Ein Loch, zwei Lochis und ein Apfel

Die Stiftung Lesen tut viele gute Dinge. Sie verschenkt jedes Jahr eine Geschichte zum „Welttag des Buches“, unterstützt ALDI SÜD beim Verkauf von Vorlesegeschichten und lädt bundesweit AfD-Abgeordnete zum Vorlesetag ein. Hoppla, letzteres war ja ein Versehen. Aber damit die Stiftung Lesen überhaupt so viele gute Dinge tun kann, benötigt sie Geld. Und hat dazu neben finanzkräftigen Stiftern auch selbst unglaublich gute Ideen wie diese: Wenn vor Weihnachten der Cent locker sitzt und schnell mal in den Klingelbeuteln bedürftiger Straßenmusiker und verhungert dreinblickender Zirkuslamas landet, warum dann nicht auch bei der Stiftung Lesen? Gesagt, getan.

Wer jetzt 99 Cent stiften möchte, bekommt auch etwas dafür: Einen Song fürs Lesen, für Groß und Klein. Denn zusammengetan hat sich, was nicht zusammengehört: Die Poesiemusiker Richard Schönherz und Angelica Fleer, bekannt durch ihr Rilke-Projekt, mit den Vorzeigedichtern der YouTube-Generation, die Lochis. Wahnsinn! Vertont haben sie in bewährter Manier das Kinder-Herbstgedicht Vom schlafenden Apfel von Robert Reinick.

Warum die Lochis wird spätestens dann klar, wenn man sich ihr Statement als Lesebotschafter der Stiftung Lesen vergegenwärtigt: „Lesen fördert die Kreativität und den Wortschatz: Wenn man zum Beispiel mal geile Songs schreiben will, dann sollte man viel lesen, denn der Wortschatz wird erweitert. (…)“

Es mit der rhetorischen Frage: Wer kennt überhaupt einen geilen Song der Lochis? abzutun wäre zu einfach. Und ist natürlich unfair. Denn der erweiterte Wortschatz der Lochis blinzelt ja nahezu durch jeden Songtext. Zum Beispiel durch diesen hier, der sehr berührend dieses der Aktion zugrundeliegende Stiftungs-Gefühl in, äh, Reime packt:

Ich bin blank

Hab kein Geld mehr auf der Bank

Brauche Cash in meiner Hand

Ohne Kohle kann ich mir nichts mehr holen


Ich bin blank

Na na na na na na

Na na na na na na

Ohne Kohle kann ich mir nichts mehr holen (aus: Ich bin blank)

oder jene gefühlvolle Ode an sich selbst dieser berühmtesten Zwillinge Deutschlands:

Und die Leute, die meinen wir machen nichts mehr selbst,
würden sofort an Burn-out leiden, denn hier ist nichts gestellt.

Jeden Tag nach der Schule: Texten oder Drehen.
Oder cutten, nie relaxen, zu ’nem Meeting gehen. (aus: Klartext)

Oder eben ein Kindergedicht vertonen für die Stiftung Lesen. Besser, als wenn die Lochis mit ihrem Wortschatz selbst gedichtet hätten.

Ach ja, wie wichtig ist den beteiligten Künstlern eigentlich diese Aktion? Mmh, nun ja. Stattdessen fragen die Lochis lieber ihre Facebook-Community: Wie werden die Konzerte in nem Land, in dem eine ganz andere Sprache gesprochen wird? – wobei sie jetzt nicht Turkmenistan oder Papua-Neuguinea meinen. Sondern die USA. Hoffentlich kommen sie da mit Zeichensprache durch. Oder posten ein neues Video von „Lochi vs. Lochi“ und lassen sich zusammen in einen Container einsperren. Gewonnen hat, wer zuerst aufgibt und den Container verlässt. Auf die Idee, sich gegenseitig ihre Songtexte vorzulesen, sind sie dabei leider nicht gekommen. Schade.

Und Schönherz und Fleer? Posten brav auf Facebook und freuen sich über die Zusammenarbeit, zu der sie wesentlich mehr beigetragen haben als nur irgendein Gedicht einzusprechen.

Na dann, viel Erfolg!

