10 Gedanken zum neuen Roman von Gabi Kreslehner

PaulaPaulTom1. Warum erscheint eigentlich das neue Jugendbuch PaulaPaulTom ans Meer nicht bei Beltz & Gelberg, wie ihre bisherigen Jugendbücher, sondern bei Tyrolia?

2. Ist Beltz & Gelberg nicht als sogenannter Autorenverlag bekannt?

3. Warum hat Gabi Kreslehner trotzdem mit dem zum Einreichungszeitpunkt dann unveröffentlichten Manuskript zu PaulaPaulTom ans Meer schon zum dritten Mal den hoch dotierten Kinder- und Jugendliteraturpreis des Landes Steiermark gewonnen?

4. Wieso findet eine Autorin wie Gabi Kreslehner (ausgezeichnet mit einer Fülle literarischer Auszeichnungen, der Verfilmung ihres ersten Jugendromans usw.) daraufhin nicht im Handumdrehen einen anderen Verlag?

5. Weshalb sind die Verlage, die einen gewissen literarischen Anspruch vor sich her tragen, so äußerst zögerlich in der Entscheidungsfindung und fadenscheinig in ihren Begründungen, warum dieses Buch/diese Autorin gerade im Moment nicht sooooo gut ins Programm passt?

6. Und weshalb kaufen sie andererseits lieber wieder Buch um Buch aus dem angloamerikanischen Buchmarkt, ganz risikofrei, schon lektoriert und damit inhaltlich und sprachlich weitestgehend unantastbar (und austauschbar)?

7. Und das, obwohl gerade die Texte von Gabi Kreslehner eine ganz eigene literarische  Stimme haben, die man unter den meisten anderen Veröffentlichungen schon nach wenigen Zeilen heraushört? Positiv heraushört?

8. Das alles, wo doch die meisten Verlage ständig wehklagen darüber, dass es zu wenige deutschsprachige Autorinnen und Autoren gäbe, die originell und eigenständig schreiben und Geschichten erzählen könnten.

9. Und sich Lektorate immer öfter davor drücken, voller Überzeugung und mit etwas längerem Atem mit deutschsprachigen Autorinnen und Autoren den Markterfolg zu suchen.

10. Glücklicherweise gibt es noch die kleineren Verlage, die sich trauen, solche Bücher zu machen, weil sie gemacht werden müssen. Gegen das graue Einerlei. Wie Tyrolia.

Ein Gedankenexperiment reloaded

DJLP2016_Plakat_www_567x808Die Diskussion um den Anteil deutschsprachiger Titel beim Deutschen Jugendliteraturpreis ist noch immer nicht versiegt – sieht man sich die in Leipzig präsentierte Auswahlliste an. Auch diesmal versuche ich, sämtliche auf der aktuellen Liste vertretenen Lizenztitel durch Originale zu ersetzen. wie diese Auswahl aussehe, bitteschön. Ob besser oder schlechter, darf nun jeder für sich entscheiden.

Meine Nominierungen (die nominierten deutschsprachigen Titel der Kritikerjury habe ich kursiv übernommen, auch wenn es nicht immer meine Wahl gewesen wäre):

Sparte Bilderbuch
Kathrin Schärer: Der Tod auf dem Apfelbaum. (Atlantis)



Matthias Jeschke/Maja Bohn: Was meine Eltern von mir lernen können! (Hinstorff)

Anja Mikolajetz: Das Herz des Affen (Aladin) 


Lorenz Pauli/Miria Zedelius: Pass auf mich auf. (Atlantis) 


Antje Damm: Der Besuch (Moritz)



Kai Lüftner/Eva Muszynski: Der Gewitter-Ritter – Ein Wut-und Wetter-Bilderbuch. (Klett)

Sparte Kinderbuch

Uwe-Michael Gutzschhahn (Hrsg.)/Sabine Wilharm: Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her. Das dicke Buch vom Nonsens-Reim (cbj) 


Antje Damm: Kleines Afrika. Tulipan



Christian Duda/Julia Friese: Elke. Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen. (Beltz & Gelberg)



Stefanie Höfler/Franziska Walther: Mein Sommer mit Mucks (Beltz & Gelberg)



Oliver Scherz: Keiner hält Don Carlo auf. (Thienemann)


Sparte Jugendbuch:

Bov Bjerg: Auerhaus (Blumenbar)

Sandra Weihs: Das grenzenlose Und. (Frankfurter Verlagsanstalt)



Elisabeth Steinkellner: Rabensommer. (Beltz & Gelberg) 



Kirsten Fuchs: Mädchenmeute (Rowohlt Rotfuchs) 


Florian Wacker: Dahlenberger. (Jacoby & Stuart)

Cornelia Travincek: Junge Hunde. (DVA)

Sparte Sachbuch

Chris Köver/Daniele Burger/Sonja Eismann: Hack’s selbst! Digitales Do it yourself für Mädchen. (Beltz & Gelberg)

Maren Gottschalk: Andy Warhol. (Beltz & Gelberg) 


