Ballermann auf dem Pädagog:innen-Elfenbeinturm

Alle behindert!, so lautet der Titel eines im September 2019 im Klett Kinderbuch Verlag erschienenen Sachbuchs für Kinder, das kurze Zeit später auch über die Bundeszentrale für politische Bildung bpb vertrieben wurde. Die Idee ist schnell erklärt: Ähnlich eines Quartetts oder den vorgegebenen Seiten in einem Freundschaftsbuch werden 25 spannende und bekannte Beeinträchtigungen in Wort und Bild, von Down-Syndrom bis Angeber, von Tussi bis Querschnittlähmung in knappen Kategorien nebeneinandergestellt, Kategorien wie: „Wo kommt das her?“ „Geht das wieder weg?“ „Was lasse ich lieber?“ „Vorteil“. Schon ist das Prinzip verstanden. Zusammenwerfen, was vordergründig nicht zusammengehört, und damit den Kernsatz unterstreichen: Wir sind alle gleich und wir sind alle anders, jede:r auf seine Weise. Rigoros aus Kindersicht gedacht und genau so vereinfachend und pauschalisierend umgesetzt, damit die Idee schnell und direkt ankommt. Punkt.

Die Reaktionen waren unterschiedlich. Auf der einen Seite Auszeichnungen wie „Beste 7 im Januar 2020“, „Leipziger Lesekompass 2020“,Longlist des Wissenschaftsbuches des Jahres 2019“, auf der anderen Seite Kritik wie „Unangemessene und unpassende Vergleiche“ von Eltern eines Kindes mit Down-Syndom auf amazon als Beispiel oder das „lebenslange Diskriminierung nicht mitgedacht“ sei in Die neue Form, einem Online-Magazin für Disability Mainstreaming. Es gab Diskussionsbedarf. Bis jetzt. Bis zu einem im Januar 2022 publizierten offenen Brief von Prof. Dr. Dino Capovilla vom Lehrstuhl für Pädagogik bei Sehbeeinträchtigungen an der Universität Würzburg, unterzeichnet von 14 weiteren Professor:innen aus den Feldern Inklusionsforschung, Pädagogik bei diversen Beeinträchtigungen und Bildungsdidaktik. Darin werden die schon 2019 und 2020 genannten kritischen Argumente ausführlich erneuert. So weit, so gut, so legitim in einer offenen und freien Gesellschaft, in der man über Positionen und Sichtweisen streiten darf. Aber dabei bleibt es ganz und gar nicht, leider.

Intention dieses an die Bundeszentrale für politische Bildung gerichteten Briefes ist eine gänzlich andere. „Mit diesem offenen Brief möchte wir erreichen, dass die bpb diese Publikation aus ihrem Programm nimmt“ und weiter am Ende des Briefes: „Wir erwarten von der bpb eine ernsthafte und angemessene inhaltliche Auseinandersetzung (…). Ein erster Schritt in diese Richtung ist eine Distanzierung von der diskutierten Publikation und eine Entfernung aus dem Programm.“

So geht‘s halt nicht, auch nicht im Elfenbeinturm. Eine ernsthafte und angemessene inhaltliche Auseinandersetzung führt man nicht, indem man als Voraussetzung dafür erst mal das Objekt der Auseinandersetzung, das Buch, verbietet. Und genau das ist ja die glasklare Forderung: Buch aus dem Programm entfernen. Und zusätzlich an die bpb noch die Erwartung, sich in den Staub zu werfen, selbstzukasteien und einzugestehen, dass man einen Riesenfehler begangen habe. Das ist ein derart bevormundender Ton, den man ansonsten nur in überkochenden Aktivist:innen-Communities auf Social Media-Kanälen kennt, nicht aber aus Wissenschaft und Forschung.

Nur zur Erinnerung: Neben der im Grundgesetz verankerten Freiheit der Wissenschaft und Forschung, auf die sich sicherlich alle Unterzeichnenden berufen, gibt es auch die im Grundgesetz in gleicher Weise verbriefte Kunstfreiheit, und die gilt auch für Kinderliteratur. Vergessen? Gern geschehen.

Mit dem offenen Brief war und ist es aber offenbar nicht getan. Die Forderung, sich zu distanzieren und seine Meinung zu dem Buch zu revidieren, ging und geht offenbar auch persönlich an Rezensent:innen und an die Jurys, die den Titel ausgezeichnet haben, wie zum Beispiel die Jury der Besten 7 (in der ich Juror bin). Gefühlt wird darin ein erster Erfolg schon gefeiert, denn der Titel ist mittlerweile bei der Bundeszentrale für politische Bildung vergriffen und von der Webseite verschwunden – damit sei ja „ein erstes Ziel erreicht“. Die nun erhobene Forderung an die Jury, sich „in eine kritische inhaltliche Auseinandersetzung mit Ihrer Auszeichnungspraxis (zu) begeben“ klingt in diesem Kontext beinahe drollig. Und es ist fraglich, ob Menschen, die Bücher verbieten wollen, die richtigen sind, um mit ihnen über eine kinderliterarische Auszeichungspraxis zu diskutieren.

Gnädigerweise wird den Juror:innen noch ein Auseinandersetzungs-Ausweg eröffnet, „Sofern Sie Ihre Auszeichnung nicht als Ihr letztes Statement stehen lassen wollen“. Ich für meine Person lasse sie felsenfest stehen. Aus Prinzip. Für den Ballermann-Wild West-Ansatz erst zu schießen und dann zu fragen, wollen wir reden? stehe ich nicht zur Verfügung. Und der entspricht auch nicht meinen Erwartungen an einen universitären Diskurs, ganz gleich zu welchem Thema.

Kinderlieder aufräumen

Die anonyme Buchhändler:innen-Selbsthilfegruppe „Kinderbücher aufräumen“ trifft sich zu ihrer wöchentlichen Sitzung. Im Kreis sitzen, in vorschriftsmäßigem 1,50 m Abstand, A, B und C. A trägt einen Mund-Nasen-Schutz mit einem Jim Knopf-Motiv, B mit Peppa Pig und C mit Sailormoon. B’s Räuspern klingt gedämpft durch die Maske.

