auf der Website verborgen. Ist das auch fair denjenigen gegenüber, die das Produkt mit Leben füllen? Ich denke nicht.

Es geht mir bei Mata ein bisschen wie mit „Ökotest“. Was nutzen mir ökologisch unbedenkliche Kopfhörer, wenn sie scheiße klingen? Was nachhaltig produzierte Bio-Matratzen, wenn ich darauf schlecht schlafe? Was veganer Wein, wenn er nicht schmeckt? Auch darum sollte es gehen, gerade bei Büchern. Um Inhalte. Und um die Menschen, die sie machen und davon leben.

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