Autorensammelbild Folge 1: Zoran Ibrahimovic

Zoran BlogbildZoran Ibrahimovic ist ein deutsch-kroatischer Schriftsteller, der derzeit beim deutschen Erstligisten cbj und dem neureichen Eder & Bach unter Vertrag steht. Er gilt als einer der interessantesten Autoren und besticht insbesondere durch seine starke Sprache und spektakuläre Erzählformen.

Karrierestart in Reinbek und der Sprung nach Hamburg
Ibrahimovics erster Verlag war 1998 Rowohlt „Da ich damals noch recht naiv war und nichts vom Verlagswesen verstand, hat es mein Lektor mit einem faulen Trick hinbekommen, dass ich den Titel Von Helden und Memmem nicht haben durfte.“ Schon war die Stimmung im Keller. „Ich bin ein Ferrari und du fährst mich wie einen Fiat.“ Parallel ergab sich ein kurzes Intermezzo bei Oetinger, ehe er 2000 zu den Profis von Carlsen wechselte. „Ich wollte endlich einen Stammplatz als Hardcover. Rowohlt konnte mir keines versprechen. Zum Schluss haben sich drei Verlage um mich beworben und ich landete bei Carlsen. Es war ein Glückstreffer. Eine Familie nahm mich auf.“ In der Folge weckte er das Interesse anderer, spielte kurz in der Auswahlmannschaft bei Klett-Cotta vor und nach einigen Spielzeiten in der ersten Liga und unzähligen verschlissenen Lektorinnen verließ er 2005 den Klub.

Jahre in Berlin
Mit alten Mannschaftskameraden brach er ebenso wie mit der „Familie“: Nach einem kurzen Intermezzo beim Altberliner Verlag wurde ab 2006 Bloomsbury neuer Arbeitgeber. In den kommenden zwei Spielzeiten etablierte er sich, nicht ganz ohne Konflikte. „Da lief auch noch der Verleger rum. Der war der oberste Boss und erklärte mir mit dem Bleistift, wann ich wo hinfahren und lesen sollte. Ich habe ihm gesagt: Hör mal, Meister, du hast mir gar nichts zu sagen – geh‘ in dein Büro und schreib‘ Briefe!“ Daneben ergriff er die Chance, bei Ullstein in der Saison 2009/2010 national wie international auf Top-Niveau zu spielen. Bis ihn Berater Felix Grisebach offensiv bei anderen Spitzenclubs anbot.

Wechsel nach Bayern
„Ich scheiß‘ drauf, was die über mich schreiben. Ich habe ein Niveau erreicht, wo ich die Verlage nicht brauche. Sie brauchen mich.“ Und cbj brauchte Zoran, wo er 2012 einen Mehrjahresvertrag unterschrieb. Auf ein erstes Aufstöhnen des Lektorats reagierte er mit den Worten: „Qualität hat nun mal ihren Preis. Ich verstehe die Kritik nicht.“ Auch dort sind schon Zeichen verbrannten Rasens sichtbar.

Der Galaktische
Seine internationale Karriere setzt er nun abseits von Ullstein fort, dank seines rührigen Beraters. „Wir suchen gerade nach einem Verlag. Aber wenn wir nichts finden, mein Gott, dann gründen wir halt einfach einen.“ Gesagt, getan. Der neureiche Club Eder & Bach setzt auf ein Team aus Spezialisten, um Zoran noch besser zu machen. Und bieten ihm dafür die Hälfte an den Gewinnen, wenn nach dem aufwendigen Marketing noch was übrig bleibt. Der neue Thriller Still soll passenderweise im September erscheinen. „Eines ist sicher: Eine Buchmesse ohne mich ist nicht sehenswert.“

Privates

  • In den Lektoren-Duden ist zoranieren im Sinne von „stark dominieren“ bis hin zu „beratungs- und lektoratsresistent sein“ aufgenommen worden.

(Alle Zitate stammen von Zoran, Zlatan und sind kaum verändert)

Vorschaukritik 3: Hanser und Beltz & Gelberg

Bild Vorschau kleinBuchhändlers Lieblinge: Das sind die Verlage Hanser und Beltz & Gelberg. Während der erste seit Jahren gleichbleibende Qualität bis hin zu einem Hauch von Langeweile liefert, erscheint Beltz & Gelberg seit einigen Jahren wieder als überraschender Kinderbuchverlag.

Der Eindruck drängt sich umso mehr auf, legt man die beiden Frühjahrs-Programmvorschaunebeneinander. Nach einem kurzen Schlingerkurs mit wechselnden Verlagsleitern hat Petra Albers seit 2007 nichts weniger getan, als die „Kernkompetenz“ des Verlages und seines Anspruches in die Jetztzeit zu transformieren, auch wenn’s nicht von heute auf morgen funktioniert hat. Jetzt gilt: Kaum ein Verlag ist so experimentierfreudig (was Formate und Inhalte angeht), ist im Layout und den Themen so zeitgemäß, hat eine derart gesunde Mischung zu bieten zwischen jungen, vielversprechenden Autorinnen und Autoren einerseits und Umsatzbringern (Katzen und Hunde) und Traditionsautorinnen und -autoren andererseits. Offenbar kann man in diesem Verlag mit einer, seiner noch nie dagewesenen bis spinnerten Idee nicht nur das Lektorat, sondern auch die Verlagsleitung, den Vertrieb und das Marketing gleichermaßen überzeugen. und machen. Was man auch sieht. Und deshalb gibt es wenige Vorschauen, auf die ich mich ähnlich freue wie momentan auf die Wundertüte Beltz & Gelberg. Und auch der Frühling 2014 enttäuscht nicht. Forschen, Bauen, Staunen von A bis Z in 26 Bänden zum Beispiel ist das zeitgemäße Experiment. Jörg Isermeyer und Lena Hach sind neue Autoren. Helme Heine und Klaus Kordon die Brücke zur Tradition. Und eine originelle Alternative zum inflationären Non-Book-Plunder ist die 3 Meter lange Malrolle für alle Grüffelo-Fans. Da nerven auch das Marketing-Gejubel und die Wir werben in … Listen nicht zu sehr.

Dagegen wirkt die Hanser-Vorschau beinahe schon wie aus der Zeit gefallen. Das Layout der Vorschau ist gefühlt seit Jahrzehnten gleich, mancher Autorennamen auch, vor allem, wenn es sich um Neuausgaben handelt. Und bestimmte zu besetzenden Programmplätze dürfen nicht fehlen: Das amerikanische Debüt (Katherine Hannigan: Die Wahrheit, wie Delly sie sieht), der Coming-of-Age-Roman (John Corey Whaley: Hier könnte das Ende der Welt sein), der Lesestoff (Lene Kaaberbol: Die Wildhexe in zwei Bänden) und was neues von Ole Könneke (Das große Bilderbuch der ganzen Welt) und Rotraut Susanne Berner (Alles Gute zum Geburtstag, Karlchen!). Das ist alles sehr bedacht und mit Anspruch gemacht. Aber auch ein klein bisschen langweilig. Oder vorhersehbar. Solide. Entsprechendes Understatement herrscht auch im begleitenden Marketing. Bis auf allerlei zur Wildhexe kein Wort von Millionen Kontakten auf Lesecommunitys und Literaturblogs. Sondern einfach nur gute Geschichten in guten Bücher. Aber vielleicht ist ja auch das das Besondere.