Jane Baer-Krause/Jan von Holleben: Wie heißt Gott eigentlich mit Nachnamen? Kinderfragen zu fünf Weltreligionen (Gabriel)


Britta Teckentrup: Alle Wetter (Jacoby & Stuart) 


Julia Balogh/Birgit Murke (Hrsg.): Geteilte Ansichten – Jugendliche stellen Fragen zur Deutschen Einheit (Ueberreuter Verlag)



Kristina Gehrmann: Im Eisland. Band 1: Die Franklin-Expedition (Hinstorff) 


Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia. Die Geschichte von Samia Yusuf Omar (Carlsen)

Nachschlag März 2016: Das kleine Bisschen

Bildschirmfoto 2016-03-16 um 23.48.21Preisfrage: Wer ist die deutsche Autorin, die mit einer Reihe fantastischer Erzählungen für Kinder international megaerfolgreich und, um die Verfilmung ihres Stoffes in Hollywood voranzutreiben, in die USA gezogen ist? Klar, das kann ja nur Cornelia Fu… – ist es aber nicht. Denn viele Jahre vor ihr gab’s genau diesen Werdegang schon einmal: Bücher, Filmoption, Hollywood, leben in den USA, das war und ist, genau, die Geschichte von Angela Sommer-Bodenburg.

Als der erste Band des Kleinen Vampirs mit Menschenkind Anton und den Vampiren Rüdiger und Anna 1979 erschien, war nicht abzusehen, dass daraus einmal unter anderem 20 Bände, allein in Deutschland über 3,5 Millionen verkaufte Bücher, Übersetzungen in 30 Sprachen, zwei TV-Serien und ein internationaler Spielfilm werden würde. Angela Sommer-Bodenburg hat damit den Boden bereitet für die vielen Vampir-trifft-Mensch-Geschichten im Kinderbuch. Profitiert hat ihre Reihe in späteren Jahren davon kaum.

1992 ging sie in die USA, um in Los Angeles aus dem kleinen Beißer einen großen Hollywood-Film zu machen. Sie ist geblieben, und die Hoffnung auf einen Film mit ihr. Der kam nach zähen Verhandlungen im Jahr 2000 in die Kinos, als Deutsch/Niederländisch/
Amerikanische-Koproduktion unter der Regie von Uli Edel. Großes und erinnerungswürdiges Kino war das nicht, und der Durchbruch in den USA auch nicht. In ihrer Wahlheimat wird sie heute eher als Malerin denn als Autorin wahrgenommen.

Warum? Weil es immer schwierig war, Anspruch und Wirklichkeit zusammenzubringen. Denn der kleine Vampir war nach acht Bände, im Jahr 1988, zum ersten Mal leidlich auserzählt. Es gab Streit mit der Illustratorin Amelie Glienke, Unzufriedenheit mit dem Hausverlag Rowohlt und den Wechsel zu C. Bertelsmann, wo die Reihe unter dem Titel Anton und der kleine Vampir mit acht weiteren Bänden und anderen Illustrationen fortgeführt wurde. Es lief dort nicht wie erhofft, und ab 2001 erschienen neue Bände wieder bei Rowohlt, samt Neuausgaben der C. Bertelsmann-Bücher, alle neu illustriert von Amelie Glienke. Mit großen Erwartungen, aber nur mäßigem kommerziellen Erfolg. Mit Der kleine Vampir und die letzte Verwandlung erschien 2008 der Abschlussband, dachte man. „Für mich ist die Serie Der Kleine Vampir mit dem 20. Band beendet.“ sagte sie selbst in einem Interview auf der Frankfurter Buchmesse des gleichen Jahres.

Und jetzt das. Band 21. Der kleine Vampir und die Frage aller Fragen. Und die lautet an Angela Sommer-Bodenburg: Warum nur? Immer wieder hat sie in Interviews darüber geklagt, dass man ihr als Autorin nicht mehr zutraut als nur Anton und Rüdiger. Und Geisterkram. Um doch noch ein weiteres Mal diese Einschätzung zu bekräftigen. Das kann nicht gutgehen. Immerhin 37 Jahre liegen zwischen Band 1 und Band 21 – das ist mehr als eine Generation Leserinnen und Lesern. Und bei welcher Buchreihe war nochmal der 21. Band der absolute Höhepunkt? Die Überraschung? Das Highlight? Vielleicht fällt’s mir ja noch ein.

Die Frage aller Fragen ist es jedenfalls nicht. Die Geschichte wirkt zahnlos, vorhersehbar, gewollt, und das auf 240 ermüdenden Seiten, die alles andere sind als ein spannendes Wiedersehen. Anna kichert permanent, Anton widerholt als Beweis seiner Unbedarftheit Fragen gerne wörtlich, auf sämtlichen Seiten riecht es nach Rosen, Moder und einem ganzen Gewürzkarussell. Die Frage aller Fragen stellt Anna übrigens schon auf den ersten Seiten. Und die Antwort Antons scheint mondscheinklar. Der Kleine Vampir, das ist ein Buch für Nostalgiker. Und Sammler der Reihe. Ein frisches, spannendes, lesenswertes Kinderbuch ist es leider nicht.