Liebe Heike Brillmann-Ede, liebes Eselsohr,

beim Lesen der September-Ausgabe bin ich doch glatt über einen Artikel gestolpert. „Living the Dream“ heißt er und ist das Porträt des kleinen Schweizer Verlages da bux. Dahinter stecken die Autorin Alice Gabathuler, der Journalist und Autor Stephan Sigg und der Autor und Lehrer Tom Zai. Die produzieren zusammengefasst Shortys für leseschwache Jugendliche, vertreiben die direkt und mittlerweile auch über den Buchhandel. So weit, so gut. Doch dann stolpere ich über Formulierungen wie „Alice Gabathuler gilt als Lesestar in der Schweiz“, „Stephan Sigg (…) gilt als echt, spontan und mit einer Zielgruppen-Spürnase gesegnet. (…) Sensibilität und unbedingte Gesprächsbereitschaft gerade in Grenzfragen sind seine Markenzeichen.“ Und immer weiter setzt sich die Lobhudelei fort. Autorin Gabathuler ist grundoptimistisch und mutig und liebt den Seitenwechsel hin zur Lektorin. Tom Zai ist ein Fuchs in Sachen Website bis Schriftenkunde (Schriftgrad & Durchschuss perfekt!) und die Presse macht Stephan Sigg kommunikativ, schnell, weit vernetzt und 24 Stunden online. Diese anschleimende Gefälligkeitsprosa mündet in die beiden Schlusssätze zur Einmaligkeit des Projekts: „…wirkt da bux erfrischend anders: durchdacht, konzentriert, leidenschaftlich. Hier sind drei am Werk, die überzeugen wollen durch Qualität und Augenmaß.“ Spätestens jetzt ist jedes Augenmaß verloren gegangen und der Leser sucht händeringend, aber vergebens den zwingend erforderlichen Schriftzug „Anzeige“ auf dieser Seite.

Nun mag man ja grundsätzlich jeden Leseförderungsansatz für unterstützenswert halten. Aber wenn dabei sämtliche Grundlagen seriösen Journalismus über Bord geworfen werden, fällt das echt schwer. Denn selbstverständlich ist das da bux-Projekt so einmalig nicht, erst vor kurzem hat dtv junior seine Reihe Shorts gestartet, es gibt bei Ravensburger short & easy, bei Carlsen Clips oder auch die K.L.A.R.-Reihe beim Verlag an der Ruhr, die das gleiche wollen und dabei manchmal sogar eine bessere Figur machen. Denn der Fuchs in Sachen Satz und Schriftenkunde nutzt bloß eine schnörkellose Grotesk-Schrift in einer absolut ungebräuchlichen Satz-Software, und ob die Titelgrafik wirklich eine positive Wiedererkennungsgarantie hat und lockt, bleibt dem subjektiven Blick überlassen.

Aber, liebe Heike Brillmann-Ede, es ist nicht nur die oberflächliche Bauchpinselei, die dieses Verlags-Porträt so ärgerlich macht. Ein Blick ins Impressum der da bux-Bücher zeigt, dass ab 2017 Sie für das gesamte Korrektorat zuständig sind. Sie arbeiten also auf freier Basis für den Verlag, den Sie so begeistert porträtieren. Nun ja. Vielleicht ja alles erklärbar, wahrscheinlich haben Sie Alice Gabathuler ja während ihrer Zeit als Lektorin bei Thienemann kennengelernt. Aber moment, gibt es da etwa noch mehr Verbindungen? Aber ja! Denn aktuell arbeiten Sie nicht nur als Journalistin, sondern auch als Leseagentin und vertreten zahlreiche Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren. Unter anderem …. Alice Gabathuler. Komisch, oder nicht?

Es waren zwei Königskinder …

Buchmesse ist, und der Ausbau des Kinder- und Jugendbuchmainstreams macht mal wieder ein Biotop platt: Königskinder, die schmucke Brosche am Business-Kostüm des Carlsen Verlages, wird mit dem Frühjahrsprogramm 2018 eingestellt. Und schon setzt allerorten Jammern und Wehklagen ein.

Erst einmal klingt es nachvollziehbar. „Angesichts der Verkaufszahlen ist eine Fortsetzung der Programmarbeit (…) nicht mehr zu verantworten.“ begründet die verlegerische Geschäftsführerin Renate Herre die Entscheidung. Verkaufsziele erreichen: Nichts anderes galt vom Anfang der Königskinder an und war auch der Anspruch der Verlagsleiterin Barbara König: „Ich habe die Trennung zwischen kommerziellen Titeln und literarischen noch nie gemocht. Das ist sehr deutsch. Und natürlich wollen wir Geld verdienen.“ Was anscheinend in vier Jahren nur unzureichend gelang.

Unbeantwortet bleiben dabei einige Fragen. Einerseits, ob das Programm, so wie es ist, überhaupt eine echte Marktchance hatte – und warum Carlsen nicht früher programmatisch korrigierend eingegriffen hat, wenn man es denn retten und fortführen wollte. Denn ein reines Lizenztitelprogramm für Jugendliche (bis auf zwei Ausnahmen von 42), eine königliche Vorliebe für viel Wortrauschgeklingel drumherum und der Wille zur auffälligen, aber nicht immer gefälligen einheitlichen Gestaltung jedes einzelnen Programms: Das war vor allem der Königweg, aber nicht der Königsweg. Der erreichte viele wohlmeinende Buchhändler, aber wenige Leserinnen. Und noch weniger Leser. Andererseits braucht ein derartiges Programm eine entsprechende Unterstützung im Marketing. Wenn die fehlt, wird’s eng. Dann freut sich zwar die Presseabteilung über schöne Rezensionen und Auszeichnungen, die es ja in der Tat gab. Aber unterm Strich zählt nur die schwarze Zahl oder die bewusst einkalkulierte Quersubventionierung. Und deswegen hilft ein Satz wie „Wieder ein Stück Idealismus, der dem Profitdenken geopfert wird …“ der Königskinder-Buchgestalterin Suse Kopp nicht weiter. Oder arbeitet sie etwa aus ideellen Gründen und nicht auch, um ihre Kosten zu decken und am Ende sogar etwas zu verdienen? Solange Buchverlage Wirtschaftsunternehmen sind und nicht von staatlichen Subventionen abhängig oder direkt von Stiftungen finanziert werden, ist Gewinn machen ursprünglicher Verlagssinn und selbstverständlich auch im Sinne von Autorinnen und Autoren.

