Der Müller liest’s!

Wos i auf jedn Foi vorwegschick: Der Müllerthomas is an echter Bazi aufm Fußballplatz, bei den Bayern aus München. Und auch außerhalb. Nicht so glattgeleckt und von Medienberatern sprachpoliert. Der redet normal daher und wirkt so, als könne man nach dem Spiel glatt mit ihm eine Maß trinken. Oder zwei. Und auch über was anderes als nur über die vergebene Chance in Minute 25 nachdenken. Statt sündhaft teurer Sportkarren und einem eigenen Tattoostudio hat er Hasen, zwei Hunde und einen, naja, Audi SUV in groß, aber er muss halt auch mal Pferdeanhänger hin- und herfahren, weil er und seine Frau Lisa ja ein Gestüt besitzen und selbst bewirtschaften und seit 2021 auch EU-Besamungsstation sind. Was immer das ist.

Wer ko, der ko, dachte sich der Müllerthomas und hat auch drei Bücher geschrieben. Guad, ned ganz aloan. Sondern mit einem Sportjournalisten zusammen, dem Julien Wolff. Passt scho. Sind auch nicht so lang, die beiden Erstlesebücher. Worum es darin geht? Um den Müllerthomas und seinen Weg zum Traumverein. Und um seinen Weg in die Startelf. Wo doch der Louis van Gaal gesagt hat: „Müller spielt immer“, aber egal. Und ein langes Kinderbuch gibt es auch. Mein Weg zum Fußballprofi. Also der Weg vom Müllerthomas über den Traumverein zur Startelf.

Un jetzet erhält der Müllerthomas au no den Deutschen Lesepreis 2021 als prominenter Lesebotschafter der Siftung Lesen. Herrschaftszeitn, no amoi!

Warum er den Preis bekommt, verrät der Mann von der Commerzbank-Stiftung. Der sagt, der Müllerthomas mache viele Videolesungen. Ja, mei, schau ich mal, was mir die Suchmaschine so ausspuckt. Und in der Tat, es wird jede Menge angezeigt, wenn ich „Thomas Müller liest vor“ eintippe. Ah, ja, da liest er scho. Im Stadion. Aus seinem Buch. Nächster Treffer. „Thomas Müller liest exklusiv für seine jungen Fans ein Kapitel aus seinem neuen, noch nicht veröffentlichten Buch“. Verrückt! Nächster Treffer: Thomas Müller liest beim FC Bayern Kids Club vor. Doch nicht etwa schon wieder aus seinem eigenen …? Nein! Denn schwupps ist die Kamera bei dem guten Freund vom Müllerthomas, dem Felix Neureuther, und der liest … aus dem Buch vom Müllerthomas und dann umgekehrt, der Mülllerthomas liest aus dem Bilderbuch vom Neureutherfelix. Und dann wieder der Müllerthomas aus dem Buch vom Müllerthomas. Und so weiter und so fort.

Wie gesagt, der Thomas ist ja ein netter. Und Vorlesen und auch Bücherschreiben nicht sein Hauptberuf. Aber ist denn Leseförderung als prominenter Lesebotschafter und die Vermarktung der eigenen Bücher ein und dasselbe? Und preis- und auszeichnungswürdig? Mit 2.500 Euro, die für einen guten Lerseförderungszweck  eingesetzt werden sollen? Ja, in den Rezensionen zu den Büchern steht immer wieder, dass ein lesefauler Bayer-Fan sich doch ins Buch vertieft hätte. Aber dann tut‘s vielleicht auch die BRAVO-Sport. Naja, komisch ist es irgendwie scho. Mit dem Müllerbazi. Und der Stiftung.

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