Nachschlag Februar 2016: Unnützel.

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 23.59.28Nikolaus Nützel ist Journalist. Und Nikolaus Nützel ist Sachbuchautor, weil er schwierige Dinge wie die Wirtschaft oder die Sprache bildhaft und nachvollziehbar erklären kann – besonders für Jugendliche. Das kann er so gut, dass er schon zweimal mit Büchern auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis stand. Zuletzt mit einem ambitionierten Buchprojekt über seinen Opa mit Holzbein und andere Menschen, die den Schrecken und die Folgen des Ersten Weltkrieges begreifbarer machen. Weil sein Stammverlag Random House da Zweifel hatte, ob sich das verkauft, erschien es etwas überraschend bei Ars Edition. Ein Ausrutscher, denn sein neuestes Sachbuch Jugend in Gefahr! 19 Tipps, wie du deinen 20. Geburtstag erlebst. Und den 100. vielleicht auch noch. erscheint nun wieder bei cbj.

Um was geht es diesmal? Um die Gefährdungen jungen Lebens. Von Kokosnüssen erschlagen zu werden. Impotenz durch Röntgenstrahlung. Durch Computerspiele Gehirnerweichungen zu bekommen. Falsche Ernährung. Schönheitswahn. Geschlechtskrankheiten.Todestern Sonne. Noch nicht genug? Das Register führt jede Menge weiterer Risiken auf von A wie ADHS über M wie Miley Cyrus bis Z wie Zugunfall. Will heißen: Jung sein ist kein Spaß. Überleben schon gar nicht. Es sei denn, der nette Onkel mit der Brille erklärt dir mal, wie’s geht. Er muss es ja schließlich wissen, immerhin hat er seinen 20. Geburtstag schon glatte 29 Jahre hinter sich.

Worum es diesem Sammelsurium nicht geht, ist kniggeartig vorzuschreiben, was der Jugendliche zu tun und zu lassen hat. Wäre ja auch noch schöner. Stattdessen führen die 19 Kapitel mit den jeweils abschließenden Tipps immer auf den einen, holzhammerartig verbreiteten Merksatz zu: Es kommt darauf an.

Beim Röntgen zum Beispiel. „Sie bringen nicht nur Nutzen, sondern können auch Schaden anrichten.“ Aha. Dann wird anhand von Zahlen und Wahrscheinlichkeiten nachgewiesen, dass es tatsächlich gefährlich sein kann. Das heißt in den Worten von Nikolaus Nützel: Lass dich nicht vom eigenen Denken abbringen, nimm doch eine Nutzen-Risiko-Abwägung vor! Wollte ich nur gesagt haben.

Das macht der Jugendliche natürlich auch beim Sex, im Straßenverkehr oder bei Schönheitsoperationen: Er geht ganz rational ran, wägt ab, blättert nochmal durch die neuesten Erkenntnisse aus der Medical Tribune und entscheidet dann. Kann ja nichts mehr schief gehen. Aber reicht das aus für ein ganzes Buch? Das mit briefmarkengroßen Bildchen von seltsamen Schildern, Werbung und aus der Google-Bildersucht stammenden Fotos einen Hauch von Farbigkeit suggerieren will?

Es verwundert nicht, dass vor allem Eltern dieses Buch empfehlen. Genau das ist es, ein Erziehungsbuch. Das Eltern ihren Kindern in die Hand drücken. „Lies doch mal!“ Und das nach kurzem Blättern auf dem Stapel unnütz verschwindet. Und jetzt auch auf dem Stapel unnützel.

Nikolaus Nützel, Hannes Blankenfeld: Jugend in Gefahr! 19 Tipps, wie du deinen 20. Geburtstag erlebst. Und den 100. vielleicht auch noch. cbj 2015, 176 S., 16,99 €

Nachschlag Januar 2016: Zum Einschlafen

KaninchenKleinnager in Wald und Flur sind häufig nachtaktiv, und das ist gut so. Kleinkinder im Babybett sind auch häufig nachaktiv, und das ist alles andere als gut. Jedenfalls für die Eltern. Deshalb steht in jeder Familienbibliothek der Standardratgeber Jedes Kind kann schlafen lernen. Und in jedem Kinderzimmer eine Auswahl an Vorlese-Bilderbüchern, in denen Tiere mit großen Zähnen (Biber, Hase, Kaninchen, Vampir) unbedingt zur Ruhe kommen sollen, und zwar jetzt.