Aber die Königskinder sind kein Einzelfall. Auf der roten Liste der bedrohten Bucharten stehen auch die Bücher mit dem blauen Band bei S. Fischer. Als eine Art Enzenberger’sche Andere Bibliothek für Kinder gedacht starteten sie 2008 literarisch hoch ambitioniert, mit Felicitas Hoppes Iwein Löwenritter. Fein verpackt im Schuber und mit namensgebendem blauen Lesebändchen ausgestattet sollten besondere Originale neben neu aufgelegten Klassikern stehen, insgesamt drei Titel pro Halbjahr, präsentiert in einer eigenen Vorschau. Entgegen der Verkaufszahlen wird das Programm zwar noch fortgesetzt, aber der Schuber und die damit einhergehende Gesamtausstattung samt Leinenrücken fielen dem Rotstift zum Opfer. Jetzt erscheint ein Titel im Halbjahr, der nicht mehr weiter auffällt, bis auf das übrig gebliebene Lesebändchen. Die schöne Idee hat sich am lethargisch reagierenden Markt aufgerieben.

Was weiter?
Für Barbara König ist der Weg bei Carlsen zu Ende. Auch wenn die Pressemitteilung zur Einstellung der Königskinder noch größtmögliche Harmonie und Wertschätzung ausdrückt, ist das Tischtuch bei Carlsen zerschnitten. „Sie suche künftig neue Herausforderungen“ hieß es abschließend in der Online-Meldung des Buchmarkts, klarer kann man das nicht formulieren. Und die vielen großartigen Autorinnen und Autoren vornehmlich aus dem englischsprachigen Raum? Die bringen die Agenten und Agenturen eben bei anderen Verlagen unter, das wird schon. Denn auch in anderen Verlagen arbeiten Menschen mit Herzblut und Leidenschaft an der Sache. Dann wird’s eben nur wieder ein Buch, und kein Königskind.

Kein Spaß mehr beim Bücherbär

Na, wie geht’s dem Verlag? Fragen wir mal eben den Controller. Der weiß das, aber eben nur für den eigenen Laden. Und wie geht’s den Konkurrenzverlagen? Fragen wir mal eben die GfK. Die erhebt verlagsübergreifend Umsatzanteile und Verlagskennzahlen – aber die sind teuer. Bleiben nur die wahrnehmbaren äußeren Faktoren als Bewertungsmaßstab übrig wie leiser Personalrückbau, das Vom-Netz-nehmen von Online-Angeboten, gedrückte Autoren- und Illustratorenhonorare und häufiger Führungswechsel an der Verlagsspitze. So gesehen geht es einigen Verlagen gerade nicht gut. Gehen wir mal an den Pflegebetten vorbei: Aladin bremst den steten Verlagswachstum, der dem realen Umsatz wohl zu weit voraus ist. Oetinger atmet gerade tief durch, weil die ambitionierte Digitalisierung dem Verlag nicht den nötigen Return of Investment beschert. Random House sucht seit geraumer Zeit nach einem marktfähigen Profil und Wachstum neben seiner Kokosnuss. Vielleicht fehlt da noch der ein oder andere in der Aufzählung. Nur einer taucht dabei nicht auf: Arena. Warum auch. Kerstin Gier, Isabell Abedi, Andreas Eschbach, der Bücherbär, das sind nicht nur klingende Namen, sondern auch solide Umsatzbringer in einem anscheinend solide arbeitenden Kinder- und Jugendbuchverlag.

Umso überraschender dann die wie aus heiterem Himmel kommende Entscheidung des Eigentümers, der Westermann Gruppe als Tochterunternehmen des im Hintergrund die Strippen ziehenden Konzerns Medien Union, der unter anderem die Tageszeitung Die Rheinpfalz besitzt und einen 81,75 prozentigen Anteil an der Süddeutschen Zeitung hält. Nach 19 Jahren, davon 14 Jahre als Geschäftsführer, stellt man Albrecht Oldenbourg (63) zum 30. September den Stuhl vor die Tür. „Herrn Oldenbourg ist es gelungen, den Arena Verlag aus dem Mittelfeld in die Top-Liga der Kinder- und Jugendbuchverlage zu führen. Er hat Arena mit vielfältigen marktgerechten Angeboten gut für die Zukunft aufgestellt.“ wertschätzt der alleinige Geschäftsführer der Westermann Gruppe, Ralf Halfbrodt, dessen Leistung noch, während er schon mit dem Bein ausholt. Aber was wie die Begründung für einen satten Jahresbonus für erfolgreiche verlegerische Arbeit klingt, ist doch nur der übliche Floskelsingsang für ein rasches Aufnimmerwiedersehen, bei dem sogar der Zusatz „in gegenseitigem Einvernehmen“ fehlt.