B: Schön, dass ihr trotz allem wieder gekommen seid.
A: Ja, es ist ein Graus mit unserem ewig währenden Kampf.
C: In der Tat. Vor allem, weil wir ja unsere Kampfeszone ausgeweitet haben. Wir sind aufmerksam! Uns entgeht nichts! Gar nichts!
B: Trotzdem ist dein Antrag, uns in Radikale Aufräum-Fachkräfte umzubenennen, etwas über das Ziel hinausgeschossen.
A: Ich hatte aber so ein schönes Signet gemalt, mit den drei Buchstaben R, A und F. Mir hat’s gefallen.
B: Wir bleiben lieber im Untergrund und unsichtbar, das macht unsere Arbeit viel effizienter. Jetzt haben wir ja auch diese Drei Chinesen
C: Wurde ja auch Zeit! Der Goldene Drachen und das Peking-Haus, mein lieber Gott, wie das da aussah, ich will gar nicht wissen, aus was das sogenannte Hühnchen bestand, das hat in seinem Leben bestimmt nie gegackert, und bei Ding Ding Sheng blieb dir das Stäbchen ja im Glutamat stecken, so viel haben die reingehauen, also wurde wirklich Zeit dass die geschlossen werden!
B: Nein, nicht die Chinesen. Die Drei Chinesen mit dem Kontrabass.
A: Oh, ein multikulturelles Musik-Trio?
B: Das Kinderlied! Die Dri Chinisin mit dim Kintribiß. Hm?
A: Was jetzt Chinesin? Oder Chinesen? Und was für ein Biss?
B: So kommen wir nicht weiter! Dieses Kinderlied meine ich: (Singt) „Drei Chinesen mit dem Kontrabass, saßen auf der Straße und erzählten sich was.“
C: Genau! Zack, sind sie von der Polizei umzingelt. Eingekesselt. Das ist eindeutig Racial Profiling! Nur weil sie Chinesen sind.
A: Oder Chinesinnen.
C: Egal. Pfui! Sofort verbieten das Lied!
A: Aber, vielleicht hatten die keine Sondernutzungserlaubnis. Oder waren länger als 60 Minuten an einem Ort, das ist ja nicht gestattet. Oder es war gerade zwischen 12 und 15 Uhr, da dürfen …
C: Nimm doch nicht dauern die Bullen in Schutz! Das war übergriffig, rassistisch, Punkt aus!
B: Der Ravensburger Verlag hat jedenfalls entschieden, das Lied aus seinen Kinderliederbüchern künftig rauszulassen.
A: Ich habe von einer Umdichtung gehört, von einem Musikethnologen. Der hat daraus eine politisch korrekte Version gemacht: „Drei Studenten mit dem Lastenrad, fahren auf der Straße, halten ein Plakat, da kam die Polizei „stop, hier ist der Staat“, drei Studenten mit dem Lastenrad.“ Schön, oder?
B: Das müsste aber Studierende heißen. Oder Student:innen. Und ist das jetzt ein normales Lastenrad oder ein E-Lastenrad? Was brauchen Studierende überhaupt ein Lastenrad? Ein normales reicht da doch völlig. Und wie halten die denn da ein Plakat? Lenken die nur mit einer Hand? So ein schweres Lastenrad? Das ist ja verkehrsgefährdend. Und was steht denn auf dem Plakat? Also ich weiß nicht, mir sind das zu viele offene Fragen …
C: Egal, Punkt, Satz und Sieg für uns! Wie schon längst die 10 kleinen N-Wort lein. Überall raus! Und 10 kleine Jägermeister auch! Weil es diese Ausbildungsstufen bei Jägern gar nicht gibt, also Geselle und dann die Meisterprüfung. Völliger Quatsch!
B: (stöhnt leise auf) Gut, danke.
A: Ich habe gelesen, früher hieß das Lied 10 kleine Injuns, also Indianer.
C: Auch verbieten, sofort, dieses I-Wort. Wie das N-Wort auch. Ist genauso diskriminierend und rassistisch!
B: Wir haben die Yakari-Bücher mal ganz nach hinten gestellt und den Drachen Kokosnuss wegen des I-Wortes auch und natürlich Cowboy Klaus und das pupsende Pony.
A: Aber wenn ich das Wort jetzt nicht mehr sagen darf, auch hier in Hessen nicht, was antworte ich denn, wenn mich jemand auf der Straße fragt Liegt der Bahnhof in dieser Richtung? Und ich antworte Nein, I-Wort Richtung. Der weiß ja gar nicht, was ich meine.
B: Versteh ich nicht.
A: Wenn ich nicht mehr sagen darf „In die anner“ Richtung. Hast du doch eben gesagt.
B: (stöhnt entnervt auf) Das darfst du selbstverständlich weiter sagen. Mensch!
C: Und Alle Kinder lernen lesen auch verbieten, sofort!
A: Die Kinder sollen schon lesen lernen, um genau die Stereotype zu erkennen und zu sagen, halt stopp, ich fühle mich gemoppt durch …
B: Ach, du meinst das Lied.
C: Genau. Denn das geht weiter mit „Indianer …
B: Wir sagen I-Wort.
C: Ja doch, „… und Chinesen. Selbst am Nordpol lesen alle Eskimos …
A: E-Wort! Das geht doch auch nicht, oder?
C: Seht ihr, alle drin, I-Wort und die Chinesen wieder!
A: Davon gibt es ja auch 1,4 Milliarden, also dass die dann häufiger in Liedern vorkommen als zum Beispiel Lichtensteiner oder Monegassen ist schon irgendwie logisch. Mal prozentual gesehen ist das nicht so schlimm, wenn mal ein Lichtensteiner Kind nicht lesen kann, aber das wären dann 100.000 oder so chinesische Kinder, die das nicht könnten, versteht ihr?
B: Danke für den Hinweis. Haben wir auch noch ein paar positive Beispiele?
A: Vielleicht Ein Vogel wollte Hochzeit machen?
C: Wie kommst du denn darauf? Das ist doch voll heterosexuell normativ? Zwangsehe und alles? Spinnst du?
A: Aber es heißt doch Die Drossel war der Bräutigam, die Amsel war die Braute. Die Drossel, merkst du was? Zwei weibliche Vögel? Das ist doch ganz klar eine lesbische Eheschließung und divers und so.
B: Mal langsam mit den wilden Vögeln. In der ersten Zeile heißt es schon Ein Vogel wollte Hochzeit machen, nicht zwei. Gehören aber zwei dazu.
C: Genau: Zwangsehe! Ganz klar! Sofort verbieten!
B: Weil der Sperber der Hochzeitswerber war. Also der Kuppler.
C: Richtig! Einsperren den Lump!
B: Reg‘ dich doch nicht so auf.
C: Und später kommt noch Die Puten, die Puten, die machten breite Schnuten. Als wären sie zu blöd für wichtigere Aufgaben wie all die anderen Vögel. Sitzen nur rum und können nichts. Unerhört! Ausgrenzung! Eine marginalisierte Gruppe! Die müssen sich organisieren, protestieren, skandieren: Ich bin hier die Gute, die unfehlbare Pute! oder so.
A: Apropos, ich habe ein bisschen Hunger bekommen. Drüben im Chinesen gibt es heute als Tagesgericht Putengeschnetzeltes. Habt ihr Lust?

ABC-Alarm

Unausweichlich? Nicht umkehrbar? Alarmierend? Das alles kommt einem in den Sinn, beim Blick in die am 30.11.2021 vorgestellten Ergebnisse der neuen JIM-Studie des Medienpädagogische Forschungsverbundes Südwest (mpfs). Da geht es um Mediennutzung allgemein, um für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren relevante Themen wie Klimawandel und die Corona-Situation, um Nachrichtenquellen und Hassbotschaften, um WhatsApp und Fake News. Das alles ist in der Pressemitteilung des mpfs nachzulesen unter der zeitgeistgemäßen Überschrift „Anstieg an Desinformation und Beleidigungen im Netz“ als zentraler Zusammenfassung.

