Es waren zwei Königskinder …

Buchmesse ist, und der Ausbau des Kinder- und Jugendbuchmainstreams macht mal wieder ein Biotop platt: Königskinder, die schmucke Brosche am Business-Kostüm des Carlsen Verlages, wird mit dem Frühjahrsprogramm 2018 eingestellt. Und schon setzt allerorten Jammern und Wehklagen ein.

Erst einmal klingt es nachvollziehbar. „Angesichts der Verkaufszahlen ist eine Fortsetzung der Programmarbeit (…) nicht mehr zu verantworten.“ begründet die verlegerische Geschäftsführerin Renate Herre die Entscheidung. Verkaufsziele erreichen: Nichts anderes galt vom Anfang der Königskinder an und war auch der Anspruch der Verlagsleiterin Barbara König: „Ich habe die Trennung zwischen kommerziellen Titeln und literarischen noch nie gemocht. Das ist sehr deutsch. Und natürlich wollen wir Geld verdienen.“ Was anscheinend in vier Jahren nur unzureichend gelang.

Unbeantwortet bleiben dabei einige Fragen. Einerseits, ob das Programm, so wie es ist, überhaupt eine echte Marktchance hatte – und warum Carlsen nicht früher programmatisch korrigierend eingegriffen hat, wenn man es denn retten und fortführen wollte. Denn ein reines Lizenztitelprogramm für Jugendliche (bis auf zwei Ausnahmen von 42), eine königliche Vorliebe für viel Wortrauschgeklingel drumherum und der Wille zur auffälligen, aber nicht immer gefälligen einheitlichen Gestaltung jedes einzelnen Programms: Das war vor allem der Königweg, aber nicht der Königsweg. Der erreichte viele wohlmeinende Buchhändler, aber wenige Leserinnen. Und noch weniger Leser. Andererseits braucht ein derartiges Programm eine entsprechende Unterstützung im Marketing. Wenn die fehlt, wird’s eng. Dann freut sich zwar die Presseabteilung über schöne Rezensionen und Auszeichnungen, die es ja in der Tat gab. Aber unterm Strich zählt nur die schwarze Zahl oder die bewusst einkalkulierte Quersubventionierung. Und deswegen hilft ein Satz wie „Wieder ein Stück Idealismus, der dem Profitdenken geopfert wird …“ der Königskinder-Buchgestalterin Suse Kopp nicht weiter. Oder arbeitet sie etwa aus ideellen Gründen und nicht auch, um ihre Kosten zu decken und am Ende sogar etwas zu verdienen? Solange Buchverlage Wirtschaftsunternehmen sind und nicht von staatlichen Subventionen abhängig oder direkt von Stiftungen finanziert werden, ist Gewinn machen ursprünglicher Verlagssinn und selbstverständlich auch im Sinne von Autorinnen und Autoren.

Aber die Königskinder sind kein Einzelfall. Auf der roten Liste der bedrohten Bucharten stehen auch die Bücher mit dem blauen Band bei S. Fischer. Als eine Art Enzenberger’sche Andere Bibliothek für Kinder gedacht starteten sie 2008 literarisch hoch ambitioniert, mit Felicitas Hoppes Iwein Löwenritter. Fein verpackt im Schuber und mit namensgebendem blauen Lesebändchen ausgestattet sollten besondere Originale neben neu aufgelegten Klassikern stehen, insgesamt drei Titel pro Halbjahr, präsentiert in einer eigenen Vorschau. Entgegen der Verkaufszahlen wird das Programm zwar noch fortgesetzt, aber der Schuber und die damit einhergehende Gesamtausstattung samt Leinenrücken fielen dem Rotstift zum Opfer. Jetzt erscheint ein Titel im Halbjahr, der nicht mehr weiter auffällt, bis auf das übrig gebliebene Lesebändchen. Die schöne Idee hat sich am lethargisch reagierenden Markt aufgerieben.

Was weiter?
Für Barbara König ist der Weg bei Carlsen zu Ende. Auch wenn die Pressemitteilung zur Einstellung der Königskinder noch größtmögliche Harmonie und Wertschätzung ausdrückt, ist das Tischtuch bei Carlsen zerschnitten. „Sie suche künftig neue Herausforderungen“ hieß es abschließend in der Online-Meldung des Buchmarkts, klarer kann man das nicht formulieren. Und die vielen großartigen Autorinnen und Autoren vornehmlich aus dem englischsprachigen Raum? Die bringen die Agenten und Agenturen eben bei anderen Verlagen unter, das wird schon. Denn auch in anderen Verlagen arbeiten Menschen mit Herzblut und Leidenschaft an der Sache. Dann wird’s eben nur wieder ein Buch, und kein Königskind.

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