Nun wäre es in der Tat unternehmerisch vorausschauend, sich rechtzeitig um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für einen auf den Ruhestand zusteuernden Geschäftsführer zu kümmern. Aber Tür auf – einer raus, Tür auf – eine rein ist die eher unsanfte Variante davon. Insbesondere, wenn mit Alexandra Borisch eine Geschäftsführer-Azubine an seine Stelle rückt: Sie war bislang in unterschiedlichen Verlagen als Programmleiterin tätig, von Loewe über Herder bis cbj. Das setzt durchaus andere Qualitäten voraus als die Leitung eines Verlages mit so einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den unterschiedlichsten Bereichen.

Zumal die mit ihrer Personalie verbundenen Verlagsziele von Ralf Halfbrodt so benannt sind, als hätte er Albrecht Oldenbourg gerade eine Vertragsverlängerung verkündet: „Ich (…) bin sicher, dass sich Arena unter ihrer Führung erfolgreich weiterentwickeln wird.“ Nix da mit Aufbrüchen, Wachstumszielen, Leserwandel im digitalen Zeitalter, sondern den Weg fortführen, der so schlecht also nicht gewesen sein kann.

Ob dieser Weg in eine noch erfolgreichere Zukunft führt, wird Alexandra Borisch beweisen müssen. Der Controller von Arena wird es als erstes wissen. Und danach die GfK. Und sonst die wahrnehmbaren äußeren Faktoren.

Dann eben nicht

bildschirmfoto-2016-12-04-um-12-09-17Seit 1977 vergibt die Stadt Oldenburg den Kinder- und Jugendbuchpreis für Erstlingswerke, egal ob schon veröffentlicht oder noch unveröffentlicht. Die Rahmenbedingungen sind in den Vergaberichtlinien klar festgelegt. Unter Punkt drei heißt es darin: „Der Preis (…) kann geteilt vergeben werden.“ – wie bisher insgesamt 14 mal. Ergänzt wird er durch Punkt 11: „Sollten keine Arbeiten eingereicht werden, die prämierungswürdig sind, muss das Preisgericht den Preis nicht vergeben.“ – wie bisher aus inhaltlichen Gründen viermal.

2016 hat sich die Jury einstimmig entschieden, gemäß Punkt 11 den Preis nicht zu vergeben, weil sie zwar gute, aber kein preiswürdiges Werk finden konnte. Dafür hat sie sich über den Punkt acht der Vergaberichtlinien, in dem es heißt: „Die Jury (…) erstellt daraus eine Nominierungsliste, die maximal 3 (drei) Werke umfasst.“, hinweggesetzt und diesmal vier Titel nominiert. Vier Titel, die als Manuskripte eingereicht worden sind und zum Zeitpunkt der Einreichung  noch keinen Verlag gefunden hatten. Soweit klingt das wie ein ganz normaler Vorgang. Soweit.

Doch diesmal erntete diese Entscheidung reihenweise Kritik. Oder zumindest Beachtung. Die örtlichen Medien berichteten, im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels gab es einen längeren Artikel, auch die Süddeutsche Zeitung zitierte aus der Jurybegündung, die sachlich belegte, warum es in diesem Jahr keinen Preisträger gab: „Die neuen Autoren sind zu konform, nicht mutig und individuell genug.“ Eine Debatte ist in Gang gekommen, zum Beispiel geführt von den Kinderbuchautoren Salah Naoura und Jutta Wilke. Sie haben sich zurecht mit der implizierten Frage beschäftigt, welchen Anteil die Verlage, ihr Einkaufsverhalten und ihre Ansprüche an die Autoren auf die vorgelegten Werke haben. Wieviel Individualität und literarisches Experiment ist möglich, wenn man wirklich einen Verlag finden will?

Einer der nominierten Autoren konnte und wollte sich nicht so recht freuen: „Wie ich einmal fast einen Preis gewonnen hätte… … und auf eine “Empfehlungsliste” für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2016 kam. Der eigentliche Preis wurde nicht vergeben. Die Jury fand keine der knapp 300 Einsendungen preiswürdig. Fühle ich mich nun trotzdem gelobt – oder in Grund und Boden empfohlen?“ Tja, das kann die Jury beim besten Willen nicht beantworten. Weder haben Autoren ein Anrecht darauf, dass Preissummen zwingend ausgezahlt werden müssen, noch müssen Jurys zwingend Preisträger benennen, wenn das nicht verbindlich vorgeschrieben ist – in vollem Bewusstsein über die für manche Autoren schwierige finanzielle Lage.

