Jetzt wird’s bunt

Der ein oder andere erinnert sich: Alles ist gut, solange du wild bist. Die wilden Kerle. Fußball. Als Buchreihe. Kinofilme. Bettbezug. CD-Case. Schienbeinschoner. Hartplastikfiguren. Tortenaufleger. Das verkaufte sich rauf und runter, und kein Kindergeburtstag, vornehmlich von Jungs, kam ohne Krimskrams aus. Das Spiel begann 2002. Und endete in einer zähen Schlussphase irgendwie 2008, mit dem letzten Kinofilm aus dem Buchserienstoff. Also, endete damit, erfolgreich zu sein. Denn auch danach ging es noch weiter, Nachspielzeit, komm, eine Partie geht noch, bis der Schiri abpfeift! Die wilden Kerle Level 2.0. bei Baumhaus. Das Buch zur TV-Serie bei Baumhaus. Die wilden Kerle – Die Legende lebt! als Film 2016. Parallel dazu waren und sind die Originalbücher bei dtv junior zu haben, die allermeisten für 5,50 Euro. Aber nur noch unter ferner liefen.

Warum kommt mir bei dieser Aufzählung nur die alte Weisheit der Dakota-Indianer in den Sinn? „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!” lautet sie. Einfache Erkenntnis, schwierig in der Umsetzung. Weil, selbst wenn die Aussage wahr ist, man sie nur ungern wahrhaben will. Weshalb man immer wieder nach den absurdesten Lösungen sucht, warum diese Weisheit nicht stimmen kann. Wie diese hier: „Wir erklären: „Kein Pferd kann so tot sein, dass wir es nicht mehr reiten können.” Gesagt, getan, und jetzt pfeift der 360 Grad-Verlag zum Widerholungsspiel an. Und veröffentlicht die ersten drei Bände erneut als Hardcover für jeweils 12 Euro.

Der Connoisseur und Sammler von  Masanneks Oeuvre greift auch in diesem Falle beherzt zu. Denn Jan Birck hat alle Illustrationen jetzt farbig ausgemalt und Joachim Masannek hat „… die Bücher in den letzten Monaten überarbeitet, sowohl was die aktuelle ,Jugendsprache‘ betrifft, und natürlich auch was aktuelle Fußball-Spieler, die heutigen ,Helden der Fußball-Kids‘ betrifft.“ Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Was das jetzt heißt? Joachim Masannek kehrt zurück zu seinen Wurzeln, aufn Platz. Wie er da einläuft mit dem schwarzen Wilde Kerle-Fußball unterm Arm, sich wundert, wieso da keiner ein Spalier bildet, niemand auf den Rängen jubelt, das kann doch nicht sein, er sieht sich suchend um, der Platz ist echt – menschenleer! Keiner will mehr kicken, mit Leon, dem Slalomdribbler oder Jojo, der mit der Sonne tanzt oder dem dicken Michi. Sie alle hatten ihre Zeit, in der sie Fußball neu erlebt und Joachim Masannek Fußball neu erzählt hat. Die ist aber vorrüber.

Es wirkt so, als würde man Frank Baumann aus dem WM-Kader von 2002 aus dem Ruhestand holen, ihm ein neues, buntes Trikot überwerfen, ihn dreimal um den Platz warmlaufen lassen und dann in die Startelf beordern, um Werder Bremen vor dem Abstieg zu retten. Frank Baumann würde dankend abwinken.

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