Kein Spaß mehr beim Bücherbär

Na, wie geht’s dem Verlag? Fragen wir mal eben den Controller. Der weiß das, aber eben nur für den eigenen Laden. Und wie geht’s den Konkurrenzverlagen? Fragen wir mal eben die GfK. Die erhebt verlagsübergreifend Umsatzanteile und Verlagskennzahlen – aber die sind teuer. Bleiben nur die wahrnehmbaren äußeren Faktoren als Bewertungsmaßstab übrig wie leiser Personalrückbau, das Vom-Netz-nehmen von Online-Angeboten, gedrückte Autoren- und Illustratorenhonorare und häufiger Führungswechsel an der Verlagsspitze. So gesehen geht es einigen Verlagen gerade nicht gut. Gehen wir mal an den Pflegebetten vorbei: Aladin bremst den steten Verlagswachstum, der dem realen Umsatz wohl zu weit voraus ist. Oetinger atmet gerade tief durch, weil die ambitionierte Digitalisierung dem Verlag nicht den nötigen Return of Investment beschert. Random House sucht seit geraumer Zeit nach einem marktfähigen Profil und Wachstum neben seiner Kokosnuss. Vielleicht fehlt da noch der ein oder andere in der Aufzählung. Nur einer taucht dabei nicht auf: Arena. Warum auch. Kerstin Gier, Isabell Abedi, Andreas Eschbach, der Bücherbär, das sind nicht nur klingende Namen, sondern auch solide Umsatzbringer in einem anscheinend solide arbeitenden Kinder- und Jugendbuchverlag.

Umso überraschender dann die wie aus heiterem Himmel kommende Entscheidung des Eigentümers, der Westermann Gruppe als Tochterunternehmen des im Hintergrund die Strippen ziehenden Konzerns Medien Union, der unter anderem die Tageszeitung Die Rheinpfalz besitzt und einen 81,75 prozentigen Anteil an der Süddeutschen Zeitung hält. Nach 19 Jahren, davon 14 Jahre als Geschäftsführer, stellt man Albrecht Oldenbourg (63) zum 30. September den Stuhl vor die Tür. „Herrn Oldenbourg ist es gelungen, den Arena Verlag aus dem Mittelfeld in die Top-Liga der Kinder- und Jugendbuchverlage zu führen. Er hat Arena mit vielfältigen marktgerechten Angeboten gut für die Zukunft aufgestellt.“ wertschätzt der alleinige Geschäftsführer der Westermann Gruppe, Ralf Halfbrodt, dessen Leistung noch, während er schon mit dem Bein ausholt. Aber was wie die Begründung für einen satten Jahresbonus für erfolgreiche verlegerische Arbeit klingt, ist doch nur der übliche Floskelsingsang für ein rasches Aufnimmerwiedersehen, bei dem sogar der Zusatz „in gegenseitigem Einvernehmen“ fehlt.

Nun wäre es in der Tat unternehmerisch vorausschauend, sich rechtzeitig um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für einen auf den Ruhestand zusteuernden Geschäftsführer zu kümmern. Aber Tür auf – einer raus, Tür auf – eine rein ist die eher unsanfte Variante davon. Insbesondere, wenn mit Alexandra Borisch eine Geschäftsführer-Azubine an seine Stelle rückt: Sie war bislang in unterschiedlichen Verlagen als Programmleiterin tätig, von Loewe über Herder bis cbj. Das setzt durchaus andere Qualitäten voraus als die Leitung eines Verlages mit so einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den unterschiedlichsten Bereichen.

Zumal die mit ihrer Personalie verbundenen Verlagsziele von Ralf Halfbrodt so benannt sind, als hätte er Albrecht Oldenbourg gerade eine Vertragsverlängerung verkündet: „Ich (…) bin sicher, dass sich Arena unter ihrer Führung erfolgreich weiterentwickeln wird.“ Nix da mit Aufbrüchen, Wachstumszielen, Leserwandel im digitalen Zeitalter, sondern den Weg fortführen, der so schlecht also nicht gewesen sein kann.

Ob dieser Weg in eine noch erfolgreichere Zukunft führt, wird Alexandra Borisch beweisen müssen. Der Controller von Arena wird es als erstes wissen. Und danach die GfK. Und sonst die wahrnehmbaren äußeren Faktoren.

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