Darum zielt Kritik an dem Gebaren der Jury bezüglich der Vergabe bzw. Nichtvergabe des Preises ins Leere. Vier statt drei Titel haben eine Sichtbarkeit gefunden, die ihnen und den Autoren auf dem Weg zu einem Verlag bzw. zu einer Veröffentlichung hilft. Eine Debatte ist angestoßen, die deutschsprachige Autoren und ihre Verlage zu führen haben. Den Preis wird es auch im kommenden Jahr wieder geben. Und auch einen Preisträger. Wenn die Jury überzeugt ist.

(Ralf Schweikart als einer der fünf Juroren des Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreises)

Winnetou und das Fliwatüüt von Burg Schreckenstein

winnetou_gesamtKinderbuch-Klassiker sind in Kino und Fernsehen anscheinend unkaputtbar. Ob Wickie oder Biene Maja, Hanni & Nanni oder Heidi, sie alle werden in regelmäßigen Abständen runderneuert. Warum? Weil solche Stoffe neben den Kindern auch die Kindheitserinnerungen der Eltern ansprechen. Und aus purer Nostalgie das Portemonnaie lockerer sitzt, wenn es um die nigelnagelneuen Produkte drumherum wie die obligatorischen Bücher zum Film geht.

Schon in den Kinos angelaufen ist Burg Schreckenstein, die Best-of-Verfilmung der schönsten Streiche aus 27 Bänden von Oliver Hassencamp – erschienen ab 1959. Der ritterliche Zusammenhalt im Jungsinternat samt nächtlicher Ruderbootausflüge zum gegenüberliegenden Mädcheninternat Rosenfels, das müffelte schon in den Anfangsjahren leicht nach feuchtem Gemäuer und staubigen Spinnweben. Trotz des permanent nachlassenden Erfolges erschien noch 1988 der letzte Band. Reanimationsversuche wie eine Taschenbuchausgabe bei Omnibus konnten die spürbare Vergänglichkeit dieser Internatsgeschichten nicht mehr aufhalten, zumal mit Hogwarts ein bezauberndes Bilderbuchinternat wie aus dem Nichts erschien, neben dem Schreckenstein wirkte wie eine Gartenlaube neben Versailles. Und jetzt? Ist die Kritik ganz angetan von der behutsamen Transformation in die Jetztzeit. Wenn die aber nur in der Verwendung von Drohnen zum Mädchenärgern verkommt und das ganze zu einer Mädchen-Jungen-Nummernrevue mit Schuluniformen und Rittergetue verkommt, braucht es definitiv auch kein neues Buch zum Film. Deshalb die TV-Movie-Book-Wertung: ein Stern.

Schon länger angekündigt ist der Winnetou-Weihnachtsdreiteiler auf RTL. Darin galoppieren Wotan Wilke Möhring und Nik Xhelilaj gegen die übermächtigen Lex Barker und Pierre Brice an und sehr frei durch eine Art Best-of der Cowboy- und Indianergeschichten von Karl May. Entsprechend nostalgisch wirbt RTL in seinem Trailer auch für seinen Film-Film-Film: Gebannt ins Buch, auf eine alte Kinoleinwand und einen Röhrenfernseher starrende Jungs, umrahmt von Schwesternbeiwerk, verkörpern den Satz „Jede Generation hat ihren Winnetou“. Jetzt ist also die Generation Pokemon-Go dran. Aber ob die für Winnetou Platz hat zwischen Dragoran und Pikachu? Der Kosmos-Verlag jedenfalls glaubt daran und bringt im November Nacherzählungen der Drehbücher zu den Fernsehfilmen heraus – für Kinder – und nicht der Karl-May-Verlag. Denn im Vorfeld der Verfilmung gab es Ärger: Bis vor EU-Gerichte ging der Streit darüber, ob es einen Markenschutz für Winnetou gebe oder nicht. Den beansprucht der Karl-May-Verlag für sich und bekam teilweise Recht. Deshalb heißt der Filmteil zwei Winnetou und das Geheimnis vom Silbersee, obwohl jeder Karl-May-Leser den natürlich sofort mit Der Schatz im Silbersee in Verbindung bringt. Aber braucht es dazu diese neuen Bücher? Als Buch zum Film sicherlich nicht. Obwohl: Karl May im Original neu geschnitten (und dessen manischen Beschreibungsorgien drastisch gekürzt), das wäre als Buch zumindest einen Versuch wert. Deshalb die TV-Movie-Book-Wertung: ein Stern.