Das funktioniert natürlich deshalb nicht, weil die Autorinnen und Autoren keine Master Practitioner in NLP (neurolinguistisches Programmieren) sind und gar nicht wissen können, mit welchen Techniken Kinder schlagartig in den Schlaf fallen. Carl-Johan Forssén Ehrlin dagegen ist es und weiß es und hat aber jetzt daraus ein funktionales Vorlesebuch Das kleine Kaninchen, das so gerne einschlafen möchte mit Bedienungsanleitung gemacht: „Durch das langsame Vorlesen, die Betonung bestimmter Worte und das Einbauen von Gähnen und bestimmten Wiederholungen“ ratzen Kind und Kaninchen schon vor dem Ende der Geschichte friedlich weg. So jedenfalls lautet das Versprechen, dass das Buch jetzt endlich zu einem internationalen Bestseller gemacht hat.

Woran dieser Erfolg nicht liegen kann, sind die Illustrationen. Schon auf dem Titel sehen die Kaninchen aus wie Kängurus mit zu langen Ohren, dahingekritzelt wie Akkord-Ostermotive für den VHS-Kunsthandwerksmarkt in Nieder-Mörlen. Es wird nicht besser, jetzt. Denn woran dieser Erfolg auch nicht liegen kann, ist der Text. Autogenes Training hin, NLP her, schlecht und holprig bleibt schlecht und holprig, jetzt aber mal. Schon die Geschichte ist an den Löffeln herbeigezogen. Statt ihr Kaninchenjunges ins Bett einzukuscheln und ihm eine Geschichte vorzulesen macht sich Mama mit Konrad Kaninchen auf den Weg zum Schlafzauberer Onkel Sandmann auf die andere Seite der Wiese. Dazwischen begegnen sie der Schnecke Herrn Schläfrig und der Eule Frau Müdeblick und dem Autor Klaus Kordon. Kleiner Scherz, dem nicht, aber dessen Name würde sich für ein von Gähnen unterbrochenes, lang gezogenes Vorlesen eignen wie kein zweiter. Egal. Onkel Sandmann schlussendlich vertraut auf „das kraftvolle, magische und unsichtbare Schlafpulver“ – wenn es unsichtbar ist, woher weiß ich denn dann, dass es ein Pulver ist und keine Flüssigkeit? – und schwupps, schon muss sich Konrad sputen, um nicht auf der Stelle und jetzt aber mal sofort einzuschlafen. Diese hanebüchene wie schnarchige Geschichte wird durch die Vorleseanweisungen noch getoppt. Mal wird Konrad direkt angesprochen, dann soll der Name des Kindes kumpelhaft mit in den Text eingefügt werden, und über allem schwebt die vom Autor eingeschriebene Autosuggestion, dass das Kind selbst unbedingt jetzt und auf der Stelle einschlafen will. Schon klar, wollen Kinder ja immer.

Wenn Kinder also beim Vorlesen dieses Buches jetzt wirklich einschlafen, dann hat dieses Buch zwar sein Ziel erreicht. Aber ist es jetzt wirklich das Ergebnis der angewandten Entspannungstechniken? Oder nur die Flucht vor der quälend langweiligen und lieblos gestalteten Geschichte?

Übrigens, wenn sich jemand wundert, dass in diesem Text in jedem zweiten Satz ein befehlstonartiges wie willkürliches „jetzt“ auftaucht – auch das gehört zum System und fokussiert die Kleinen aufs Einschlafen. Glaubt Forssén Ehrlin. Wenn das so einfach ist, dann kann ich das auch: Machen Sie einen großen Bogen um dieses Buch, und zwar jetzt!

Carl-Johan Forssén Ehrlin/Irina Maununen (Illu.): Das kleine Kaninchen, das so gerne einschlafen möchte. Mosaik 2015, 32 S., 12,99 €

Heut geb ich’s dem Maxim!

auerhaus gesamtDie gute Nachricht: Im literarischen Quartett am 11.12. ging es um ein Jugendbuch! Die schlechte: Keiner wollte das wahrhaben. Aber der Reihe nach: Diskutiert wurde der Roman Auerhaus von Bov Bjerg, erschienen im Verlag Blumenbar. Es ist die Geschichte einer Gruppe psychisch angeschlagener Jugendlicher, die in einer Art autonomer WG, im Dorf das Auerhaus genannt, versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Einstimmig gab es großes Lob für Autor und Buch. Alles gut soweit. Bis Daniel Cohn-Bendit unvorsichtigerweise formulierte, er habe sich bei den ersten Seiten der Lektüre gewundert, dass Maxim Biller ein Jugendbuch für die Diskussionsrunde vorgeschlagen habe. „Was will Maxim Biller mit einem Jugendbuch?“ Nach einigem Hin und Her über diese wunderbare Geschichte, über die geschilderte Lust am Leben und die großartige Schilderung dieser Seelenkrüppelgemeinschaft übernimmt Maxim Biller seine Paraderolle als Dauerbesserwisser mit dem Satz: „Das ist kein Jugendbuch. Es tut so.“ Aha. Weil es in Wahrheit von den Eltern handele, die als wichtiger Subtext unter der Geschichte dieser Jugendlichen liege. Oho. Dann wird es phänomenologisch. „Warum haben wir in der deutschen Literatur der letzten Zeit das Phänomen, ein Erwachsenenschriftsteller schreibt ein vermeintliches Jugendbuch? Hermsdorf „Tschick“, Jochen Schmidt „Schneckenmühle“, hier „Auerhaus“ (…) Warum traut er sich nur, (…) bei einem vermeintlichen Jugendbuch, einfach sich gehenzulassen?“ Nun gibt es die Verschwörungstheorie, dass die Bildungshuberei der Feuilletons und der Suhrkamp-Literatur die Autoren bis zur Sterbenslangweiligkeit knechte. Und Bob Bjerg nur deshalb schreibe, ohne sich anpassen zu müssen, weil er so tut, als schriebe er ein Jugendbuch.