Schon richtig. Aber branchenrelevant ist in der JIM-Studie vor allem das Kapitel 6 „Bücher und Lesen“ (Seite 20 ff). Und die Veränderungen im Laufe eines Jahres (von 2020 zu 2021) und im Laufe der Jahre (seit 1998 wird jährlich erhoben). Darüber steht nix in der Pressemitteilung. Obwohl dazu das ein oder andere zu sagen ist. Und zwar dringend wie drängend. In der Studie ist die Veränderung des Leseverhaltens noch relativ neutral formuliert, es handelt sich um einen: „wellenförmiger Verlauf mit abnehmen­der Tendenz, bei dem sich die Beschäftigung mit Büchern seit Beginn der JIM-Studie 1998 um die Marke von 40 Prozent bewegte. Aktuell liegt der Anteil der Jugendlichen, die sich aus eigenem Antrieb – also ohne berufli­chen oder schulischen Anlass – mit gedruckten Büchern beschäftigen, bei 32 Prozent.“ Das ist der niedrigste Wert ever, nur mal so. 32 Prozent. Weniger als ein Drittel. 2011 lag der Wert bei 44 Prozent. Erhöht hat sich dagegen der Anteil an Nicht-Lesern, der liegt bei jetzt 18 Prozent, davon 23 Prozent Jungs und 13 Prozent Mädchen.

Auch wenn hier „gedruckte Bücher“ steht: Das E-Book rettet diese Negativwerte nicht. Es geht um Text in üblichem Buchumfang in allen Erscheinungsformen.

Lesen ist weiterhin ein Mädchending? Ja, schon, wobei die Mädchen ungewohnt schwächeln, es sind nur noch 36 Prozent regelmäßige Leserinnen, im Vergleich zu 42 Prozent 2020. Dafür lesen weiterhin 29 Prozent der Jungs regelmäßig, im Vergleich zu 28 Prozent im vergangenen Jahr. Und Bildung? Spielt weiterhin eine große Rolle. 39 Prozent der Gymnasiast:innen lesen regelmäßig, aber nur 23 Prozent der Haupt- und Realschüler:innen. Nur mal zum Vergleich: 2011, also vor 10 Jahren, lagen die Werte bei 32 Prozent bei Hauptschüler:innen, 37 Prozent bei Realschüler:innen und 52 Prozent bei Gymnasiast:innen. Alarmierend? Ja, meiner Ansicht nach schon, wenn man auch andere Studien mit heranzieht. In der eine jugendliche Unlust an Lektüre gerade in Deutschland konstatiert wird. Oder die Rückmeldungen aus pädagogischen Fachschulen für Erzieher:innen. In denen die Bedeutung von Bilderbüchern für kleine Kinder erst noch vermittelt werden muss. Weil da viele jungen Menschen sitzen, für die das Neuland ist. Weil sie selbst nicht (mehr) lesen.

So betrachtet machen die JIM-Ergebnisse 2021 wenig Spaß. Bücher zu lesen wird als schulisch notwendiges Übel gerade noch so akzeptiert, um dass man sich dank YouTube und Wikipedia noch halbwegs herummogeln kann. Mit persönlicher Bereicherung bringen Bücherlesen nur die wenigsten in Verbindung. Und nun? Auf Initiativen und „wir müssen gemeinsam irgendwas anpacken“ hoffen? Von der Politik ist bisher dazu wenig zu erwarten. Ein Digitalpakt 2.0 für Schulen ist sicher notwendig. Aber warum Schüler mit Technik zuschütten, wenn sie nicht mal die grundlegendsten Dinge kennen und können? Wollen wir wirklich bis Ende 2022 warten, bis die IGLU, die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung uns noch dramatischere Ergebnisse aus monatelangem Schullockdown liefert bei den Jüngeren liefert? Anscheinend.

Der Müller liest’s!

Wos i auf jedn Foi vorwegschick: Der Müllerthomas is an echter Bazi aufm Fußballplatz, bei den Bayern aus München. Und auch außerhalb. Nicht so glattgeleckt und von Medienberatern sprachpoliert. Der redet normal daher und wirkt so, als könne man nach dem Spiel glatt mit ihm eine Maß trinken. Oder zwei. Und auch über was anderes als nur über die vergebene Chance in Minute 25 nachdenken. Statt sündhaft teurer Sportkarren und einem eigenen Tattoostudio hat er Hasen, zwei Hunde und einen, naja, Audi SUV in groß, aber er muss halt auch mal Pferdeanhänger hin- und herfahren, weil er und seine Frau Lisa ja ein Gestüt besitzen und selbst bewirtschaften und seit 2021 auch EU-Besamungsstation sind. Was immer das ist.

Wer ko, der ko, dachte sich der Müllerthomas und hat auch drei Bücher geschrieben. Guad, ned ganz aloan. Sondern mit einem Sportjournalisten zusammen, dem Julien Wolff. Passt scho. Sind auch nicht so lang, die beiden Erstlesebücher. Worum es darin geht? Um den Müllerthomas und seinen Weg zum Traumverein. Und um seinen Weg in die Startelf. Wo doch der Louis van Gaal gesagt hat: „Müller spielt immer“, aber egal. Und ein langes Kinderbuch gibt es auch. Mein Weg zum Fußballprofi. Also der Weg vom Müllerthomas über den Traumverein zur Startelf.

Un jetzet erhält der Müllerthomas au no den Deutschen Lesepreis 2021 als prominenter Lesebotschafter der Siftung Lesen. Herrschaftszeitn, no amoi!

Warum er den Preis bekommt, verrät der Mann von der Commerzbank-Stiftung. Der sagt, der Müllerthomas mache viele Videolesungen. Ja, mei, schau ich mal, was mir die Suchmaschine so ausspuckt. Und in der Tat, es wird jede Menge angezeigt, wenn ich „Thomas Müller liest vor“ eintippe. Ah, ja, da liest er scho. Im Stadion. Aus seinem Buch. Nächster Treffer. „Thomas Müller liest exklusiv für seine jungen Fans ein Kapitel aus seinem neuen, noch nicht veröffentlichten Buch“. Verrückt! Nächster Treffer: Thomas Müller liest beim FC Bayern Kids Club vor. Doch nicht etwa schon wieder aus seinem eigenen …? Nein! Denn schwupps ist die Kamera bei dem guten Freund vom Müllerthomas, dem Felix Neureuther, und der liest … aus dem Buch vom Müllerthomas und dann umgekehrt, der Mülllerthomas liest aus dem Bilderbuch vom Neureutherfelix. Und dann wieder der Müllerthomas aus dem Buch vom Müllerthomas. Und so weiter und so fort.

Wie gesagt, der Thomas ist ja ein netter. Und Vorlesen und auch Bücherschreiben nicht sein Hauptberuf. Aber ist denn Leseförderung als prominenter Lesebotschafter und die Vermarktung der eigenen Bücher ein und dasselbe? Und preis- und auszeichnungswürdig? Mit 2.500 Euro, die für einen guten Lerseförderungszweck  eingesetzt werden sollen? Ja, in den Rezensionen zu den Büchern steht immer wieder, dass ein lesefauler Bayer-Fan sich doch ins Buch vertieft hätte. Aber dann tut‘s vielleicht auch die BRAVO-Sport. Naja, komisch ist es irgendwie scho. Mit dem Müllerbazi. Und der Stiftung.