Und angekündigt ist doch tatsächlich Robbi, Tobbi und das Fliwatüüt, nach dem Kinderbuch von Boy Lornsen, erschienen 1967. Bekannter ist die 11-teilige mit Puppen produzierte Serie, die 1972 und 1973 im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Drehbuchautor und Regisseur war damals übrigens Armin Maiwald, bekannt als der Mann hinter der Sendung mit der Maus. Der Trailer verheißt nichts Gutes: Es sieht so aus, als hätte eine Grundschule bei Jugend forscht mitgemacht und nach den Vorlagen Ritter Rost und E.T. aus Altmetall einen Roboter gebaut. Netter gesagt: Der Wiedererkennungswert von Robbi liegt bei fast 100 Prozent. Und das Fliwatüüt? Sieht aus wie ein Autoscooter mit Dach und Propellern. Auch wenn Motive aus dem Buch wieder auftauchen, ist eine actionhaltige Filmhandlung komplett erfunden worden: Der arme Robbie wird von den skrupellosen Agenten Sharon Schalldämpfer und Brad Blutbad (nein, kein Scherz, so heißen die wirklich) gejagt. Und das Buch? Ist zum Glück das Original, nur ergänzt mit ein paar Filmbildern. Macht in diesem Fall eine TV-Movie-Book-Wertung von: drei Sternen.

Edel sind die Kids, aber hilfreich und gut?

edel_bitterMal wieder ein neuer Kinderbuchverlag, warum nicht. Er heißt Edel:Kids Books, gehört, wie der Name schon verrät, zum Medienunternehmen Edel AG und hat seinen Sitz zusammen mit Zabert Sandmann, jetzt ZS Verlag, in München. Gut, Edel veröffentlichte unter diversen Imprints wie Eden Books eh schon einen Kessel Buntes auch für Jugendliche, z.B. Sarah & Pietro: Unsere Reise oder bei Edel Elements eBooks den fast 20 Jahre alten Titel von Nina Gold: Ein Girlie packt aus. Nun also ein richtiges Kinderbuchprogramm. Und das macht einer, der weiß wie es gehen könnte: Jürgen Weidenbach. Der wurde im Mai zwar bei Random House nach 13 Jahren als Verlagsleiter in den Ruhestand verabschiedet. Aber manchmal gibt es eben Angebote, die man nicht ausschlagen kann.

Was kommt Edles? 2017 die ersten Titel mit deutschen Erst- und Originalausgaben – warum der Verlag dann Kids Books heißen muss und nicht Kinderbuch bleibt ein Mystery. Geplant sind acht bis zehn Bücher pro Halbjahr für Kinder bis zu zehn Jahren. In welche Richtung es gehen wird? „Wir werden bei Edel:Kids Books unterhaltsame Bücher verlegen, die überraschen, neugierig machen und für erzählerischen Anspruch und hohe Verkäuflichkeit stehen“, sagt Jürgen Weidenbach. Was ja in seiner Floskelhaftigkeit auch schon jahrelang für die „ …einfach vielseitigen“ Kinderbücher von cbj und cbt galt. Bedauerlich nur, dass dieser Anspruch dort in den vergangenen Jahren immer seltener erfüllt wurde. Die großartige Trennung von cbj und cbt in zwei nebeneinanderstehende Vollprogramme sollte überraschen und die einzelnen Profile schärfen, aber außer ihren Begründern hat das keiner wirklich verstanden. Hohe Verkäuflichkeit? Laut Umsatzstatistik steht cbj/cbt aktuell auf Platz 4 der Kinder- und Jugendbuchverlage, mittlerweile mit einiger Luft nach oben. Denn außer dem erstaunlichen Erfolg von Ingo Siegners Drache Kokosnuss ist dem Verlag in den vergangenen Jahren nicht mehr allzuviel eingefallen, was neugierig macht. Eher wurde mit viel Finanzkraft eingekauft, was sich schlußendlich nicht gerechnet hat, von Joachim Masannek bis Zoran Drvenkar.

Mit Edel:Kids Books soll nun alles besser laufen. Das wird sicher den ein oder anderen cbj/cbt-Autor zumindest zum Nachdenken bringen. Frisches Geld, ein neues Programm, ein Verlagsleiter, den man kennt, das können gute Gründe fürs Hinterherziehen sein. Zumindest die Vermarktungsrechte an den Trickfilmfiguren von Pettersson und Findus besitzt der Verlag schon, übernommen von TV Loonland – daraus haben schon andere Verlage Bücher mit mauem erzählerischem Anspruch entwickelt und schlussendlich in Kaufhäusern und Supermärkten verramscht.

Will da Edel:Kids Books hin? Eher nicht. Aber wie sie in den Kinderbuchmarkt kommen wollen, haben sie auch noch nicht verraten. Ein Schwerpunkt des bisherigen Vertriebs ist der bisher nicht. Aber vielleicht steht da Jürgen Weidenbach ja eine fähige Projektmanagerin zur Seite: Mit Judith Haentjes in dieser Funktion ist die Tochter des geschäftsführenden Vorstandsmitglieds und Mehrheitsaktionärs Michael Haentjes mit an Bord.

10 Gedanken zum neuen Roman von Gabi Kreslehner

PaulaPaulTom1. Warum erscheint eigentlich das neue Jugendbuch PaulaPaulTom ans Meer nicht bei Beltz & Gelberg, wie ihre bisherigen Jugendbücher, sondern bei Tyrolia?