An dieser Diskussion sind zwei Aspekte interessant: Erstens die Behauptung, Auerhaus sei kein Jugendbuch. Zweitens die Behauptung, leicht und unangepasst zu schreiben gelinge oft unter der Tarnkappe Jugendbuch bzw. mit dem Trick, es vermeintlich so daherkommen zu lassen.

So einfach ist es nicht. Die Diskussion, ob ein Buch ein Jugendbuch ist oder nicht, dürfen selbstverständlich viele führen. Ein Jugendbuch ist nicht nur dann ein Jugendbuch, wenn es in einem Kinder- und Jugendbuchverlag und kein Jugendbuch, wenn es dort nicht erschienen ist. Ein Jugendbuch ist auch dann ein Jugendbuch, wenn es von Jugendlichen gelesen wird, weil es eine relevante Geschichte erzählt. Die ist in Auerhaus dominant. Natürlich spielen Erwachsene eine Rolle, die man jedoch extrem überhöhen muss, um sie, wie Maxim Biller, als tragend zu charakterisieren. Genau das ist ja die Kunst von Bob Bjerg: die sehr gelungene Doppeltaddressiertheit an Erwachsene und Jugendliche. Übrigens: Wolfgang Herrndorf hat Tschick sehr wohl als Jugendbuch geschrieben und gesehen. „Ich habe überlegt, wie man diese drei Dinge (d.h. schnelle Eliminierung der erwachsenen Bezugspersonen, große Reise, großes Wasser) in einem halbwegs realistischen Jugendroman unterbringen könnte.“ sagt Wolfgang Herrndorf am 31.01.2011 in einem Interview mit der FAZ.

Und sorgt der Trick Jugendbuch tatsächlich für leichte und unbeschwerte Literatur? Die lesbarer und zugänglicher ist als die Feuilleton-Bildungshuberei? Wenn es nicht so despektierlich daherkommen und dem Jugendbuch eine gewisse Literarizität absprechen würde, wäre da was dran. Denn in der Tat, das Jugendbuch will gelesen werden, Belletristik oftmals nur geschrieben. Was die Lektüre oft erschwert.

Trotzdem wäre es schön gewesen, Auerhaus hätte im Literarischen Quartett einfach mal ein tolles Jugendbuch sein dürfen. Es hätte niemandem weh getan. Selbst dem Buch nicht.

Hatschi!

rezension-aura-verliebt-in-einen-geist-von-je-L-ojpq1NMitten hinein in die Erkältungszeit platzt diese Personalmeldung: Auf Jürgen Weidenbach, Verlagsleiter von cbj und cbt, folgt zum 1. April 2016 Markus Niesen. Der Markus Niesen, der, vor wenigen Wochen verkündet, zum 1. Januar 2016 in gegenseitigem Einvernehmen die Verlagsgruppe Oetinger verlässt – er war einfach auf dem Markt. Mit ihm hat Random House einen „sehr kompetenten und erfahrenen Verlagsleiter“ eingekauft, wie es in der offiziellen Pressemitteilung heißt. Als Beleg dient zum Beispiel der Verweis auf den Bestseller Die Tribute von Panem von Suzanne Collins, die er entgegen der Pressemitteilung nicht „entdeckt“ hat, da die Autorin über die in den Jahren zuvor erschienene Gregor-Reihe sowie schon im Oetinger Verlag war. Erwähnt werden auch seine Leistungen, „den Vorleseverlag ellermann und die Oetinger Taschenbuch GmbH erfolgreich positioniert und aufgebaut“ zu haben. Zumindest letztgenanntes war keine so große Managementkunst, wenn man wie Oetinger auf die Titel mehrerer Konzernverlage und eine umfangreiche wie gepflegte Backlist zurückgreifen konnte und kann. Von diesen Möglichkeiten ausgehend wirkt das Oetinger Taschenbuch noch heute ein wenig stiefmütterlich behandelt und als Programm wenig konturiert.