Bildungs-Meinung zur Meinungsbildung (Herbstprogramme mal politisch Teil 2)

Nach den drei Parteien mit Kanzler:innenanspruch folgen jetzt die drei restlichen im Bundestag vertretenen Oppositions-Parteien. Das könnte sich nach der Wahl ändern, zumindest bei anderthalb. Am besten läuft es aktuell für die FDP, die sich nicht noch einmal in die „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“-Sackgasse navigieren wollen wird. Aber fangen wir von links aus bei Bildung und Kultur an.

DIE LINKE (168 Seiten) „Zeit zu handeln! Für soziale Sicherheit, Frieden und Klimagerechtigkeit.“ Bildung? Hat ein eigenes Kapitel mit dem Titel „Gute Bildung: Gerecht, gebührenfrei, ein Leben lang.“ Wichtigster Punkt ist die inklusive Gemeinschaftsschule für alle samt Rechtsanspruch auf inklusive Bildung in der Regelschule. Bei der Sprachförderung geht DIE LINKE sogar so weit und fordert: „Die Herkunftssprache soll bei Prüfungen als erste oder zweite Sprache anerkannt werden.“ Was einen ganzen Rattenschwanz hinter sich herzieht, von den Unterrichtsmaterialien bis zum Sprachvermögen der Lehrkräfte, zu dem aber nichts weiter ausgeführt wird. Gegen die soziale Spaltung setzt DIE LINKE auf einen kostenlosen Laptop für alle Schüler:innen samt Drucker sowie einen kostenfreien Bildungstarif für den heimischen Internetzugang. Außerdem will man irgendwie Medienkompetenz stärken und Wirtschaft und Bundeswehr aus den Schulen verbannen. Lesen? Schreiben? Andere Inhalte? Sind nicht der Rede wert.

Kultur? Bekommt auch ein eigenes Kapitel. „Kultur: Krisenfest, vielfältig und für alle zugänglich.“ Kulturförderung ist eine Pflichtaufgabe für DIE LINKE. Das dafür nötige Geld kommt aus der Vermögensteuer und der Vermögensabgabe. Die Zahl 1.200 Euro als Monatspauschale für Künstler:innen taucht beinahe in gleicher Formulierung wie bei den Grünen auch hier auf. Die Künstlersozialkasse soll für weitere, aber nicht genannte Berufsgruppen geöffnet werden und der Bundeszuschuss soll erhöht werden. Putziger ist die Forderung: „Die Bundeskulturförderung muss insgesamt nachhaltiger, prozesshafter, unbürokratischer und weniger projektorientiert gestaltet werden.“ Wobei sich prozesshafter und unbürokratisch nahezu ausschließen. Auch zwischen der Stärkung der Verhandlungsposition von Urhebern und dem Einsetzen für eine Open Access-Strategie knirscht es gefühlt mindestens genauso.

FDP (68 Seiten) „Nie gab es mehr zu tun.“ Was ja klar, ist, wenn man sich vor der letzten Regierungsbildung gedrückt hat. Da häuft sich halt viel an. Bildung? Steckt schon im ersten Kapitel: „Nie war es notwendiger: Machen wir uns fit für den Aufholwettbewerb!“ unter: „Bildung der Zukunft – Chancen für Aufstieg und Selbstbestimmung“. Da gibt es sogar eine eindrückliche Grafik, die deutlich macht: Deutschland liegt bei den Bildungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt unter dem OECD-Durchschnitt. Die Lösung: „Einen Prozentpunkt des bestehenden Mehrwertsteueraufkommens zusätzlich in Bildung zu investieren.“ Auch die bundeseinheitlichen Abschlussprüfungen gehören zum Forderungskatalog. Schulen sollen „mehr pädagogische, personelle und finanzielle Freiheiten“ bekommen, wobei man sich fragt, ob auch wirklich jede Schulleitung damit umgehen könnte. Ich fürchte nein. Wobei das Handeln bzw. Nicht-Handeln der Schulämter keinesfalls besser ist. Aber die FDP hat noch ein paar zusätzliche crazy Ideen im Köcher: Talentschulen in sozialen Brennpunkten, so eine Art Kinder lernen für Olympia, und experimentelles Lernen in MakerSpaces. Musste ich googeln, das sind Räume mit allerlei digital steuerbarem Firlefanz von Robotern bis 3-D-Druckern, wo man alles mögliche „machen“ kann. Und einen Digitalpakt 2.0 gibt’s obendrauf, weil der erste schon nicht wirklich funktioniert hat.

Kultur? Steckt im Kapitel: „Nie war Modernisierung dringlicher: Modernisieren wir endlich unser Land!“ unter „Kultur“. Auch die FDP stärkt die Kulturförderung und will den Bundeshaushalt für nationale und internationale Kulturförderung erhöhen. Kultur soll außerdem als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen werden. Was den vielen Künstler:innen in der aktuellen Situation erst mal nicht direkt weiterhilft, vorsichtig gesagt. Und dann sollen Urheber:innenrechte irgendwie geschützt, aber im digitalen Zeitalter auch neu gedacht werden. Und noch eine Zahl gibt es: „Wir (…) wollen zehn Prozent des jährlichen Budgets öffentlicher und öffentlich geförderter Kulturorganisationen in kulturelle Bildung investieren.“ Wo und wie genau, dass folgt später. Vielleicht. Wenn man nicht doch falsch regieren muss.

AfD (210 Seiten): „Deutschland. Aber normal.“ Bildung? Kapitel „Bildung, Wissenschaft und Forschung“, in mehreren Absätzen. Bildung erfordert Differenzierung, also ein mehrgliedriges Schulsystem. Und ja, hier steht was zu Lesen und Schreiben: Grundschulen sollen „digitalfreie Räume sein, da sie der Aneignung der grundlegenden
Kulturtechniken Lesen, Rechnen und Schreiben dienen.“ Was genauer betrachtet, kausal rein gar nichts miteinander zu tun hat. Dass die nicht-deutsche Muttersprache sogar als Unterrichtssprache eine Option ist, leitet sich allein aus dem Verweis auf die nahe Rückkehr in die Herkunftsländer ab. Und im Unterricht wird deutsches Kulturgut vermittelt, was immer die AfD darunter genau versteht. Im Blick auf die Universitäten will die AfD eigenmächtig wieder Diplom und Magister einführen. Außerdem muss man Zahnarztgattinnen wieder mit Frau Doktor anreden, auch wenn sie keinen Titel haben. Aber das ist Quatsch und habe ich mir ausgedacht, sage ich lieber sicherheitshalber dazu.

Kultur? Im darauffolgenden Kapitel „Kultur“, auch in mehreren Absätzen. Da tauchen gleich zu Beginn Begriffe wie deutsche Leitkultur, „für unser Volk identitätsbildend“ usw. auf, und die deutsche Sprache soll als Staatssprache im Grundgesetz verankert werden. Sie ist selbstredend Lehr- und Wissenschaftssprache und gendern wird strikt abgelehnt. Kulturpolitische Aktivitäten des Bundes sollen begrenzt werden, Kultur ist Ländersache. Und schon sind wir bei „Brauchtum und Gedenken“, auch eine besondere Kombination, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Dem Leid der Vertriebenen wird ebenso Rechnung getragen wie den Errungenschaften des Kaiserreichs, von denen wir „noch heute zehren“, insbesondere die AfD. Eine Zeit die dem „normal“ im Programmtitel sicherlich näher kommt als die Gegenwart.

