Vorschaukritik 3: Hanser und Beltz & Gelberg

Bild Vorschau kleinBuchhändlers Lieblinge: Das sind die Verlage Hanser und Beltz & Gelberg. Während der erste seit Jahren gleichbleibende Qualität bis hin zu einem Hauch von Langeweile liefert, erscheint Beltz & Gelberg seit einigen Jahren wieder als überraschender Kinderbuchverlag.

Der Eindruck drängt sich umso mehr auf, legt man die beiden Frühjahrs-Programmvorschaunebeneinander. Nach einem kurzen Schlingerkurs mit wechselnden Verlagsleitern hat Petra Albers seit 2007 nichts weniger getan, als die „Kernkompetenz“ des Verlages und seines Anspruches in die Jetztzeit zu transformieren, auch wenn’s nicht von heute auf morgen funktioniert hat. Jetzt gilt: Kaum ein Verlag ist so experimentierfreudig (was Formate und Inhalte angeht), ist im Layout und den Themen so zeitgemäß, hat eine derart gesunde Mischung zu bieten zwischen jungen, vielversprechenden Autorinnen und Autoren einerseits und Umsatzbringern (Katzen und Hunde) und Traditionsautorinnen und -autoren andererseits. Offenbar kann man in diesem Verlag mit einer, seiner noch nie dagewesenen bis spinnerten Idee nicht nur das Lektorat, sondern auch die Verlagsleitung, den Vertrieb und das Marketing gleichermaßen überzeugen. und machen. Was man auch sieht. Und deshalb gibt es wenige Vorschauen, auf die ich mich ähnlich freue wie momentan auf die Wundertüte Beltz & Gelberg. Und auch der Frühling 2014 enttäuscht nicht. Forschen, Bauen, Staunen von A bis Z in 26 Bänden zum Beispiel ist das zeitgemäße Experiment. Jörg Isermeyer und Lena Hach sind neue Autoren. Helme Heine und Klaus Kordon die Brücke zur Tradition. Und eine originelle Alternative zum inflationären Non-Book-Plunder ist die 3 Meter lange Malrolle für alle Grüffelo-Fans. Da nerven auch das Marketing-Gejubel und die Wir werben in … Listen nicht zu sehr.

Dagegen wirkt die Hanser-Vorschau beinahe schon wie aus der Zeit gefallen. Das Layout der Vorschau ist gefühlt seit Jahrzehnten gleich, mancher Autorennamen auch, vor allem, wenn es sich um Neuausgaben handelt. Und bestimmte zu besetzenden Programmplätze dürfen nicht fehlen: Das amerikanische Debüt (Katherine Hannigan: Die Wahrheit, wie Delly sie sieht), der Coming-of-Age-Roman (John Corey Whaley: Hier könnte das Ende der Welt sein), der Lesestoff (Lene Kaaberbol: Die Wildhexe in zwei Bänden) und was neues von Ole Könneke (Das große Bilderbuch der ganzen Welt) und Rotraut Susanne Berner (Alles Gute zum Geburtstag, Karlchen!). Das ist alles sehr bedacht und mit Anspruch gemacht. Aber auch ein klein bisschen langweilig. Oder vorhersehbar. Solide. Entsprechendes Understatement herrscht auch im begleitenden Marketing. Bis auf allerlei zur Wildhexe kein Wort von Millionen Kontakten auf Lesecommunitys und Literaturblogs. Sondern einfach nur gute Geschichten in guten Bücher. Aber vielleicht ist ja auch das das Besondere.

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