Es bleibt also bei genauerer Betrachtung insbesondere der Pressemitteilungen der Oetinger Verlagsgruppe wenig übrig von den Vorschusslorbeeren. Denn der Höhepunkt seiner verlegerischen Tätigkeit liegt eine Weile zurück. 2001 wechselte er von der Fischer Schatzinsel nach Hamburg und arbeitete als Geschäftsführer für den Programmbereich der Verlage Friedrich Oetinger, Ellermann und Erika Klopp. 2010 kam dann die Leitung des Oetinger Taschenbuchverlages hinzu, um wenig später die Verantwortung für den regulären Oetinger Verlag abzugeben, das programmatische Herzstück. Erika Klopp wurde eingestellt und seit 2014 liegt die Geschäftsführung für ellermann in den Händen von Julia Bielenberg. Bleibt dort also nur noch die Verlagsleitung übrig. Und das Oetinger Taschenbuch. Das ist nicht mehr allzuviel und sicher einer der Hintergründe für den Abschied Ende 2015. Trotz allem, bei 14 Jahren in leitender Position, gehört es sich für die aktuelle Oetinger-Geschäftsführung, ihn für die Mitgestaltung zu würdigen. Auch wenn all die zukunftsweisenden Neuerungen und digitalen Experimente in der Verlagsgruppe auf die Ideen der nunmehr alle Schlüsselpositionen innehabenden Verlegerfamilie Weitendorf/Bielenberg zurückgehen.

Nun also cbj und cbt. Das heißt Programmfülle, unklare Positionierung der beiden Marken, ein bisschen Kraut und Rüben. Alles soll und muss sich rechnen, aber die großen Ideen fehlten bislang. Mit Ingo Siegers Kleiner Drache Kokosnuss ist ein starker Charakter im Programm, der vieles andere möglich macht. Deshalb hat Random House gerne zugeschlagen, wenn große Namen auf dem Markt waren. Die wie Joachim Masannek die Erwartungen gar nicht oder wie Zoran Drvenkar nur bedingt erfüllt haben. Dass also soll Markus Niesen richten, der sich bei der Vermarktung einer Kokosnuss sicher wohler fühlt als bei der literarischen Ausrichtung eines Titelkonvoluts oder als Vordenker für die digitalen Herausforderungen der Zukunft. Keine leichte Aufgabe.

Buchmessenrückblick 3 – Selfpublishing im Kinderbuchregal

Selfpublisher werden ernst genommen. Die können was. Die verkaufen ihre Werke auch. Die wollen mittendrin sein statt nur dabei. Das haben Verlage für sich entdeckt und unterhalten Hybrid-Imprints, die wie ein Selfpublishing-Dienstleister funktionieren und bei großem Erfolg den Übergang in die etablierte Verlagswelt nebenan bieten. Und deshalb gab es auf der Buchmesse die Selfpublishing-Area mit „Workshops, Panels und Präsentationen“ und Aussteller wie Amazon und Co., die ihre Angebote für Veröffentlichungsmöglichkeiten suchende Autorinnen und Autoren vorstellten. Und es gab eine sogenannte Einzelbuchausstellung gedruckter Werke. Richtige, echte Bücher, die sich vor denen aus den klassischen Buchverlagen nicht zu verstecken brauchen. Glauben die Selfpublisher. Wenn ich ganz ehrlich bin: Glaube ich nicht so, beim Blick in die Ausstellung. Und zwar deshalb:

HandschuhbärHeiko Jürgens: Der Handschuhbär
Ein Kinderpappbilderbuch über einen Bär, der gelbe Handschuhe trägt. Gelbe Handschuhe mit vier Fingern, nicht fünf. Obwohl ein Bär fünf Zehen und damit fünf Krallen hat. Der Text ist gereimt. Mal im Paarreim, mal im Kreuzreim, mal gar nicht, relativ beliebig. Und die Illustrationen? Nicht der Rede wert. Aber da der Autor und Illustrator einen eigenen Designshop hat, existiert zumindest eine Vertriebsschiene.

schleuderClaus Mattheck: Die Mechanik der Schleuder erläutert mit einfühlsamen Worten von Pauli dem Bär
Ja, mit dem Pauli ist nicht gut Kirschen essen. Ganz einfühlsam erklärt er Kindern, 1. Mai-Demonstranten und dem schwarzen Block den richtigen Einsatz einer Zwille. Der Autor, der seine Bücher auch selbst illustriert, weiß Bescheid, denn er ist Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), was ja schon fast so klingt wie K.I.T.T. aus Knight Rider. Mechanik oder auch die Körpersprache von Bäumen erklären (so ein anderes Buch) kann er wohl ganz gut. Das hat deutlich mehr Potential als in dieser doch sehr handgemachten Form.

nils-nilpferdUdo Auge: Nils Nilspferd oder vom Fremdsein und Freunde finden.
Nein, kein Druckfehler, Nils heißt mit Nachnamen wirklich so. Das Buch will nicht nur Integration darstellen und vermitteln, es ist auch im EmigrantiVerlag erschienen. Schade nur, dass da jemand grafisch und typografisch so gar kein Gespür hat und ihm dafür auch die technischen Möglichkeiten fehlen. Denn das Motiv aus vielen Kreisen und Ellipsen verrät so gar nicht, um was es in der Geshcichte gehts. Gut gemeint, aber eindeutig schlecht gemacht.