In Teil 1 habe ich die Programme der Parteien angeschaut, die eine Kanzler:in ins Rennen schicken.

Bildungs-Meinung zur Meinungsbildung (Herbstprogramme mal politisch Teil 1)

Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Höchste Zeit, die Aussagen und Ideen rund um Bildung und Kultur mal genauer zu prüfen. Denn neben unziemlichem Lachen (Laschet), Lebenslauftricksereien (Baerbock) und – wer war noch mal dieser charismatische Volkstribun? – (ach so, Scholz) geht es in der öffentlichen Wahrnehmung ja vor allem um Windparks, weiter so und Gendersternchen. Und nicht um Bildung und Kultur. Oder sind diese Themen in den Wahlprogrammen doch wichtig? Weil einer ja die Drecksarbeit machen und nachsehen muss, also los.

CDU (140 Seiten) „Das Programm für Stabilität und Erneuerung. Gemeinsam für ein modernes Deutschland.“ Bildung? Kommt so direkt benannt nicht vor, am ehesten vielleicht in Kapitel 6 „Neues Aufstiegsversprechen – für Deutschland als Chancen- und Familienland“ unter 6.3.: „Aufstieg durch Bildung“. Stimmt, hier ist was. Was die CDU will? Ganz viel sprachliche Bildung fördern, also den Erwerb der deutschen Sprache. Von Lesen und Schreiben lernen und können steht da nichts. Wer’s nicht gut kann, der wird durch das längst beschlossene Unterstützungspaket aufgefangen. Dadurch bekommen die Kinder „ihre Lese- und Sprachkompetenz als auch ihre Lesefreude“ gestärkt, na klar. Viel wichtiger ist der CDU „Neben den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen benötigen die Schülerinnen und Schüler digitale Kompetenzen.“ Au ja. Aber sollten sie dazu nicht erst mal die erstgenannten Kulturtechniken beherrschen?

Kultur? Ist im letzte Kapitel 10 „Neue Lebensqualitäten in Stadt und Land – aus Liebe zu unserer Heimat“, als Kapitel 10.5.: „Deutschland als Kulturnation“ untergekommen. „Das Programm „Neustart Kultur“ wird für alle Sparten und Akteure fortgesetzt.“ heißt es. Und kurz danach: „Die deutsche Sprache ist ein besonders wichtiger Teil unserer Identität. Wir wollen sie weiterhin fördern und wertschätzen, als Kultur-, Amts- und Umgangssprache.“ Genau, wertschätzen. Ist ja wie im Job, wenn der Chef einen statt mit Gehalt mit einem jovialen Schlag auf die Schulter wertschätzt. Und im nächsten Punkt heißt es noch: „Wir stehen für die Pflege und den Erhalt alter Bräuche, Trachten und Volkstänze sowie heimatlichen Liedguts.“ Genauso ein Lulli: Für etwas stehen. Kostet nachher keinen Cent, wäre ihr daber dann doch vielleicht zu peinlich, Heino steuerlich absetzbar zu machen.

SPD (66 Seiten) „Aus Respekt vor deiner Zukunft. Das Zukunftsprogramm der SPD.“ Bildung? Hat es leider nicht in eine der vier Zukunftsmissionen zu Beginn geschafft, sondern ist vermutlich unter Kapitel 3.0 zu finden: „Eine Gesellschaft des Respekts“, vermeintlich in Kapitel 3.7. „Gut aufwachsen.“

Ja, da ist es versteckt. Wie man unter einer SPD-geführten Regierung gut aufwächst? Mit mehr Familienzeit, mehr Kinderkrankentagen und Familienpflegezeit sowie einer Kindergrundsicherung wie beitragsfreie Kitas, Ganztagesschulangebote, freie Fahrt in Bus und Bahn. Und dazu kommt „die Bundesinitiative Chancengleichheit in der Bildung. Durch ein Bundesprogramm für Schulsozialarbeit werden den Kommunen Mittel zur Förderung von Chancenhelfern an jeder Schule bereitgestellt.“ Das hat ja schon bei den Integrationshelfern allerhöchstens so ein bisschen geklappt. Undist das dann ein Ausbildungsberuf? Chancenhelfer? Ich kenne ja nur den Chancentod, aber das ist ein anderes Thema. Zu Bildung allgemein ist da nichts gesagt, zum Lesen und Schreiben auch nicht. Vielleicht doch in einem anderen Kapitel? Ich habe durchgeblättert, nein, leider nicht, mehr Bildung und noch mehr Bildungsziele gibt es bei der SPD nicht, jedenfalls nicht im Wahlprogramm.

Kultur? Unter 3.11 „Kultur fördern“ zu finden. „Zur besseren sozialen Sicherung von freischaffenden Künstler*innen werden wir Mindestgagen und Ausstellungshonorare fest etablieren.“ Also Mindestlohn für Kleinkünstler. Hier wäre eine Zahl durchaus hilfreich gewesen, um sich den Künstlermindestlohn besser vorstellen zu können. Dafür gibt es wenigsten andernorts eine Aussage: „Teilhabe an Kunst und Kultur ist ein Schlüssel zu Selbstbewusstsein, Persönlichkeitsentwicklung, Bildung und Integration. Wir werden sie auch durch Programme wie „Kultur macht stark“ nachhaltig als Teil schulischer und außerschulischer Bildung sichern.“ Wobei das Politschwurbeldeutsch hinter „sichern“ auch wieder nur ein schwammiges „es geht dann irgendwie weiter“ nach 2022 steckt, so lang läuft das Förderprogramm eh. Das dringend die wirren Förderanträge als Bürokratiemonster zu hinterfragen sind, an dieser Stelle geschenkt. Das es seit 1963 neben diesem Förderprogramm die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) gibt und die viele der Inhalte längst umsetzt, aber auch an der langen und sehr, sehr hageren Hand der öffentlichen Förderung hängt, dazu kein Wort. Und nicht mehr Geld. Schade.

Grüne (272 Seiten): „Deutschland. Alles ist drin.“ Bildung: Kapitel 4 „Bildung und Forschung ermöglichen“, Im Absatz „Wir fördern gute Bildung von Anfang an“.

Bildung? Hier findet man die Bildung wenigstens auf Anhieb. Aber auch die Grünen haben es mit Lesen und Schreiben nicht so. Chancengleichheit ist aber auch hier Thema, und die darf gerne mal in der Muttersprache gefördert werden. „Dazu gehört es, systematische Vorsorgearbeit zu leisten, Lernrückstände zu schließen und deutsche wie auch muttersprachliche Sprachfertigkeiten zu fördern. Mehrsprachigkeit sollte als Reichtum begriffen werden und nicht als Defizit.“ Dafür ist die Digitalisierung ganz wichtig, „mit einer zeitgemäßen, datenschutzfreundlichen digitalen Ausstattung und mit Strukturen, die die Schulen beim digitalen Lehren und Lernen wirkungsvoll unterstützen.“ Wofür ja der Digitalpakt gedacht war, wenn er denn funktionieren würde. Aber die Grünen sind noch schlauer, sie haben erkannt, dass es „Für notwendige Maßnahmen (…) eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Länder.“ braucht, was ja insofern wieder blöd ist, als wir eine Bundestagswahl haben und die am Ende egal in welcher Zusammensetzung gar nichts mit der finanziellen Ausstattung der Länder zu tun hat und schon gar nichts mit den jeweiligen Budgets der Kultusministerien. Verdammt.

