Hatschi!

rezension-aura-verliebt-in-einen-geist-von-je-L-ojpq1NMitten hinein in die Erkältungszeit platzt diese Personalmeldung: Auf Jürgen Weidenbach, Verlagsleiter von cbj und cbt, folgt zum 1. April 2016 Markus Niesen. Der Markus Niesen, der, vor wenigen Wochen verkündet, zum 1. Januar 2016 in gegenseitigem Einvernehmen die Verlagsgruppe Oetinger verlässt – er war einfach auf dem Markt. Mit ihm hat Random House einen „sehr kompetenten und erfahrenen Verlagsleiter“ eingekauft, wie es in der offiziellen Pressemitteilung heißt. Als Beleg dient zum Beispiel der Verweis auf den Bestseller Die Tribute von Panem von Suzanne Collins, die er entgegen der Pressemitteilung nicht „entdeckt“ hat, da die Autorin über die in den Jahren zuvor erschienene Gregor-Reihe sowie schon im Oetinger Verlag war. Erwähnt werden auch seine Leistungen, „den Vorleseverlag ellermann und die Oetinger Taschenbuch GmbH erfolgreich positioniert und aufgebaut“ zu haben. Zumindest letztgenanntes war keine so große Managementkunst, wenn man wie Oetinger auf die Titel mehrerer Konzernverlage und eine umfangreiche wie gepflegte Backlist zurückgreifen konnte und kann. Von diesen Möglichkeiten ausgehend wirkt das Oetinger Taschenbuch noch heute ein wenig stiefmütterlich behandelt und als Programm wenig konturiert.

Es bleibt also bei genauerer Betrachtung insbesondere der Pressemitteilungen der Oetinger Verlagsgruppe wenig übrig von den Vorschusslorbeeren. Denn der Höhepunkt seiner verlegerischen Tätigkeit liegt eine Weile zurück. 2001 wechselte er von der Fischer Schatzinsel nach Hamburg und arbeitete als Geschäftsführer für den Programmbereich der Verlage Friedrich Oetinger, Ellermann und Erika Klopp. 2010 kam dann die Leitung des Oetinger Taschenbuchverlages hinzu, um wenig später die Verantwortung für den regulären Oetinger Verlag abzugeben, das programmatische Herzstück. Erika Klopp wurde eingestellt und seit 2014 liegt die Geschäftsführung für ellermann in den Händen von Julia Bielenberg. Bleibt dort also nur noch die Verlagsleitung übrig. Und das Oetinger Taschenbuch. Das ist nicht mehr allzuviel und sicher einer der Hintergründe für den Abschied Ende 2015. Trotz allem, bei 14 Jahren in leitender Position, gehört es sich für die aktuelle Oetinger-Geschäftsführung, ihn für die Mitgestaltung zu würdigen. Auch wenn all die zukunftsweisenden Neuerungen und digitalen Experimente in der Verlagsgruppe auf die Ideen der nunmehr alle Schlüsselpositionen innehabenden Verlegerfamilie Weitendorf/Bielenberg zurückgehen.

Nun also cbj und cbt. Das heißt Programmfülle, unklare Positionierung der beiden Marken, ein bisschen Kraut und Rüben. Alles soll und muss sich rechnen, aber die großen Ideen fehlten bislang. Mit Ingo Siegers Kleiner Drache Kokosnuss ist ein starker Charakter im Programm, der vieles andere möglich macht. Deshalb hat Random House gerne zugeschlagen, wenn große Namen auf dem Markt waren. Die wie Joachim Masannek die Erwartungen gar nicht oder wie Zoran Drvenkar nur bedingt erfüllt haben. Dass also soll Markus Niesen richten, der sich bei der Vermarktung einer Kokosnuss sicher wohler fühlt als bei der literarischen Ausrichtung eines Titelkonvoluts oder als Vordenker für die digitalen Herausforderungen der Zukunft. Keine leichte Aufgabe.

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