2. Ist Beltz & Gelberg nicht als sogenannter Autorenverlag bekannt?

3. Warum hat Gabi Kreslehner trotzdem mit dem zum Einreichungszeitpunkt dann unveröffentlichten Manuskript zu PaulaPaulTom ans Meer schon zum dritten Mal den hoch dotierten Kinder- und Jugendliteraturpreis des Landes Steiermark gewonnen?

4. Wieso findet eine Autorin wie Gabi Kreslehner (ausgezeichnet mit einer Fülle literarischer Auszeichnungen, der Verfilmung ihres ersten Jugendromans usw.) daraufhin nicht im Handumdrehen einen anderen Verlag?

5. Weshalb sind die Verlage, die einen gewissen literarischen Anspruch vor sich her tragen, so äußerst zögerlich in der Entscheidungsfindung und fadenscheinig in ihren Begründungen, warum dieses Buch/diese Autorin gerade im Moment nicht sooooo gut ins Programm passt?

6. Und weshalb kaufen sie andererseits lieber wieder Buch um Buch aus dem angloamerikanischen Buchmarkt, ganz risikofrei, schon lektoriert und damit inhaltlich und sprachlich weitestgehend unantastbar (und austauschbar)?

7. Und das, obwohl gerade die Texte von Gabi Kreslehner eine ganz eigene literarische  Stimme haben, die man unter den meisten anderen Veröffentlichungen schon nach wenigen Zeilen heraushört? Positiv heraushört?

8. Das alles, wo doch die meisten Verlage ständig wehklagen darüber, dass es zu wenige deutschsprachige Autorinnen und Autoren gäbe, die originell und eigenständig schreiben und Geschichten erzählen könnten.

9. Und sich Lektorate immer öfter davor drücken, voller Überzeugung und mit etwas längerem Atem mit deutschsprachigen Autorinnen und Autoren den Markterfolg zu suchen.

10. Glücklicherweise gibt es noch die kleineren Verlage, die sich trauen, solche Bücher zu machen, weil sie gemacht werden müssen. Gegen das graue Einerlei. Wie Tyrolia.

Ein Gedankenexperiment reloaded

DJLP2016_Plakat_www_567x808Die Diskussion um den Anteil deutschsprachiger Titel beim Deutschen Jugendliteraturpreis ist noch immer nicht versiegt – sieht man sich die in Leipzig präsentierte Auswahlliste an. Auch diesmal versuche ich, sämtliche auf der aktuellen Liste vertretenen Lizenztitel durch Originale zu ersetzen. wie diese Auswahl aussehe, bitteschön. Ob besser oder schlechter, darf nun jeder für sich entscheiden.

Meine Nominierungen (die nominierten deutschsprachigen Titel der Kritikerjury habe ich kursiv übernommen, auch wenn es nicht immer meine Wahl gewesen wäre):

Sparte Bilderbuch
Kathrin Schärer: Der Tod auf dem Apfelbaum. (Atlantis)



Matthias Jeschke/Maja Bohn: Was meine Eltern von mir lernen können! (Hinstorff)

Anja Mikolajetz: Das Herz des Affen (Aladin) 


Lorenz Pauli/Miria Zedelius: Pass auf mich auf. (Atlantis) 


Antje Damm: Der Besuch (Moritz)



Kai Lüftner/Eva Muszynski: Der Gewitter-Ritter – Ein Wut-und Wetter-Bilderbuch. (Klett)

Sparte Kinderbuch

Uwe-Michael Gutzschhahn (Hrsg.)/Sabine Wilharm: Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her. Das dicke Buch vom Nonsens-Reim (cbj) 


Antje Damm: Kleines Afrika. Tulipan



Christian Duda/Julia Friese: Elke. Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen. (Beltz & Gelberg)



Stefanie Höfler/Franziska Walther: Mein Sommer mit Mucks (Beltz & Gelberg)



Oliver Scherz: Keiner hält Don Carlo auf. (Thienemann)


Sparte Jugendbuch:

Bov Bjerg: Auerhaus (Blumenbar)

Sandra Weihs: Das grenzenlose Und. (Frankfurter Verlagsanstalt)



Elisabeth Steinkellner: Rabensommer. (Beltz & Gelberg) 



Kirsten Fuchs: Mädchenmeute (Rowohlt Rotfuchs) 


Florian Wacker: Dahlenberger. (Jacoby & Stuart)

Cornelia Travincek: Junge Hunde. (DVA)

Sparte Sachbuch

Chris Köver/Daniele Burger/Sonja Eismann: Hack’s selbst! Digitales Do it yourself für Mädchen. (Beltz & Gelberg)

Maren Gottschalk: Andy Warhol. (Beltz & Gelberg) 


Jane Baer-Krause/Jan von Holleben: Wie heißt Gott eigentlich mit Nachnamen? Kinderfragen zu fünf Weltreligionen (Gabriel)