Kultur? Kapitel 5 „Zusammenleben“, im Absatz „Wir fördern die Kultur, die Künste und den Sport“. So, jetzt aber wirklich mal eine Aussage, auf deren Umsetzung man später drängen könnte, oder?: „Solo-Selbständige und Kulturschaffende sollen für die Zeit der Corona-Krise mit einem Existenzgeld von 1.200 Euro im Monat abgesichert werden.“ Wobei das „sollen“ schon sehr nach Verhandlungsmasse für Koalitionsgespräche klingt. Aber auch die Urheber*innen kommen in einem langen Absartz vor: „Es muss sichergestellt werden, dass Urheber*innen für ihre Werke eine angemessene Vergütung erhalten. Eine angemessene Beteiligung, insbesondere an den Gewinnen der Vertriebsplattformen, sorgt dafür, dass Kultur- und Medienschaffende weiter an ihren Werken verdienen können. Nutzer*innen sollen bei digitalen Inhalten bei der Ausleihe und Weiterveräußerung nicht schlechter-gestellt werden als bei analogen Gütern. Aus diesem Grund sollen Bibliotheken unter denselben Bedingungen E-Books verleihen dürfen, die sich für physische Bücher bewährt haben, ohne dafür Lizenzverträge abschließen zu müssen.“ Ja, da haben die Grünen was vor, was zeitgemäß wäre, aber schwer umzusetzen. Aber es stellt eine deutliche Verbesserung der Urheber-Situation dar, und die Grünen haben sehen sie wenigstens.

In Teil 2 dann die Parteien, die auch noch im Bundestag vertreten sind, aber geringe bis keine Chancen auf eine Kanzlerschaft haben.

Kinder lesen doch total viel, oder?

Gute Nachrichten nimmt man mit Handkuss. Wie die Ergebnisse des Kinder Medien Monitors 2021. Denn trotz oder gerade wegen Corona und Homeschooling sind Kinderzeitschriften echte Gewinnertypen. Die verkauften Auflagen sind gestiegen (das zeigen auch die bereinigten und sehr verlässlichen IVW-Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.), das Zeitschriftenlesen ist beliebt und wird von den Eltern auch gern gesehen. Also alles gut, oder?

Für die kleinen Konsumknirpse bestimmt. War es auch in den vergangenen Jahren schon. Denn Kinderzeitschriften funktionieren. Insbesondere, wenn sie sich an bekannte Marken aus Kinderzimmer und Fernsehen anhängen. ABER. Die Auflagen sind bei Weitem nicht furchteinflößend. Zur Erinnerung: 1991 verkaufte sich Micky Maus noch 650.000 mal. Die heutige verkaufte Auflage liegt bei 76.772 (1. Quartal 2021 lt. IVW). GEOlino hatte 2001 rund 170.00 Abonnenten, heute sind es noch 96.864, immerhin. Das erfolgreichste Kindermagazin 2021 heißt LEGO NINJAGO. Eine Ninja-Kämpfer-Welt aus LEGO-Klötzchen, im Heft umgesetzt in „actiongeladenen Comicstories, mit jeder Menge Hintergrundinfos, kniffligen Rätseln und interaktiven Gewinnspielen“, fertig ist das Ding für schlappe 4,99 €. Die verkaufte Auflage von 169.157 Exemplaren reicht locker für den Spitzenplatz aus. Ergänzt wird die Ninja-Welt noch durch Card Game Serien, Sticker und Sonderausgaben. Und auf LEGO kann man echt bauen. Auf Platz vier liegt LEGO NINJAGO LEGACY, gefolgt von LEGO CITY und auf Platz acht von LEGO STAR WARS. Dazwischen platzieren sich unter anderem das Prinzessin Lillifee-Magazin und das Lustige Taschenbuch.

In der gesamten Top 50- Liste gibt es außer Marken und Tieren nur noch GEOlino, GEOlino mini und Dein SPIEGEL sowie mit selbsterhobenen Zahlen und damit ungeprüft ZEIT Leo. Der Rest sind zusammengeschustertes Umfeld für Werbeanzeigen der jeweiligen Marken, dass sich ziemlich deckungsgleich nach dem Rezept Comic, Hintergrundinfo, Rätsel und Gewinnspiel aufbauen lässt. Ob mit Ninjas, Pferden, der Maus oder Peppa Pig – einerlei, zu jeder Figur lassen sich wunderbar In-Magazin-Käufe andocken, und statt lesen heißt es stattdessen „Darf ich den neuen Ultraschall-Raider?“ (für 84,99 €) oder „Kaufst du mir das neue BIG-BLOXX Peppa Pig Haus?“ (für 49,99 €)

27 der unter den Top 49 gelisteten Titel stammen im Übrigen von Blue Ocean, dem unangefochtenen Marktführer für Kiosk-Kinderzeitschriften. Wie aus dem Baukasten können da nach Bedarf und in Windeseile zu jedem neuen Charakter Magazine auf den Markt geworfen und nach Abflauen der medialen Aufmerksamkeit wieder eingestellt werden.

Das ist nur die eine Erkenntnis. Die andere bezieht sich auf den oberen Rand der untersuchten Altersgruppe. „Zwischen zehn und elf Jahren sind Kinder in der digitalen Welt angekommen. Das zeigt sich gleichermaßen an Interesse, Nutzungsverhalten & Freizeitgestaltung der Kinder und am Vertrauen der Eltern und den Freiräumen, die sie ihren Kindern geben.“ Will heißen: Ab jetzt werden die Abos gekündigt und die Zeitschriften verlieren an Bedeutung – auch wenn das im Kinder Medien Monitor so nicht steht. Bei den Jugendzeitschiften angekommen wird die Leselust dann ganz dünn: Eine BRAVO dümpelt heute bei monatlicher Erscheinungsweise bei 82.318 verkauften Exemplaren dahin, die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 91,5 Prozent gesunken. Das gleiche gilt auch für die BRAVO SPORT mit einem Minus von 84,9 Prozent seit 1998 und die BRAVO GIRL mit einem Verlust von 92,3 Prozent seit 1998. Und die IVW-Liste der Jugendzeitschiften sieht aus wie ein Mahnmal für Gefallene: hinter 90 Prozent der Titel steht der Hinweis: „passiv“, heißt nicht mehr gemeldet, heißt eingestellt. So ist das mit den vermeintlich guten Nachrichten.

