Geld verbrennen leicht gemacht

Books on Demand oder Neobooks von Droemer Knaur machen es heute jederfrau und jedermann möglich, schnell und preiswert ein Buch zu veröffentlichen, als E-Book oder digital geedruckt. Trotzdem gibt es sie noch, die kleinen Gelddruckmaschinen auf Kosten blauäugiger Menschen: Die Druckkostenzuschussverlage. Sie suchen weiterhin permanent neue Autor:innen oder sind der „Verlag für Neuautoren“. Und leben ziemlich gut davon, trotz oder gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung. Das Geschäftsmodell hat sich bewährt. Du hast ein Buch geschrieben und glaubst – oder hast erfahren müssen – dass ein Publikumsverlag dein Manuskript nicht annehmen will, und suchst nach einer alternativen Veröffentlichungsmöglichkeit? Jetzt kommen wir ins Spiel: Huhu, hier sind wir! Wir betreuen dich ganz persönlich, versprechen dir viel, tun so als, wäre alles transparent und schwupps, ist dein vermeintlich weltweit vertriebenes Buch auf dem besten Weg in die Bestenliste, samt ISBN-Nummer und EAN-Code. Das selbstverständlich vor Veröffentlichung geprüft wird, heißt es. In Wahrheit weit weniger als deine Bonität.

Was steht eigentlich in einem solchen Verlagsvertrag? Viel Verlagskauderwelsch, was gehörig Eindruck macht, wenn es dein allererster Vertrag ist. Denn wir sprechen hier in der Regel von, nicht abfällig gemeint!, Amateur-Autor:innen. Nachwuchs halt. Die vieles in Kauf nehmen oder kaum abschätzen können und wollen, was jeder einzelne Punkt bedeutet, weil das fertige Buch – ätsch, ihr Bestseller-Verhinderungs-Lektor:innen in den „klassischen“ Verlagen! – schon in kurzer Zeit winkt.

Die Verlags-Anwält:innen haben jedenfalls ganze Arbeit geleistet und jeden einzelnen Passus so formuliert und geprüft, dass jede noch so große Frechheit juristisch schwer anfechtbar ist. Beispiel gefällig? Einer der Verlage bietet drei Varianten an, die Veröffentlichung im Softcover ist die mittlere, die sogenannte Pro-Version. Dein Buch mit 144 Seiten kostet dich darin schlappe 5.500 Euro. Ist das also der Druckkostenzuschuss? Von wegen. In dem mir vorliegenden Vertrag ist gar keine Mindestdruckauflage definiert wie früher, als arglose Autor:innen dann per Gabelstapler eine wohnzimmerschrankgroße Palette für den Eigenvertrieb nach Hause geliefert bekamen. Für den genannten Betrag bekommt die Autor:in 5 Belegexemplare, jedes weitere bestellbar mit einem Rabatt von 30 % auf den Verkaufspreis. Das heißt, jedes meiner 5 Exemplare hat mich 1.100 Euro gekostet. Wow! Ach ja, nur die fünf zu drucken kostet den Verlag 125 Euro – mal so im Verlgeich. Und was druckt der Verlag sonst noch? Er verspricht jedenfalls „Nach dem Druck werden die Bücher in unserer Datenbank erfasst und auf unterschiedliche Lager im Verlag und bei Großhändlern aufgeteilt.“ Das klingt nach enorm viel, wenn ein Lager allein für die unzähligen Bücher nicht ausreicht. Pustekuchen. Eine Nebelkerze. Denn es muss schlichtweg und verbindlich gar nichts gedruckt werden, bis auf die paar Pflichtexemplare für die National- bzw. Landesbibliotheken. Weil? Ausschließlich Bestellungen angenommen und nach 4 Arbeitstagen geliefert werden, an Buchhandlungen, Bibliotheken, als Rezensionsexemplare an Journalist:innen usw. Alles kein Problem mit der heutigen Digitaltechnik, die on demand zu drucken und kein einziges zu lagern. So, wie eben auch BoD arbeitet.

Aber es geht noch teurer. Erscheinen dir die vorgeschlagenen 16,90 Euro als Verkaufspreis doch zu hoch, darfst du die um 4 Euro reduzieren. Kostet aber schlappe 695,- Euro, um den möglichen Verdienstausfall des Verlages zu kompensieren. Du möchtest lieber ein anderes Buchformat? Ist auch möglich, kostet aber ebenfalls 695,- Euro und erhöht gleichzeitig den Verkaufspreis um 2 Euro. Realistisch? Nicht die Bohne. Draußen in der echten Welt kostet der Druck bei kleinen Formatunterschieden das gleiche und im Satz auch nichts extra, wenn das Buch von vornherein aufs Sonderformat angelegt ist. Müsste man halt wissen.

Aber es wird auch gleich die Chance eröffnet, sein investiertes Geld zurückzubekommen. Denn werden über den Onlineshop des Verlages – und auch nur dort – 750 Exemplare verkauft, greift die sogenannte Rückzahlungsgarantie. In Zahlen: Der Verlag hat bis dahin 11.925 Euro eingenommen, gibt die von dir investierten 5.500 Euro zurück und hat immer noch satte 6.425 Euro Einnahmen. Okay, es ist etwas weniger. Denn die vertraglich vereinbarte Beteiligung von 25 Prozent am Verkaufspreis greift schon ab dem 501sten Exemplar. Dann so gerechnet: 7.950 Euro gehen komplett an den Verlag, bevor er ein Viertel von den übrigen 3.875 Euro abgibt. Läuft. Aber ausschließlich für den Verlag.

Und Marketing? Im Preis inbegriffen ist die einmalige Präsentation auf den Buchmessen in Frankreich, Leipzig und Wien. An einem dieser schon weithin als Druckkostenzuschussverlagsstand erkennbaren Buchresterampen mit einen Sofa in der Mitte, wo sich die Verlagsautor:innen gegenseitig aus ihren Büchern vorlesen. Und ein Pressetext.

So ist das also. Wer unbedingt ein Buch will, der muss zahlen. Immer noch. Auszahlen tut sich das in der Regel nur für einen: Den Verlag.

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