YouTube für Erstleser

Bildschirmfoto 2015-05-03 um 19.33.46Erfolgreiche YouTuber, die mit ihren Kanälen Abonnentenzahlen im sechs- oder siebenstelligen Bereich erzielen, gibt es einige. Das weckt Begehrlichkeiten. Agenturen wie Mediakraft vermarkten ihre Klienten gezielt an werbetreibende Unternehmen oder als Testimonials. Zum Beispiel wirbt LeFloid in einer großangelegten Kampagne für die Techniker Krankenkasse. Oder Sami Slimani für Google. Aber lässt sich auch für Buchverlage Gewinn aus deren Bekanntheit gerade in jungen Zielgruppen ziehen? Na klar! Wer es nicht wusste: Y-Titty haben schon 2012 ihr erstes Buch mit dem Titel „Nicht-Buch“ bei Carlsen veröffentlicht.

Besonders gut im Geschäft ist der Münchener riva-Verlag (bekannte Titel unter anderem „Leben mit einem großen Penis“, „Sei dein eigener Arzt“, „Helene Fischer“), . Der nimmt auf der nach unten offenen Niveauskala eh alles mit, was sich irgendwie zwischen Buchdeckel pressen lässt und mediale Aufmerksamkeit erregt. Und hat gleich mehrere YouTuber im Programm.

Den Anfang machte ebenfalls 2012 das Buch „Überleben unter Opfern“ von DieAussenseiter, das sind die beiden Cousins Dimitri und Sascha Kozlowski, sozusagen die Ostzonen-Lochis. Denn Namen und Aussprache klingen nicht nur russisch gefärbt, sie sind es auch. Wurst, das Programm ist das gleiche wie bei vielen anderen auch: Musikvideoparodien und Klamauk. Den man aber nur nach reichlich Wodka lustig finden kann. Ihr Buch ist ein Ratgeber für das Leben außerhalb des Webs. Blöd nur, dass die beiden außerhalb des Web nichts anderes sind als zwei langweilige Jugendliche Ende 20.

Simon Desue ist zwar erst 24 Jahre alt, hat dafür aber schon vier Bücher veröffentlicht: Ratgeber für Teenies. Für 15jährige, 16jährige, 17jährige und 18jährige. Was die Bücher mit ihm zu tun haben? „Er hat im gesamten Entstehungsprozess aktiv am Layout und der Gestaltung mitgewirkt“, sagt Tina Nollau, Pressefrau von riva. Will heißen: Können wir das eine Foto von mir mit der Grimasse auf Seite 17 nicht gegen das Bild mit Der Grimasse von Seite 45 tauschen? Ich finde, das passt besser. Oder so ähnlich. Wichtig ist nur, dass sein Name draufsteht.

Denn zum Erfolgsrezept dieser Bücher gehört die Vermarktung auf den eigene YouTube-Kanälen. So, als wäre es eines der üblichen Videos verbirgt sich dahinter eine Art Werbespot mit den vertrauten Mitteln der wackeligen Selfie-Look-Kamera und punkt- und kommafreiem Gequassel über Beweggründe und Inhalte, wenn es denn welche gibt.

Alberto Trovato, der „beatboxende Pastorensohn“ hat zumindest nicht ausgeschlachtet, was er ansonsten in seinen Videos verwurstet. Seine Idee: Er erzählt „Die Wahrheit über Alberto Trovato“. Klar, der Mann hat Anspruch. Und versichert mehrmals, dass sein Buch den Lesern absoluten Nährwert gibt. Und es sind „krasse Sachen drin, mit denen ihr nicht gerechnet habt.“ Ja Mensch! Das ist insofern überraschend, als er in seiner YouTube-Videoreihe „Hey Al!“ sowieso schon Fragen seiner Zuschauer beantwortet – er ist aktuell bei Video Nummer 71 angelangt. Was man da noch wissen will? Den Namen seines Lieblings-Tattoo-Studios vielleicht.

Und? Läuft bei riva? Ein paar amazon-Rezensionen von Fans, ein kurzer Ausflug in die Top 100, und dann waren die Bücher auch schon wieder weg. Braucht also jeder Verlag YouTuber-Bücher? Nein. Von daher viel Spaß mit dem Slimani-Prinzip, liebe Edel AG!

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