Kinderbuchpolitik extended

Ungarn schon wieder: Wir erinnern uns, als das LGBT-Kinderbuch Märchenland für alle im kleinen Verlag des ungarischen Lesbenverbandes Labrisz erschien und die aufgebrachte Regierungspartei „Homo-Propaganda“ schrie, getoppt von der Forderung von Ministerpräsident Victor Orban: „Lasst unsere Kinder in Ruhe!“

Statt zu einer Diskussion im Land führte dieser vermeintliche Skandal direkt zu politischem Durchgreifen. Kann man halt mal machen, wenn man wie Orban sein Land despotisch führt. Seit dem 8. Juli ist das mal eben auf den Weg gebrachte Gesetz zur Beschränkung der Information über Homo- und Transsexualität in Kraft. Es verbietet unter anderem, sich in der Werbung mit Homo- und Transsexuellen solidarisch zu erklären oder die Themen in Aufklärungsbüchern, in der Schule und überhaupt zu behandeln – de facto verboten also in allem, was sich an Kinder und Jugendliche richtet.

Apropos Werbung: In unserem deutschen Glashaus sollten wir ja nicht zu sehr mit Steinen jonglieren. Wir haben ja den § 219a StGB, der „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ unter Strafe stellt. Und Praxen verbietet, mehr zu sagen als dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Mehrmals musste schon vor Gericht geklärt werden, wie und was unter Werbung im Sinne des Gesetzes zu verstehen ist. Aber ich will nicht ablenken.

Quasi als Auftakt zur Gesetzeseinführung in Ungarn ging die Meldung durch die nicht-ungarische Presse, dass eine Buchhandlung ein Kinderbuch über eine Regenbogenfamilie bzw. zwei Mütter nicht mit einem Warnhinweis für Eltern versehen hatte und deshalb zu einer Strafzahlung von 700 Euro verdonnert wurde. Angezeigt wurde sie durch das regionale Regierungsamt. Das hatte festgestellt, dass das Buch eben nicht „traditionelle Geschlechterrollen“ beinhalte. Das gehöre mit einem Warnhinweis sichtbar gemacht. Hat die Buchhandlung aber nicht. Deshalb verstoße sie gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, sagt das Regierungsamt. Das heißt, ein Buch, das nicht den Werten der Verfassung entspreche, ist unlauter und zu kennzeichnen. Und nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes eh verboten. Oder nur noch unter dem Ladentisch erhältlich. Aha.

Kleiner Exkurs. Es gibt im Konstrukt der Europäischen Union Grundwerte. Ja, gibt es. Die wurden 2009 im Vertrag von Lissabon im Artikel 2 festgelegt. Als da sind „Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskiminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität, und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet.“ Gefühlt gehandhabt eher so wie eine grobe Richtlinie, die man mal gehört haben sollte, aber zu nichts verpflichtet.

Aber im Falle der Gesetzgebung in Ungarn heißt das, dass die Rechte der Personen, die einer Minderheit angehören und ein Kinderbuch darüber schreiben, nicht mehr existieren. Ein Buch wie Der Katze ist es ganz egal von Franz Orghandl oder Nicht so das Bilderbuchmädchen von Agnes Ofner oder Papierklavier von Elisabeth Steinkellner wird nicht in Ungarn erscheinen dürfen. Keine Lizenzverkäufe für Verlage und damit Einnahmen für die Autor:innen. Wie man das nennt? Zensur. Nicht anders. Da kann Victor Orban noch so lange auf ein paar flatternde Regenbogenfahnen (die definitiv nicht er aufgehängt hat) in Budapest verweisen und sich als toleranter Landesvater geben.

Der zweite Punkt in den EU-Grundwerten heißt unmissverständlich Freiheit. Wenn sie jemand dermaßen einschränkt und mit Füßen tritt, dann sollten wir sie uns nehmen. Und das Geld umlenken. Die 5,1 Milliarden (2019), die Ungarn als Nettoempfänger aus der EU erhält, wären in Leseförderungsprojekte in den übrigen EU-Ländern gut und sinnvoll angelegt. Denk mal drüber nach, EU. Du nicht Orban. Da ist Hopfen und Malz verloren.

Geld verbrennen leicht gemacht

Books on Demand oder Neobooks von Droemer Knaur machen es heute jederfrau und jedermann möglich, schnell und preiswert ein Buch zu veröffentlichen, als E-Book oder digital geedruckt. Trotzdem gibt es sie noch, die kleinen Gelddruckmaschinen auf Kosten blauäugiger Menschen: Die Druckkostenzuschussverlage. Sie suchen weiterhin permanent neue Autor:innen oder sind der „Verlag für Neuautoren“. Und leben ziemlich gut davon, trotz oder gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung. Das Geschäftsmodell hat sich bewährt. Du hast ein Buch geschrieben und glaubst – oder hast erfahren müssen – dass ein Publikumsverlag dein Manuskript nicht annehmen will, und suchst nach einer alternativen Veröffentlichungsmöglichkeit? Jetzt kommen wir ins Spiel: Huhu, hier sind wir! Wir betreuen dich ganz persönlich, versprechen dir viel, tun so als, wäre alles transparent und schwupps, ist dein vermeintlich weltweit vertriebenes Buch auf dem besten Weg in die Bestenliste, samt ISBN-Nummer und EAN-Code. Das selbstverständlich vor Veröffentlichung geprüft wird, heißt es. In Wahrheit weit weniger als deine Bonität.

Was steht eigentlich in einem solchen Verlagsvertrag? Viel Verlagskauderwelsch, was gehörig Eindruck macht, wenn es dein allererster Vertrag ist. Denn wir sprechen hier in der Regel von, nicht abfällig gemeint!, Amateur-Autor:innen. Nachwuchs halt. Die vieles in Kauf nehmen oder kaum abschätzen können und wollen, was jeder einzelne Punkt bedeutet, weil das fertige Buch – ätsch, ihr Bestseller-Verhinderungs-Lektor:innen in den „klassischen“ Verlagen! – schon in kurzer Zeit winkt.

Die Verlags-Anwält:innen haben jedenfalls ganze Arbeit geleistet und jeden einzelnen Passus so formuliert und geprüft, dass jede noch so große Frechheit juristisch schwer anfechtbar ist. Beispiel gefällig? Einer der Verlage bietet drei Varianten an, die Veröffentlichung im Softcover ist die mittlere, die sogenannte Pro-Version. Dein Buch mit 144 Seiten kostet dich darin schlappe 5.500 Euro. Ist das also der Druckkostenzuschuss? Von wegen. In dem mir vorliegenden Vertrag ist gar keine Mindestdruckauflage definiert wie früher, als arglose Autor:innen dann per Gabelstapler eine wohnzimmerschrankgroße Palette für den Eigenvertrieb nach Hause geliefert bekamen. Für den genannten Betrag bekommt die Autor:in 5 Belegexemplare, jedes weitere bestellbar mit einem Rabatt von 30 % auf den Verkaufspreis. Das heißt, jedes meiner 5 Exemplare hat mich 1.100 Euro gekostet. Wow! Ach ja, nur die fünf zu drucken kostet den Verlag 125 Euro – mal so im Verlgeich. Und was druckt der Verlag sonst noch? Er verspricht jedenfalls „Nach dem Druck werden die Bücher in unserer Datenbank erfasst und auf unterschiedliche Lager im Verlag und bei Großhändlern aufgeteilt.“ Das klingt nach enorm viel, wenn ein Lager allein für die unzähligen Bücher nicht ausreicht. Pustekuchen. Eine Nebelkerze. Denn es muss schlichtweg und verbindlich gar nichts gedruckt werden, bis auf die paar Pflichtexemplare für die National- bzw. Landesbibliotheken. Weil? Ausschließlich Bestellungen angenommen und nach 4 Arbeitstagen geliefert werden, an Buchhandlungen, Bibliotheken, als Rezensionsexemplare an Journalist:innen usw. Alles kein Problem mit der heutigen Digitaltechnik, die on demand zu drucken und kein einziges zu lagern. So, wie eben auch BoD arbeitet.