Liebe auf 7 PfotenSigrid Suszek: Liebe auf 7 Pfoten
Es ist „die Geschichte von der Schäferhündin Xena und dem dreibeinigen Wolf Naum, wie sie sich im Jahre 2000 in Ostbrandenburg zugetragen hat. Es erzählen 3 Tiere und 2 Menschen, wie sie die Geschichte aus ihrer Sicht erlebt haben.“ heißt es zum Buch. „Mit Bildern aus dem privaten Videofilm.“ Soso. Nette Menschen, die andere vom Nutzen der Spezies Wolf erzählen wollen. Aber: Wäre das Video, geschnitten und vertont, da nicht die bessere Alternative gewesen als dieses langweilig daherkommende Buch mit vielzuviel Text auf dem Cover? Bestimmt.

wie miri schwimmtHanna und Veronika Veitl: Schau mal, wie Miri schwimmt!
Miri lernt nicht nur schwimmen. „Sie lernt über das Verhalten des menschlichen Körpers in Wasser und experimentiert mit verschiedenen Schwimmstilen. Die fantasiereiche und humorvolle Geschichte motiviert mit anregenden Illustrationen“, unbedingt einen Zeichenkurs für Anfänger zu belegen. Nicht nur die wackelige Ausdrucksweise des Textes fällt auf, sondern auch die dilettantisch kolorierten Bilder, die selbst unter Wasser keinerlei Eindruck machen. Da muss ich Conni nicht warm anziehen.

PaulchenPaul Sonn: Paulchen + Paulinchen … und die Reise auf der rosa Wolke.
Die beiden Kinder reisen auf einer rosa Wolke um die Welt und halten hier und dort, um über eine Strickleiter auf die Erde zu gelangen. Ein Sprachen-Zauberkoffer ermöglicht es ihnen, sich mit allen Kindern in der jeweiligen Landessprache zu verständigen. Und da erzählen sie so dies und das. Klingt ziemlich belanglos und wird durch das Cover und die Illustrationen ins bodenlose hinabgerissen. Die wirken so, als hätten Paulchen + Paulinchen sie auf der Reise mit der wackeligen Wolke selbst gemalt. Will das jemand? Nein.

Hätte irgendeines dieser Bücher eine Chance bei einem renommierten Verlag? Eher nicht bis auf keinen Fall. Fehlt dem klassischen Buchmarkt deshalb ein wichtiges Werk? Eher nicht bis auf einen Fall. Das heißt, dass im Kinderbuch der qualitative Abstand noch sichtbar ist. Wer tatsächlich Wert auf fantasievolle Geschichten und Illustrationen legt, wird bei Selfpublishern noch nicht fündig.

Buchmessenrückblick Teil 2 – Wie super ist das SuperBuch?

Superbuch.jpg.1585801Im Herbst 2015 startete Carlsen die Reihe LeYo! als eine Kombination aus Buch und App und Augmented Reality-Anwendung. Eine erfolgversprechende Idee vor allem von Medienunternehmen, die noch Papier verwenden. Denn Augmented Reality in der vorgestellten Form braucht eine gedruckte Vorlage, um sie zu scannen und mit digitalen Inhalten verbinden zu können.

Dann fiept, spricht, bewegt sich etwas auf dem Second Screen von Handy oder Tablet, was im Buch statisch wirkt. In Mein Atlas zum Beispiel fahren Schiffe auf dem Ozean, hört man in Australien ein Digeridoo und kann sich die Begleittexte vorlesen lassen. Schiere Begeisterung löste dieses Konzept im Buchhandel noch nicht aus, die Technik war nicht immer auf der Höhe, man brauchte eine ruhige Hand (und das Kind ein teures Hilfsgerät) und erklärungsbedürftig ist solcher Elektronikschnickschnack für Buchgeschenkkäufer natürlich auch.

Doch der Technik Augmented Reality wohnt eine ungebrochen hohe Faszination inne. Der nächste, der mit einem AR-Projekt auf Buchhändler und Kinder losstürmt, ist Till Weitendorf an der Spitze des Oetinger-TigerBooks-Imperiums. Das ganze nennt sich SuperBuch, startet im Frühjahr 2016 und hat einen sichtbar anderen Ansatz: Keine neuen Bücher sind Grundlage, sondern erfolgreiche Backlist-Titel aus kooperierenden Verlagen, zum Beispiel Der Regenbogenfisch von Marcus Pfister (NordSüd) und Janosch mit Oh wie schön ist Panama (Beltz & Gelberg) und Pettersson und Findus: Findus zieht um von Sven Nordquist (Oetinger).

Das heißt, hier sind es Bilderbücher, die super werden. Und zwar „Jedes SuperBuch bietet neben atmosphärischen Sounds und professionellen Vorlesern eine Vielzahl pädagogisch wertvoller (Lern-)Spiele, witzige Animationen und tolle, noch nie dagewesene 3D-Effekte.“ Klar, wo sollen die tollen 3D-Effekte in einem Buch auch herkommen. Wobei die meisten Bilderbuchleser bislang noch nicht über fehlende 3D-Animationen in Büchern geklagt hätten.