Britta Teckentrup: Alle Wetter (Jacoby & Stuart) 


Julia Balogh/Birgit Murke (Hrsg.): Geteilte Ansichten – Jugendliche stellen Fragen zur Deutschen Einheit (Ueberreuter Verlag)



Kristina Gehrmann: Im Eisland. Band 1: Die Franklin-Expedition (Hinstorff) 


Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia. Die Geschichte von Samia Yusuf Omar (Carlsen)

Nachschlag März 2016: Das kleine Bisschen

Bildschirmfoto 2016-03-16 um 23.48.21Preisfrage: Wer ist die deutsche Autorin, die mit einer Reihe fantastischer Erzählungen für Kinder international megaerfolgreich und, um die Verfilmung ihres Stoffes in Hollywood voranzutreiben, in die USA gezogen ist? Klar, das kann ja nur Cornelia Fu… – ist es aber nicht. Denn viele Jahre vor ihr gab’s genau diesen Werdegang schon einmal: Bücher, Filmoption, Hollywood, leben in den USA, das war und ist, genau, die Geschichte von Angela Sommer-Bodenburg.

Als der erste Band des Kleinen Vampirs mit Menschenkind Anton und den Vampiren Rüdiger und Anna 1979 erschien, war nicht abzusehen, dass daraus einmal unter anderem 20 Bände, allein in Deutschland über 3,5 Millionen verkaufte Bücher, Übersetzungen in 30 Sprachen, zwei TV-Serien und ein internationaler Spielfilm werden würde. Angela Sommer-Bodenburg hat damit den Boden bereitet für die vielen Vampir-trifft-Mensch-Geschichten im Kinderbuch. Profitiert hat ihre Reihe in späteren Jahren davon kaum.

1992 ging sie in die USA, um in Los Angeles aus dem kleinen Beißer einen großen Hollywood-Film zu machen. Sie ist geblieben, und die Hoffnung auf einen Film mit ihr. Der kam nach zähen Verhandlungen im Jahr 2000 in die Kinos, als Deutsch/Niederländisch/
Amerikanische-Koproduktion unter der Regie von Uli Edel. Großes und erinnerungswürdiges Kino war das nicht, und der Durchbruch in den USA auch nicht. In ihrer Wahlheimat wird sie heute eher als Malerin denn als Autorin wahrgenommen.

Warum? Weil es immer schwierig war, Anspruch und Wirklichkeit zusammenzubringen. Denn der kleine Vampir war nach acht Bände, im Jahr 1988, zum ersten Mal leidlich auserzählt. Es gab Streit mit der Illustratorin Amelie Glienke, Unzufriedenheit mit dem Hausverlag Rowohlt und den Wechsel zu C. Bertelsmann, wo die Reihe unter dem Titel Anton und der kleine Vampir mit acht weiteren Bänden und anderen Illustrationen fortgeführt wurde. Es lief dort nicht wie erhofft, und ab 2001 erschienen neue Bände wieder bei Rowohlt, samt Neuausgaben der C. Bertelsmann-Bücher, alle neu illustriert von Amelie Glienke. Mit großen Erwartungen, aber nur mäßigem kommerziellen Erfolg. Mit Der kleine Vampir und die letzte Verwandlung erschien 2008 der Abschlussband, dachte man. „Für mich ist die Serie Der Kleine Vampir mit dem 20. Band beendet.“ sagte sie selbst in einem Interview auf der Frankfurter Buchmesse des gleichen Jahres.

Und jetzt das. Band 21. Der kleine Vampir und die Frage aller Fragen. Und die lautet an Angela Sommer-Bodenburg: Warum nur? Immer wieder hat sie in Interviews darüber geklagt, dass man ihr als Autorin nicht mehr zutraut als nur Anton und Rüdiger. Und Geisterkram. Um doch noch ein weiteres Mal diese Einschätzung zu bekräftigen. Das kann nicht gutgehen. Immerhin 37 Jahre liegen zwischen Band 1 und Band 21 – das ist mehr als eine Generation Leserinnen und Lesern. Und bei welcher Buchreihe war nochmal der 21. Band der absolute Höhepunkt? Die Überraschung? Das Highlight? Vielleicht fällt’s mir ja noch ein.

Die Frage aller Fragen ist es jedenfalls nicht. Die Geschichte wirkt zahnlos, vorhersehbar, gewollt, und das auf 240 ermüdenden Seiten, die alles andere sind als ein spannendes Wiedersehen. Anna kichert permanent, Anton widerholt als Beweis seiner Unbedarftheit Fragen gerne wörtlich, auf sämtlichen Seiten riecht es nach Rosen, Moder und einem ganzen Gewürzkarussell. Die Frage aller Fragen stellt Anna übrigens schon auf den ersten Seiten. Und die Antwort Antons scheint mondscheinklar. Der Kleine Vampir, das ist ein Buch für Nostalgiker. Und Sammler der Reihe. Ein frisches, spannendes, lesenswertes Kinderbuch ist es leider nicht.