Aber es geht noch teurer. Erscheinen dir die vorgeschlagenen 16,90 Euro als Verkaufspreis doch zu hoch, darfst du die um 4 Euro reduzieren. Kostet aber schlappe 695,- Euro, um den möglichen Verdienstausfall des Verlages zu kompensieren. Du möchtest lieber ein anderes Buchformat? Ist auch möglich, kostet aber ebenfalls 695,- Euro und erhöht gleichzeitig den Verkaufspreis um 2 Euro. Realistisch? Nicht die Bohne. Draußen in der echten Welt kostet der Druck bei kleinen Formatunterschieden das gleiche und im Satz auch nichts extra, wenn das Buch von vornherein aufs Sonderformat angelegt ist. Müsste man halt wissen.

Aber es wird auch gleich die Chance eröffnet, sein investiertes Geld zurückzubekommen. Denn werden über den Onlineshop des Verlages – und auch nur dort – 750 Exemplare verkauft, greift die sogenannte Rückzahlungsgarantie. In Zahlen: Der Verlag hat bis dahin 11.925 Euro eingenommen, gibt die von dir investierten 5.500 Euro zurück und hat immer noch satte 6.425 Euro Einnahmen. Okay, es ist etwas weniger. Denn die vertraglich vereinbarte Beteiligung von 25 Prozent am Verkaufspreis greift schon ab dem 501sten Exemplar. Dann so gerechnet: 7.950 Euro gehen komplett an den Verlag, bevor er ein Viertel von den übrigen 3.875 Euro abgibt. Läuft. Aber ausschließlich für den Verlag.

Und Marketing? Im Preis inbegriffen ist die einmalige Präsentation auf den Buchmessen in Frankreich, Leipzig und Wien. An einem dieser schon weithin als Druckkostenzuschussverlagsstand erkennbaren Buchresterampen mit einen Sofa in der Mitte, wo sich die Verlagsautor:innen gegenseitig aus ihren Büchern vorlesen. Und ein Pressetext.

So ist das also. Wer unbedingt ein Buch will, der muss zahlen. Immer noch. Auszahlen tut sich das in der Regel nur für einen: Den Verlag.

Wer lässt sich da wohl einen Bären aufstecken?

Erinnert sich noch einer an LeYo? Das war die Idee von Carlsen, Augmented Reality am Handy und gedruckte Kinderbücher zusammenzubringen. Oder Superbuch fürs Bilderbuch. Gleiche Idee, gleichsam verschwunden. Gehalten und zu echten Umsatzbringern entwickelt haben sich dagegen digitale auditive Hilfsmittel wie die Lesestifte TipToi und BOOKii. Auch megaerfolgreich sind die Soundboxen wie die von Tonie oder die Tigerbox, die ohne Buch, aber als kindgerechte Hörbuchbibliothek funktionieren (andere und unbekanntere Alternativen wie Jooki, das eine Spotify-Integration besitzt, oder das aus Holz gefräste Kofferradio wie Hörbert – Haha! – mal außen vorgelassen).

Im September startet Ravensburger etwas Neues. SAMi heißt das, oder besser gesagt er. Denn SAMi ist der Lesebär. Was er ist und wie er funktioniert? SAMi ist ein Eisbär auf einer kleinen Scholle. Ihm ist natürlich kalt, deshalb trägt er eine gelbe Mütze ­– vielleicht arbeitet er ja in den Vorlesepausen als DHL-Kurier – und einen dunklen Schal und hat eine Tasse zwischen seinen Tatzen. Ob das Gelbe an seinen Hintertatzen Gummistiefel sind oder Strümpfe, ist nicht ganz eindeutig, aber auch nicht wichtig. Sieht auch so aus, als hätte er Knieprobleme, mit dem seltsam angewinkelten Bein. Vielleicht ist es auch eingeschlafen, wer weiß. Seine Scholle wird oben auf die letzte Umschlagseite der speziellen SAMi-Bücher gesteckt, und über Marker auf den Buchseiten oder eine ähnliche Technologie erkennt SAMi, auf welche Seite er gerade schauen würde im Buch, wenn er  denn sehen könnte. Dann liest er den Text, der auf der Seite steht, aus seiner vorher geladenen und gespeicherten Datei vor. Es passen ungefähr 200 Texte in SAMis Langzeitdateien-Gedächtnis. Wird umgeblättert, liest SAMi die nächste Seite. Geladen werden Inhalte und der Akku über USB-Kabel. Und wenn das laute Vorgelese die Eltern nervt, gibt es auch einen Kopfhöreranschluss. Geeignet ist das Tierchen für Kinder ab 3 Jahren.

Die vermögenderen unter den 32 Prozent der Eltern in Deutschland, die ihren Kindern selten oder nie vorlesen, dürfen also wieder ihre Kreditkarte zücken. Nach den 74,99 € für die Tonie-Box und den TipToi-Stift für 32,99 € (ohne Buch) wartet jetzt der Eisbär für 69,99 € auf sie – mit einem Buch. Ein gutes Geschäft, aber es müssen ja auch Influencer Marketing, die Kooperation mit Toggo und die Displays für den Point of Sales, vor allem aber der SAMi-Song gegenfinanziert werden. Denn „Ich bin SAMi, SAMi dein Lesebär. Rate mal wo kommt das nächste Abenteuer her? Lassen wir es krachen, machen ganz verrückte Sachen, egal was wir heut lesen, es wird spannend und wir lachen.“ Und wenn es nur das Lachen des CFO von Ravensburger ist, wenn sich der Eisbär gut verkauft und damit das AG-Ergebnis verbessert.

Den mühsamen Kampf um die noch vorlesenden Eltern, Großeltern, Geschwister stützt das natürlich nicht, sondern das ist absolute Vorlese-Convenience. Auch wenn Ravensburger das nur als nützliche Alternative für die Zeiten sieht, wenn die anderen zum Vorlesen mal nicht greifbar sind. Es steht ja nicht zu erwarten, dass die nächste Vorlese-Studie nachweist, wie sehr unzählige Eltern ermattet durch tagelanges Vorlesen in Lockdown-Zeiten nach Entlastung suchen und endlich bei Eisbär & Co. für temporären Einsatz fündig werden. Aber gut, es ist ein neues Produkt, und bei Hot oder Schrott: Die Allestester auf VOX wird sich SAMi wohl beweisen müssen, ob er was drauf hat. Erfolgschancen? Bei Eltern, die den einfachen Schluß ziehen: Je teurer, desto besser für mein Kind, garantiert. Er ist ja auch einfach süüüüüüüüß.