Doch wie kommt das SuperBuch zum Leser? Natürlich durch den begeisterten Buchhändler. Denn für den ist dieser Super-Effekt vollkommen kostenlos. Sprich: Das normale Buch ohne Aufkleber kostet genausoviel wie das mit. Dafür profitiert er von einem Handelsetat von 200.000 Euro mit 15 Millionen Kontakten über Ströer Infoscreen und Social Media-Kampagnen. Sprich: Der Kundendruck soll den Buchhändler zur Herausgabe der SuperBücher zwingen. Denn er selbst hat ja wenig davon, ob er das Buch mit oder ohne Augmented Reality verkauft.

Und die Verlage? Müssen den technischen Aufwand natürlich trotzdem finanzieren, allerdings nicht auf dem Rücken der Käufer, sondern dem eigenen. Das bedeutet, sie tragen die Kosten für die Augmented Reality-Anwendungen, zusätzlich zum Werbebudget.

Damit sollen im übrigen „komplett neue Käufergruppen“ erreicht werden, sagt der Verkaufsfolder von SuperBuch. Wer auch immer das sein soll, der da ihm völlig unbekannte Läden stürmt, weil es nun endlich Bücher mit 3D-Effekten gibt.

Trotz aller Skepsis, man kann es ja mal versuchen. Auch wenn in diesem Falle der Satz Versuchen kostet nichts nicht stimmt. Zumindest nicht für die beteiligten Verlage.

Buchmessenrückblick Teil 1 – Die Literaturbeilagen

LiterauturbeilagenWo und wann wird über Literatur gesprochen? Auf der Buchmesse in Frankfurt natürlich. Die wichtigsten Titel der Saison? Werden in den Literaturbeilagen der großen Tages- und Wochenzeitungen vorgestellt und besprochen. Ein Fest für die Literatur! Und ein Fest für die Kinder- und Jugendliteratur! Ich freue mich sehr, stelle mir etwas zu Essen und zu Trinken bereit, um mich zwischenzeitlich zu stärken bei der sicher umfangreichen Nachlese aller Rezensionen zu den großartigsten Büchern für junge Leser.

Ja, der SPIEGEL gönnt sich eine nigelnagelneue Literaturbeilage, und neben der Belletristik und dem Sachbuch und den DVDs und Serien und Games kommt das Kinderbuch … nicht mehr. Oh. naja, der SPIEGEL eben.

Dafür aber die ZEIT! Die ja den Luchs des Monats vergibt, samt Jahresluchs. Und 72 Seiten Literatur in einer Beilage füllen darf! Klar, erst Belletristik, politisches Buch, Sachbuch, dann noch der unvermeidliche Martenstein, und jetzt das Kinder- und Jugendb… – fertig, die 72 Seiten sind rum. Ach.

Gut, dann reißen’s die großen Tageszeitungen eben raus. Die SÜDDEUTSCHE! Wenn dort neben der Belletrisitk und dem Sachbuch auch das Hörbuch und das Reisebuch seinen Platz hat, dann ist bestimmt fürs Kinderbuch – nix. Ui.

Die WELT vielleicht? Die an den Rolltreppen der Messehallen verteilte Beilage ist dünn und enthält auch nichts, wie man das Blatt auch wendet.

Also, alles auf die FAZ. Ja, siehe da, zwischen Belletristik und Sachbüchern gibt es zwei volle Seiten. Ein Lichtblick. Und da sie ja fast dazu gehört: In der FRANKFURTER RUNDSCHAU schließt eine Seite Kinder- und Jugendbuchkritik die Beilage ab. Immerhin.

Die LITERATAZ enthält nur neue Bücher und keine Sparten, das sind doch eh nur bürgerliche Kategorien, aber Kinder- und Jugendbücher enthält sie dafür nicht. So ist das also mit basisdemokratischen Strukturen und so weiter und so fort. Enttäuschend.

Und die linke Linke? Am Ende der Literatur stehen zwei Seiten mit kurzen Rezensionen und Annotationen zu aktueller Kinder- und Jugendliteratur. Von der Menge der vorgestellten Titel ein klarer Sieg für die Literaturbeilage von NEUES DEUTSCHLAND. Wer hätte das gedacht!

Anmerkung 1: Ich gestehe: In der ein oder anderen Zeitung erschien im Laufe der Messe im Feuilleton tatsächlich Kinder- und Jugendbuchkritik. Beantwortet aber die Frage, warum dann nicht auch in den Literaturbeilagen, leider gar nicht.

Anmerkung 2: Der SPIEGEL hat in der Ausgabe 43 vom 17.10.2015 eine ganze redaktionelle Seite für ein Interview mit einem Kinderbuchautor freigeschlagen. Der bekannte Schriftsteller heißt Carl-Johann Forssén Ehrlin. Über den Titel seines Buches, irgendwas mit Kaninchen, bin ich aber leider eingeschlafen …