Ich mach’s mir selbst

backenSelf Publishing als E-Book ist gerade das nächste große Ding, scheint es. Während sich bislang Online-Start-ups und von Verlagen unter verschleiernden Eigentumsverhältnissen oder Beteiligungen gegründete Töchter auf dem Markt tummeln, samt den immer kräftig mitmischenden Amazonen, kommt jetzt auch mit Impress und Instant Books von Carlsen ein zumindest im gedruckten Kinderbuch großer Player mit einem ähnlichen Konzept dazu. Und trifft auf Neobooks von Droemer Knaur, die es seit 2012 gibt, Egmont Lyx folgt Anfang kommenden Jahres, und sicher stehen auch bei anderen Verlagen ähnliche Konzepte in den Startlöchern. Was an diesen Ansätzen noch Self sein soll, wird dabei immer unklarer. Irgendwie ist das so, als würde McDonalds anbieten, man könne ein Pfund Hack und zwei alte Brötchen mitbringen und sich seinen Burger dort selbst bruzzeln.

Neobooks und die Carlsen-Modelle klingen nach Verlag light. Das E-Book wird veröffentlicht, Marketing-Module gibt es dazu wie eine Einbindung in eine Fan-Lounge und auf der Carlsen-eigenen Website www.bittersweet.de, dafür wird lektoriert und es gibt ein professionell gestaltetes Cover. Der Autor hat die Wahl zwischen zwei Honorarmodellen, einmal mit, einmal ohne Vorauszahlung. Damit verbunden sind weniger oder mehr Prozente in der Honorarstaffel. Ob das bis an die versprochenen 70 % des Nettoerlöses bei Amazon heranreicht, ist zweifelhaft.

Lohnt es sich trotzdem für Autorinnen und Autoren, in einem dieser Nachwuchs-Ställe anzudocken? Bei dem mit wenig bzw. gar keiner Vorauszahlung das gesamte Verkaufsrisiko auf den Autor abgewälzt wird? Denn füllen muss er die dialogischen Marketing-Tools selbst. Schafft er darüber eine Community und ordentliche Downloadzahlen, dann öffnet sich ihm womöglich die große Eingangstür und er könnte in den regulären Buchkreislauf wechseln, wie bei Neobooks schon geschehen. Aus dem Self Publishing-E-Book wird dann ein gedrucktes Taschenbuch bei Droemer.

Ein interessantes Modell? Ja und nein. Laut einer aktuellen Umfrage verdienen 62 % aller Self Publisher unter 100 Euro im Monat, 12 % machten dazu keine Angabe. Gerne in einem Verlag veröffentlichen, wenn die Bedingungen stimmen, würden 91 % aller Befragten.

Wenn nun Verlage mitmischen und Technik übernehmen, entbindet es sie nicht vor  grundsätzlichen Veränderungen. Denn je größer der Erfolg solche Plattformen und selbst veröffentlichter Bücher und damit die Autoren wird, desto stärker wird der Druck auf die Programmmacher und Lektoren, warum Prozesse in den Verlagshäusern so lange dauern, vieles verschleppt statt entschieden wird und die Kluft zwischen dem Marketing für vermeintliche Spitzentitel und den Programmfüllern weiter zunimmt.

Vielleicht sind deshalb Ansätze wie Impress und Instant Books keine Revolution und auch kein Nebenmarkt für Autoren, die sonst keine Chancen haben, aber sie werden im eigenen Haus langfristig den Druck auf das ‚alte’ Verlagsmodell erhöhen.

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