Blooin‘ in the Wind – Bloomoon bei Ars Edition

Bloomoon Herbst 2013Verlage kommen, Verlage gehen, und manchmal bleibt ein Stück von ihnen übrig, wie das Bloo in Bloomoon, dem im Frühjahr gestarteten Imprint von Ars Edition für die etwas älteren Leser. Das Bloo erinnert noch an die Kinder- und Jugendbücher von Bloomsbury, die im Rahmen der Neustrukturierung innerhalb der Bonnier Media Deutschland zu Ars Edition wanderten. Schon im Juli 2012 hatte Roswitha Budeus-Budde in der Süddeutschen Zeitung diese Entscheidung kritisiert und vor einem „eingeArsten“ Programm gewarnt. In wildestem Marketinggeschwurbel hieß es im Gegenzug, Ars Edition besäße „ein optimal korrespondierendes Portfolio in den bislang bedienten Programmsegmenten“ und alles würde sich zum Guten wenden.

Nach dem ersten Übergangsprogramm kann jetzt die Herbst-Vorschau zeigen, ob der blaue Mond nun eher zu- oder abnimmt. Abgenommen hat schon was, nämlich die Verbundenheit so mancher deutschsprachiger Autoren mit dem neuen Label. Finn-Ole Heinrich, für Frerk du Zwerg noch ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, veröffentlicht seine Kinderbücher jetzt bei Hanser. Werner Heickmann, dessen stiller Kinderroman Die Vogelinsel den Luchs der ZEIT erhielt, sucht für sein zweites Buch einen anderen Verlag. Lola Renn, mit ihrem Jugendroman Drei Songs später im ersten Bloomoon-Programm vertreten, fürchtete die fehlende Aufmerksamkeit für ihr Buch und wurde selbst aktiv. Nur drei Beispiele, und sicher nicht die einzigen von Zweifeln geplagten Autoren.

„Wir wollen die Leser fordern und gleichzeitig unterhalten“ lautet der Anspruch von Ars Edition-Verleger Michael Schweins. Gefordert ist auf alle Fälle der gute Wille des Lesers. Lagen bei Bloomsbury die Tops und Flops im Programm immer eng beieinander, gestaltet sich jetzt die Suche nach den Tops zunehmend schwieriger. Das Übliche rund um Thriller, Dystopien, Ballett, dazu ein dreister Abklatsch von John Greens Das Schicksal ist ein mieser Verräter mit Namen Lichtblick einer englischen Autorin: Hat man alles irgendwie schon mal gesehen.

Der Spitzentitel, der es reissen soll, heißt Boy Nobody und stamt vom amerikanischen Autors Allen Zadoff. Es geht um einen eiskalten 16-jährigen Killer, der sich dummerweise in seine nächste Zielperson verliebt. Ob bei diesem Thema die große Promotion-Aktion mit Flyern in Schulen und einer Online-Challenge so gut ankommt, wage ich zu bezweifeln. Und dem Buchhändler, der sich eine doppelte Partie aufschwätzen lässt, nur weil der Verlag vollmiundig behauptet, die Filmrechte seien verkauft, gönne ich ein Praktikum bei Amazon.

Wie lautet das Fazit? EingeArst oder aufgegangen? Eine gute Entscheidung von Bonnier? Die Zweifel überwiegen. Zumindest was die erzählenden Titel für ältere Leser angeht. Der Mond wirkt blass am Firnament, hat noch kein wirkliches Profil, keine Eigenständigkeit, keine plausible Antwort, wie man den Leser nun fordert und unterhält. Die Mondmission steht noch aus.

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