Der Preis ist heiß

TolinoDie vielen kleinen Scharmützel rund ums E-Book haben sich ein wenig beruhigt, trotz vieler ungeklärter und unguter Punkte. Immerhin hat sich neben dem bösen Kindle von Amazon die Tolino-Allianz mit einem vergleichbaren Angebot etabliert. Dafür ist der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für E-Books abgeschmettert, obwohl sich sogar die Bundesregierung dafür aussprach: Mit EU-Gesetzen nicht konform. E-Book-Leihe in den öffentlichen Bibliotheken funktioniert nur halbwegs, weil viele Verlage diese Form grundsätzlich ablehnen oder überteuerte Leihlizenzen in Rechnung stellen. Und dann die Frage danach, wie ein E-Book überhaupt rein rechtlich zu beurteilen ist. Das aktuelle Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts (OLG) stärkt dem Börsenverein als Anwalt von Buchhandel und Verlagen den Rücken. E-Books dürfen nicht weiterverkauft werden. Wie auch. Der Download eines E-Books überträgt nur ein Nutzungsrecht und ist kein dinglicher Erwerb. Das schützt den Primärmarkt vor einem unkontrollierbaren Gebrauchtmarkt, sagt Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang hocherfreut.

Mag ja sein. Aber umso unerklärlicher, warum der Preis für ein E-Books weiterhin so heiß bleibt und nah am gedruckten Buch liegt. Obwohl immer weniger Leistung dafür geboten wird. Ich bleibe dabei: Noch niemand hat mir wirklich glaubhaft erklären können, warum die Preisdifferenz zwischen gedruckter und digitaler Form so niedrig ist. Wie die Aufstellung der aktuellen Top-5 der Jugendbücher, laut Erhebung von Dein Spiegel, beweist:
1    Jeff Kinney: Böse Falle! Gregs Tagebuch 9. (Baumhaus) HC 13,99 € eBook 10,99 €
2    Cornelia Funcke: Reckless. Das goldene Garn (Dressler) HC 19,99 € eBook 15,99 €
3    Kiera Cass: Selection. Der Erwählte (FJB) HC 16,99 € eBook 14,99 €
4    Cassandra Clare: Chroniken der Unterwelt. City of Heavenly Fire (Arena) HC 24,99 €     eBook 19,99 €
5    Lea Schmidbauer; Kristina M. Henn: Ostwind. Rückkehr nach Kaltenbach (cbj) HC     9,99 € eBook 8,99 €

Verlage erklären diese Nähe wie folgt: „Die Ersparnis durch Wegfall der physischen Herstellung und Distribution wird aber durch andere Kostenfaktoren wieder aufgezehrt, so die Verlagsrechnung: vor allem durch höhere Autorenhonorare (bis zu 25 Prozent vom Nettoerlös), aber auch durch zusätzliche Kosten, die beim Online-Marketing entstehen, um die „Sichtbarkeit“ der E-Books zu erhöhen. Hinzu kommen zusätzliche Personalkosten, die vielfach noch nicht durch E-Book-Umsätze eingespielt werden.“ hieß es am 25.06.2014 in einem Börsenblatt-Artikel zum Thema E-Book-Preiskalkulation.

Es bleibt wenig nachvollziehbar. Schon die Formulierung „bis zu 25 Prozent vom Nettoerlös“ bedeutet für viele Autoren einen deutlich niedrigere Anteil. Dann die Kosten durch Online-Marketing: Da gilt der gleiche Grundsatz wie für das Marketing für gedruckte Bücher: Für wenige viel, für viele wenig. Zusätzlich ist da nichts, schließlich fallen alle anderen Marketingmaßnahmen am POS weg. Und die zusätzlichen Personalkosten sind sehr überschaubar.

Sonst würden ja auch die Preismodelle von Verlagsimprints wie Carlsen Impress – die Bücher werden für 3,99 € angeboten – oder Ullstein forever – gleicher Preis – nicht funktionieren. Oder wo wird da eigentlich eingespart?

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